Shanti – Shanti

Shanti Shanti – dieser Ausdruck begegnete mir in Manali bei unserer kleinen Wanderung. Amna sprach davon, dass sie hier das „Shanti Shanti“- Gefühl hat. Mhm gut Shanti kenne ich aber das Shanti Shanti- Gefühl? Nach ein wenig eigen Recherche war ich dann schlauer. Das besagte Gefühl beschreibt die befreiende Empfindung, wenn man nach Indien kommt. Shanti steht für Frieden und wird hier auch als „immer mit der Ruhe“ benutzt. Auf diesen magischen Kick habe ich von Beginn an gewartet und ihn nicht erfahren. Heute morgen am Mittwoch den 15. Mai 2019 lernte ich besagtes Gefühl kennen. Die Nacht war mit weniger als fünf Stunden relativ kurz. Ich praktizierte meine Routine, welche mich sofort wach machte. Drei verschiedene Atemtechniken und ich war wach. Wie gesagt – Kaffee benötige ich eh nicht mehr 🙂 Bevor die erste Stunde um sechs Uhr losging hatte ich noch ein wenig Zeit. Unser Yoga-Raum ist umgeben von einem Balkon. Auf diesem Balkon genoss ich die kühle Brise, welche von den Bergen her wehte. Meine nackten Füße auf dem kühlen Boden und mein Kopf in der frischen Luft. Ringsherum die grünen Berge, der Wasserfall, die Aussicht herab ins Tal, wo irgendwo der Ganges fließt. Alles wachte langsam auf, von irgendwoher hörte ich eine zauberhafte Version eines Mantras. Hier und da bewegten sich Menschen an den umliegenden Häusern. Und dann war es plötzlich da – dieses Gefühl in der Brust, welches sich in meinem gesamten Körper ausbreitete. Ein Gefühl des Friedens. Ein Gefühl des Da-seins. Nach über einem Monat Indien, nach über zwei Wochen Rishikesh und nach 1,5 Wochen in der Yoga-Ausbildung war ich für diesen Moment komplett da, eins und spüre nach wie vor diesen Frieden. Indien war von Beginn an ein Geschenk, eine Offenbarung und ein absolut positives Abenteuer. Mein Ankommen in all meinen Körpern und Ebenen hat ein wenig länger gedauert und war nicht ganz unkompliziert aber ich hatte nie Angst oder riesige Zweifel. Nun will ich nicht wieder von Kranksein berichten – es ist nur so viel zu sagen: Die erste Woche in der Yoga-Schule war nicht von meiner besten gesundheitlichen Verfassung begleitet wodurch ich an drei Tagen jegliche Anstrengung hab sein lassen und mit einem Ayurvedischen Therapeuten gesprochen habe. Seither ist es stetig bergauf gegangen und seit zwei Tagen fühle ich mich richtig gut und spüre, dass mein Körper wieder zu Kräften kommt. Das was ich hier erleben durfte war meines Erachtens ein völliges Ankommen. Nicht nur körperlich. So viele Prozesse kommen hier in Gang und äußern sich natürlich physisch. Das Gefühl heute morgen war vielleicht eben genau das: Ein Ankommen. Es ist unglaublich, dass bereits die zweite Woche der Ausbildung begonnen hat. Jeder Moment ist so einmalig, besonders und von diesen Momenten gibt es so viele. Das Einleben hier ging wirklich schnell. Heute verlassen uns bereits die ersten Teilnehmer. Die Gruppe besteht aus Retreat-Teilnehmern (10-14 Tagen), 200 Stunden Auszubildenden, 300h Auszubildenden und 500h Auszubildenden. Wir kommen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. Süd-Afrika, Venezuela, Spanien, Kolumbien, Mexiko, Brasilien, Indien, Ägypten, Argentinien und ich bisher als einzige aus Deutschland. Mal wieder merke ich, wie schön es wäre Spanisch sprechen zu können. Wir sind sehr schnell zu einer kleinen Familie geworden und jeder gibt auf jeden Acht. Da eigentlich alle in der ersten Woche mit irgendetwas zu kämpfen hatten, wurde sich abwechselnd gekümmert und auch das Team der Schule ist sehr fürsorglich. Unser Stundenplan ist prall gefüllt und doch haben wir auch freie Stunden für selbstständiges Lernen oder sonstige Beschäftigungen. Das die Schule etwas außerhalb und zwischen den Bergen liegt, offenbart