Gedanken einer Woche.

Es kracht. Ich schrecke hoch und schaue mich um. Nach wie vor bin ich alleine in unserem Yoga-Salah. Nur ich auf meiner Matte und mein Notizbuch. Die Vorhänge wehen wild durch die Gegend. Der Wind am frühen Morgen ist genau so wild und stürmisch wie der am Abend. Als würde er die Wende des Tages verkünden und die Energien neu vermischen. Es kracht wieder und diesmal befürchte ich, dass mir etwas auf den Kopf fällt. Das wäre übrigens nicht das erste Mal. Vor ein paar Tagen fiel mir ein Stein auf den Kopf. Kann ja mal passieren bei den Baustellen hier. Alles gut gegangen aber seit her bin ich doch etwas vorsichtiger bei Allem was von oben kommt. Es wird getrampelt und das Geräusch bewegt sich schnell und stark über mir auf dem Dach. Im nächsten Moment sehe ich das Rumpelstilzchen vor der offenen Balkontür. Ein Äffchen mit rotem Poppöchen stolziert daher. Ich muss schmunzeln und widme mich wieder meinen Vorbereitungen. In fünfzehn Minuten kommt Soraya dazu und dann wird gemeinsam geübt. Es ist unser freier Sonntag und wir haben uns verabredet. Ich darf an ihr meine erste Yoga-Stunde üben. Morgen beginnt die vierte und somit auch letzte Woche für die 200-Stunden Ausbildung. Es stehen also Prüfungen an in Form von angeleiteten Stunden und auch schriftlichen Prüfungen. Die Möglichkeit mit einer mir vertrauten Person zu üben ist ein Geschenk und bereitet mir auch Freude. Mir fehlen meine Vorbereitungen für die monatlichen Medi-Abende. Ich bemerke, wie ich vor Ideen sprudele, Yoga-Stunden vorzubereiten und lasse auch direkt ein paar Dalmanuta-Elemente mit einfließen. Generell merke ich wie sehr mir diese Ausbildung geholfen hat mich nicht davor zu scheuen vor Menschen zu sprechen. Die gesunde Portion Respekt und Aufregung gehört natürlich dazu aber es ist nicht mehr diese panische Angst. Damit einhergehend lerne ich hier immer mehr, dass ich mich weniger um die Gedanken anderer scheren darf. Denn das nimmt so viel Energie und Potenzial in Beschlag. Der Fokus auf die eigenen Möglichkeiten und die eigene Wahrheit richten, ohne andere Wesen absichtlich zu verletzen. Man kann es nicht jeder Person oder jedem Wesen recht machen aber mit der Intention der Liebe kann man den Weg für sich finden.
Es kracht erneut. Diesmal liege ich auf dem Bauch und mein Körper ist in Öl gehüllt. Es kracht noch einmal und ich spüre eine wohltuende Entspannung. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich mein Rücken war, der dieses Krachen von sich gab oder ob es Swatis Finger waren. Ein erneutes Drücken und Kneten nimmt mir kurz den Atem und ich grinse, denn dieser Schmerz bringt mich immer wieder zum Lachen. Ist er doch so herrlich gemein- wie eine tiefgehende Dehnung. Swati darf ich einmal die Woche für eine Stunde besuchen und dann steht eine ayurvedische Massage an. Das ist Bestandteil unserer Ausbildung beziehungsweise dem Paket. Die Gedanken kreisen so herrlich leicht umher während mein Körper bearbeitet wird. Hat er sich verdient, denke ich mir. Meine Kraft hat stetig zugenommen. Mental wie auch körperlich. Als ich hier ankam war ich ein ganz schöner Lauch. Dreimal Fieber hat sich bemerkbar gemacht und das Reisen an sich ist ja nicht sonderlich Bewegungsintensiv. Aber nun nach drei Wochen fühle ich mich gut und bemerke Veränderungen auf allen Ebenen.
Wir summen. Wir summen und es kullern Tränen. Zum Glück haben alle ihre Augen zu denke ich und kann beim besten Willen nicht weiter summen. Mit verschlossen Augen und Ohren sitzen wir um 06:30 morgens im Pranayama-Unterricht. Eine bestimmte Atemtechnik macht uns zu kleinen Bienen und gefällt mir sehr gut. An diesem Morgen jedoch entdecke ich, wie tief so etwas gehen kann. Das Leben hält immer wieder Erlebnisse und Begebenheiten parat, die einen aus der Bahn werfen können. Das eine Atemtechnik das dann freilegt und mir meine Kontrolle nimmt, ist neu für mich. Wie wird das dann nur im Yoga-Unterricht, denke ich mir. Schließlich erleben wir in all diesen Techniken eine Freilegung unserer verschiedenen Lagen, eine Reinigung, ein Loslassen von Verbissenheit. Keine Atem- oder Körperübungen für mich heute, beschließe ich und ziehe mich zurück. Jeder Tag ist anders und an manchen bedarf es Rückzug und Ruhe, Zeit mit Dir. Ganz gleich wo man ist.
Die Mägen knurren. Unsere Mägen knurren und wir stehen in dieser kleinen Küche und schauen begeistert unserem Lehrer zu. Unser Lehrer an diesem Abend ist der wunderbare Koch von dem kleinen Garten-Lokal namens „MANGO-TREE-GARDEN“. Ein kleiner lauschiger Ort ganz nah an unserer Schule. Hier kann man wunderbar draußen im Schatten lernen und köstliche Getränke und Speisen verzehren und das sogar in sehr guter Qualität und auf Wunsch auch in veganen Alternativen. Yippieh. Freitag Abends darf man dem Koch, dessen Namen ich leider nicht parat habe, über die Schulter schauen, mithelfen und anschließend Essen. Wir haben uns für „Kichari“ entschieden. Eine Art Dahl/Eintopf aus Mungo-Bohnen, Reis und Gemüse. Ich muss zugeben, dass vieles für mich vertraut war und doch habe ich sehr viel über die einzelnen Zutaten und die Zubereitung gelernt. Die wichtigste Zutat: Zeit. Denn Essen, welches in Stress und Eile zubereitet wird überträgt eben auch diese Schwingung. Selbiges geschieht ja auch bei Fleisch. Ohne eine Debatte zu eröffnen – das sind alles nur meine Eindrücke und Erfahrungen. Neben dem Kochen haben wir also auch viel über die ayurvedische Kochweise und Anschauung gelernt. Wir kochten also mit viel Zeit, einem leckeren Rote Beete- Spinat Saft (endlich wieder Entsaften – yippieh) und tollen Gesprächen. Der Besitzer ist ein junger Mann, der aus einem sehr gefährlichen Ort kommt, wie er sagt, und stetig seinen Weg gegangen ist ohne Erwartungen oder Gier. Sein Leben hat ihn nach Rishikesh gebracht und seit einem Jahr hat er dieses friedliche Örtchen eröffnet. Wir sind fasziniert von seiner Ruhe und dem Zuspruch, dass man nicht reich sein muss um sich zu verwirklichen. Im Gegensatz- weniger ist manchmal mehr. Weniger Pläne und Ressourcen eröffnen einem andere Wege. Die Wege der Bestimmung oder auch die des Lebens. Bin ich stets verplant, bin ich nicht offen für all die anderen Möglichkeiten, die es neben meinem einen Plan gibt. Mal wieder kann ich mir einiges hinter die Ohren schreiben.

