Wie is(s)t man eigentlich in Indien?

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Essen ist Indien.

Ein nicht ganz unwichtiger Bestandteil, wenn man sich nach Indien begibt. Indisch essen geht auch in Deutschland und kann ebenso einen Einblick in diese vielfältige Küche bieten. Doch ist eine ganz neue Erfahrung, wenn man dann wirklich hier ist und die gesamte Kultur um das Essen herum mitbekommt. In Indien findet das Essen vor allem auf der Straße oder in geselliger Runde zu Hause statt. Das sogenannte „Streetfood“ ist ein riesiges Abenteuer. Unglaublich lecker und man weiß nie so ganz, wie es einem später geht. Allerdings muss ich sagen, dass ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe. Das das Essen ab und an nicht so ganz bekömmlich ist liegt mitunter an extremen Temperaturen. Diese können sich nämlich urplötzlich auf Obst und Gemüse auswirken und dann kann einem auch ein frisch gepresster Saft auf den Magen schlagen.

 

Ein Land durch Essen und Trinken kennen lernen ist wunderbar. Ebenso schnell wird man ja auch mit der eigenen Essens- und Trinkkultur in Verbindung gebracht. So habe ich in Deutschland bei meinen Freunden Mithun und Prema bereits einen kleinen Einblick in die indische Esskultur gewinnen dürfen. Denn eines abends war ich eingeladen zum gemeinsamen Essen. Nach drei Stunden kochen, erzählen und Zeit verbringen fand ich mich dann auf dem Boden sitzend und mit den Händen essend wieder. Zu diesem Zeitpunkt war das wirklich exotisch für mich aber ich habe auch gleichzeitig eine tiefe Verbundenheit und Zufriedenheit empfunden, konnte es jedoch noch nicht ganz einordnen.

Über ein Jahr später habe ich das dann täglich erfahren dürfen. Zwischen wilden Gewürzen, reichhaltig befüllten Tellern, bunten Farben und verschiedensten Gemüsesorten erfährt man die Qual der Wahl. Meine ersten zwei Wochen bestanden aus den Kochkünsten von Mithuns Eltern. Das war eine absolute Offenbarung. Zum einen lernte ich mit den Händen zu essen und habe mich sofort verliebt. Was wir als Kinder aberzogen bekommen ist hier normal und auch ein wichtiger Bestandteil der gesamten Verdauung. Es gibt ja verschiedene Mudras (bspw. Positionen wie man die Finger hält), die auch im Yoga in verschiedenen Situationen verwendet werden oder auch mit der Meditation verbunden werden können. Jedenfalls werden beim Essen mit der Hand (die Haltung, wenn alle Finger zusammen gehalten werden), bereits Signale an den Magen geschickt. Der Magen wird auf die anstehende Aufgabe vorbereitet, bevor wir überhaupt Essen im Mund haben. Durch das Essen mit der Hand spüren wir auch die Temperatur der Nahrung und unsere Finger sind sehr sensibel und helfen uns somit auch entsprechende Temperaturen zu meiden. Das essen auf dem Boden spielt auch eine wichtige Rolle. Die sitzende Position aktiviert ebenso alle Organe, die wichtig für unseren Verdauungs-Prozess sind. Auf dem Boden das Gemüse zu schneiden, die Teller anzurichten und zu essen… das alles fühlte sich sehr erdend an. Ich persönlich durfte eine neue Beziehung zum Thema Essen erleben. Es geschah in Ruhe und mit so viel mehr Aufmerksamkeit. Kein Besteck zwischen dem was mich nährt und was auch letzlich zu meinem Körper wird. Keine Eile, keine Ablenkung und auch keine Angst vor dem Essen. Zuerst hatte ich Angst. Denn der Berg Reis auf meinem Teller schrie förmlich „Hallo Kalorien und Kohlenhydrate“. Zwar war ich inzwischen nicht mehr ganz so in diese Essens-Thematik involviert aber trotzdem war diese Menge an Reis neu für mich. Daneben eine kleine Schüssel mit Dahl (Linsengericht) und dann meistens noch eingekochtes Gemüse. In den ersten zwei Wochen aß ich meistens zweimal manchmal auch nur einmal am Tag. Dies bedingte sich aber auch aus dem entspannten Tagesablauf, den Mithun und ich genossen. Ausschlafen und viel ausruhen bei der Hitze verlangten nicht so viel Energie von uns. Und ich fühlte mich selten zu voll gegessen und hörte auch deutlich auf meinen Körper, wenn er sagte: „Ich bin satt.“ Überraschenderweise nahm ich auch nicht zu, wie ich es anfangs befürchtete. Nein, ich gab mich so gut es ging dem hiesigen Leben hin und wollte auch erfahren, wie man sich hier ernährt und was dem Körper in entsprechenden Regionen gut tut.