sich als Segen. Man ist so nah an der Natur und etwas weiter den Berg herauf gibt es eine kleine versteckte Stelle zum Erfrischen. Das Quellwasser bietet kleine versteckte Wasserbecken und der Weg dorthin ist eine schöne Strecke bergauf für etwas Bewegung zwischendurch. Obwohl wir morgens 90 Minuten und abends 90 Minuten Yoga-Praxis haben fehlt die Bewegung zwischendurch, denn wir sitzen in den weiteren Stunden primär. Morgens, mittags und abends werden wir kulinarisch bestens vom Küchen-Team versorgt. Man würde ja denken bei 45 Grad Außentemperatur würde der Appetit etwas gebremst werden aber dem kann ich nicht zustimmen. Wir sind alle sehr hungrig und freuen uns über die ayurvedisch-indische Küche. Hier werden Körper, Geist und Seele beansprucht und ich glaube das macht hungrig. Da wir Yoga-Praktizierende sind ist das auch kein Problem. Als „richtiger“ Yogi braucht man gar nicht mehr so wirklich Nahrung in dem Ausmaß. Aber ich glaube das ist auch nicht unser Bestreben bzw. wäre es eine riesige Herausforderung den hundertprozentigen Weg als Yogi zu gehen. Es ist unglaublich interessant zu lernen ,was und wie die Yogis praktizieren. Immer wieder sieht man sie auch, wie sie sich auf den Weg zurück in den Himalaya machen. Dort leben viele von ihnen zurückgezogen in Höhlen. Bei unseren Touren haben wir die Männer gesehen, wie sie in ihren orangefarbenen Roben und nur mit einer Tüte und einem Wasserkrug bepackt die Straßen entlang zurück ins Gebirge wanderten. Meist barfuß und in kleinen Gruppen. Sie leben ein Leben fernab von materialistischen Dingen und praktizieren all die wunderbaren Wege des Yoga. Das was ich hier lernen darf ist ein kleines Herantasten. Es fühlt sich an als wäre ich eine kleine Raupe und hätte ein einziges Blatt eines riesigen Baumes probiert – ich würde aber am liebsten alle Blätter probieren. 6-7 Uhr: Pranayama und Meditation 7-8:30 Uhr: Hatha-Yoga Frühstück 11:-12:00: Korrektur und Haltung Mittag 14-15:00 Uhr: Anatomie 17:00-18:00 : Philosophie 18:00-19:30: Multistyle-Yoga Abendessen So in etwa sieht mein derzeitiger Tagesplan aus. Es wird noch eine Stunde hinzu kommen sobald der Mantra-Lehrer wieder zurück aus Bali ist. Ebenso können wir die anderen Stunden besuchen, die für die anderen Ausbildungen angeboten werden. Anfangs dachte ich ja, dass drei Stunden Yoga am Tag überhaupt kein Thema sind. Weit gefehlt. Ich fühle mich manchmal als hätte ich noch nie Yoga gemacht. Gleichzeitig begreife ich immer und immer mehr, dass der körperliche Teil, ein ganz kleiner Teil des Gedanken „Yoga“ ist. Diese Erfahrung berührt und fasziniert mich ungemein. Hier in Indien, in der Kultur, in den alten Schriften – den Veden – ist ein so großer Schatz vorhanden. Immer mehr hinterfrage ich vieles der westlichen Welt und wie uns viele Entwicklungen von unserem Ursprung entfernen. Kurz um – meine vorigen Ansichten, Fragen, Zweifel und Interessen finden hier einen riesigen Anklang und ich darf seit Tag eins in Indien so viel lernen und werde immer reicher an Wissen und Erfahrungen, die sich so gut anfühlen. Zwei Monate Ausbildung fühlen sich beinahe zu kurz an und so kreisen meine Gedanken schon darum, wie ich meine eigene Praxis und all das Wissen intensivieren kann. Im nächsten Augenblick werde ich mir dann aber wieder über den gegenwärtigen Moment bewusst und versuche alles im Hier aufzusaugen. Die Zukunft kommt schon – da brauch ich mir keine Gedanken drum zu machen. Zudem möchte ich hier den Raum nutzen das Leben geschehen zu lassen und die Magie zu erleben, welche sich durch das „Fließen lassen“ ergibt. Viele Jahre hab ich alles geplant – davon nehme ich hier Abstand und probiere den anderen Weg.

 

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