Schweißgebadet.  Schweißgebadet wache ich auf und sehe Ihn neben mir. Ganz deutlich ist Shiva neben mir. Der Gott, der Zerstörung. Ich schrecke auf und stürze weinend aus meinem Bett. Ich taumle und weiß in selbiger Sekunde nicht mehr ab wann Wirklichkeit und Traum eine Grenze ziehen. Shiva – der Gott welcher für die Zerstörung steht. Die Zerstörung für Neues, für Gutes. Shiva löst auf und ist gütig. Er steht im Zusammenhang mit der Schöpfung, denn für Neues muss Altes aufgelöst werden.

Der Traum hat mich verwirrt und gleichzeitig wach gerüttelt. Wachgerüttelt für die verschiedenen Götter. Zwar habe ich mich immer wieder einmal mit ihnen auseinander gesetzt aber das „Verehren“ nie so ganz verstanden. Götter verehren klingt so unterwürfig. Und doch kann ich jedem nur ans Herz legen sich da vielleicht mal ein wenig einzulesen. Es geht um die Geste etwas oder jemanden zu ehren und gleichermaßen tut man sich selber damit etwas Gutes. Die verschiedenen Götter haben unterschiedliche Qualitäten und so kann man sich für jeden Tag neu ausrichten. Das geht natürlich auch mit Affirmationen und eigenen Mantren. Eine Figur oder ein Wesen zu haben mit entsprechenden Fähigkeiten und einer bestimmten Geschichte kann jedoch sehr unterstützend wirken. Ich hab ein Buch mit einer Auswahl an weiblichen Göttinnen und schaue so gerne, welche Göttin an entsprechenden Tagen in mir aktiviert werden möchte. Die männliche Energie ergibt sich dann aus den männlichen Göttern für eine entsprechende Balance. In Indien gehört das zum Alltag und in jedem Taxi hängen verschiedenste Bilder von Göttern. Es hat jedoch keinen unterwürfigen Beigeschmack und scheint auch nicht dogmatisch. Die ersten Gedanken am frühen Morgen sind so entscheidend für den Verlauf des Tages und dein eigenes Befinden. Vielleicht kann die Verbindung mit einer entsprechenden Figur helfen. Vielleicht auch einfach die Frage „Welche Qualitäten eines Tieres wären heute hilfreich für mich?.“ Und dann mach sie dir bewusst. Manifestiere sie für dich. Früh morgens ein paar Gedanken aufzuschreiben ist ebenso ein sanfter Start in den Tag. Frisch nach dem Schlaf ist der Kopf noch leer. Die Gedanken des vergangenen Tages sind verzogen und du bist besonders intensiv verbunden.

Mal sehen was ich davon morgen früh halte, denn der Wecker klingelt in weniger als fünf Stunden. Das wird eine knappe Nacht. Da wird die Verbindung zum Bett vielleicht doch stärker sein als zu mir selbst 🙂

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