Energien.

Donnerstag – 23.05.2019

Du schlägst die Augen auf. Ein neuer Morgen, ein neuer Atemzug, ein neuer Tag gefüllt mit so vielen Sekunden, die von dir gelebt und gefüllt werden wollen. Die Energie, welche du am frühen Morgen lebst wird sich auf deinen restlichen Tag auswirken. Wie oft dachte ich hier bereits „Ach eigentlich macht es nichts, wenn ich um sechs nicht zum Unterricht gehe.“ Dann bin ich doch gegangen und nach 2,5 Stunden war meine Energie aufgeladen und ich zufrieden in Körper und Geist.
-Du bist immer da. Die kleine Stimme im Kopf-. Ich schrieb dir einst einen Brief. Einen Brief an mein Ego-Männchen (stelle mir eine kleine Zwergen-artige Gestalt vor) , der sich breit in meinem Bauch gemacht hatte und mir Schmerzen bereitete. Ein kleines schwarzes Wesen, welcher sich unteranderem immer dann meldete, wenn es darum ging Energiefördernde Dinge zu tun. Besonders vor Yoga- oder Meditationseinheiten. Vielleicht kennst du das. Das Gefühl, welches dich abhalten möchte von eigentlich sehr wohltuenden Dingen. Ich erkannte es als versuchte Blockade bei meinem persönlichen inneren Wachstum. Wachstum auf nicht greifbaren Ebenen. Denn nach jeder Begebenheit, die versucht wurde geblockt zu werden, spürte ich einen Wachstum. Nicht sichtbar in Muskeln, Geld, Noten, Eigentum oder Auszeichnungen. Ein Wachstum in deiner eigenen Anbindung an dich selber.

So können Tage also gefüllt mit Energie beginnen. Man nimmt alles mit, bewegt sich super viel und fühlt sich einfach unschlagbar. Und doch ist das alles veränderbar. Größere wie auch kleinere Ereignisse können deine Energie, dein Befinden verändern – und da kann auch kaum ein Notfallplan helfen. Das uns immer wieder Ereignisse im Leben begegnen, die uns aus der Bahn werfen, ist unumgänglich. Die Frage ist, wie gehst du in diesen Momenten mit dir selber um? Machst du dir Vorwürfe, fällst du unaufhaltsam, suchst du die Schuld, was empfindest du und wie richtest du dich aus?
In den drei Wochen hier habe ich uns alle beobachten dürfen. Die anderen ebenso wie mich selber. Jeder Mensch hat einen eigenen Umgang mit Gefühlen, Begebenheiten und den persönlichen Herausforderungen. Hierbei geht es meines Erachtens auch nicht um das, was etwas auslöst sondern um den Umgang mit dir, mit mir selber. Frustration und Vorwürfe sind schneller akzeptiert als Verständnis und Sanftheit. Umgekehrt sind diese beiden Faktoren, die ersten, die wir unseren Mitmenschen entgegen bringen, wenn sie sich uns anvertrauen. Wieso ist es so herausfordernd, sich selber ein guter Freund, eine gute Freundin zu sein? Selten würden wir sagen : “ Sei nicht traurig. Stell dich nicht so an. Steh auf und ignorier deinen Körper. Kannst du bitte deine Gefühle nicht so ausleben. Das könntest du aber auch besser machen.“

Neben den einzelnen Unterrichtsstunden und Lehreinheiten sind wir uns selber auch sehr wichtige Lehrer. Mal unbewusst und mal sehr bewusst. Ohne allzu viel Ablenkung und in einem festen Rahmen kommt man sich in dieser Wohn- und Lernform sehr nahe. Die Yoga-Praxis auf der Matte ist ein riesen Lernfeld. Zwar auch für den Körper aber in erster Linie für den Kopf. Vergleichen, Verurteilen, Bewerten, Belächeln und Hinterfragen. In erster Linie sich selber. Denn wenn ich mich mit der überaus flexiblen Mariana vergleiche, dann ist das zu meinem Nachteil. Sie bekommt davon nichts mit und die Geschichte spielt sich einzig und alleine in meinem Kopf ab mit dem Resultat, dass ich die Balance verliere. Parallel spielt sich in ihrem Kopf eine andere Geschichte ab und in jedem weiteren Kopf ebenso. Auf der Matte passiert nichts anderes als auch sonst in unserem Leben. Geschichten und Stories spinnen sich in Form von Gedanken zusammen. Mal konstruktiv und mal destruktiv. Was ist also das, was die Menschen so an Yoga fasziniert? In unzähligen Stunden habe ich mich hinterfragt. Wieso mache ich etwas, das mir so viel abverlangt. Krafttraining im Fitnessstudio war für mich so viel leichter. Man muss sich auch motivieren aber der Effekt ist so viel schneller da und großartig mit etwas auseinander setzen musste ich mich da auch nicht. Musik an, Kopf aus und ab ans Eisen. Ich möchte das Training im Fitnessstudio oder jegliche andere Sportart nicht abwerten. Mir persönlich macht das nach wie vor Freude jedoch erlebe ich nochmal intensiver der Unterschied. Auf der Matte bist du im Moment mit dir, deinen Gedanken, deinem Körper und jeder Faser. Es ist eine permanente Konfrontation mit den eigenen Grenzen und dem Zirkus im Kopf. Parallel dazu bringt es dich in den jetzigen Moment. Es ist kaum möglich über die Zukunft oder Vergangenheit nachzudenken. Probiere es aus und du wirst es schnell spüren, denn es wird dich aus deiner Bewegung katapultieren. Du bringst so viele Elemente in Einklang und aktivierst ein ganzes Universum. Die Intensität der einzelnen Asanas ist unglaublich und ich habe sie noch nie so kennen gelernt oder ausgeführt. Eine Wissenschaft für sich und immer mehr begreife ich, dass die oft so geliebte Schnelligkeit in Bewegungen schaden kann. Wieso muss immer alles schnell und dadurch super intensiv sein? Woher kommt dieser Drang dazu immer schneller werden zu müssen? Und ich beziehe das nicht nur auf die Körperübungen im Yoga. Bringt uns diese Eile, diese Schnelligkeit und der Stress nicht weg von unserer natürlichen Intention Dinge auszuführen und zu machen? Ich darf hier allen Themen meines Lebens begegnen und es kommen neue Themen hinzu. Es ist auch die Erkenntnis aus diesen Themen etwas zu kreieren, denn sie sind nicht ohne Grund in mein Leben getreten. Ich hab nicht ohne Grund gelitten und viele fragwürdige Dinge gemacht und erlebt. Es ist nun umso mehr die Zeit das alles als Geschenk zu sehen. Ich beziehe die wunderschönen Erlebnisse ebenso mit ein doch sind unsere Lernerfahrung selten ein Eis am Strand gewesen. Es ist die Zeit der Transformation. Es ist die Zeit der Kreation und Kraft. Und das wünsche ich dir ebenso. Es gibt keinen Lebensabschnitt oder den richtigen Zeitpunkt. Es gibt nur Einatmen und Ausatmen. Mach dir jeden Morgen bewusst, wie wertvoll es ist, dass du an diesem Morgen die Augen aufmachen darfst. Ebenso wie der Mond und die Sonne sich abwechseln, ebenso wechselt sich alles in deinem Leben ab. Verpasse keine Gelegenheit aus deinen Tälern einen wunderschönen Weg zu kreieren. Jeden Moment ist das möglich. Es ist deine Energie, die du leben und verändern kannst. Im Außen gibt es nichts für eine langfristige Heilung oder ein langfristiges Wohlbefinden. Es ist in dir, in mir, in uns allen. Aber finden kann es jeder und jede nur für sich all-ein.

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