Sobald ich nach Rishikesh kam endete meine so verbundene Erfahrung mit Essen erstmal. Zum einen krankheitsbedingt und zum anderen durch die touristisch geprägten Restaurants. Natürlich kann man trotzdem mit der Hand essen aber es ist irgendwie komisch, wenn alle um dich herum Besteck benutzen, inklusive der Person mit der du reist. Also veränderte sich hier meine Verhalten wieder. Auch wieder spannend zu beobachten, warum ich nicht dabei blieb, was mir eigentlich besser gefiel. Man möchte ja nicht komisch wirken, wenn man die Minderheit darstellt. Jedoch war bei dem ganzen Krank sein irgendwie auch die Hoffnung dabei, dass das Essen mit Besteck vor weiteren Erkrankungen schützt. In unserer Yoga-Schule erblickte ich dann auch einen normalen Esstisch mit Stühlen. Das bevorzuge ich tatsächlich gar nicht mehr. Im Schneidersitz auf dem Stuhl versuche ich es mir so gut es geht einen gemütlichen Sitz zu ermöglichen und hier esse ich auch wieder mit den Händen, wenn mir danach ist und es das Essen zulässt. Denn natürlich ist es nicht so leicht mit den Händen zu essen, wenn man nur Dahl isst ohne Reis oder Chapati (Weizenfladen). Hier gibt es eine ausgewogene, wenn auch manchmal sehr fettige Küche. Der Norden Indiens ist aber auch für seine deftige und eher fettige Küche bekannt. Der Süden wiederum kocht mehr mit Kokosnuss und etwas leichter. Ich mag das Essen sehr und muss aufpassen nicht über den Hunger hinaus zu essen. Der Hunger hat sich hier sehr verändert. Zum einen gibt es dreimal täglich Essen. Da fällt es schwer eine Mahlzeit auszulassen auch wenn man keinen Appetit hat. Irgendwie ist das Essen hier ja auch wie eine kleine Belohnung oder Auszeit nach den Unterrichtseinheiten. Ich kann nur für mich sprechen und meine Beziehung zu Essen ist sehr emotional und hat für mich schon immer als starke Belohnung oder Trost fungiert. Den anderen geht es jedoch auch so, dass es einfach eine starke Konditionierung ist, wenn das Essen bereit steht und man sich alternativ eben in sein Zimmer verkriecht anstatt mit den anderen gemeinsam zu essen. Die täglichen Anstrengungen für Körper, Geist und Seele ebenso wie die Hitze machen jedoch auch sehr hungrig. Mir ist vor allem aufgefallen, dass mein Körper sehr stark nach „süß“ verlangt. Dies hängt auch mit der Hitze zusammen. In Kalkutta habe ich gelernt, dass die Menschen täglich süß essen aufgrund der hohen und tropischen Temperatur. Ich weiß nicht wie viel man hier täglich an Wasser verliert aber das da einiges an Mineralien verloren geht macht Sinn. Deswegen sind die selbst herrgestellten oder gekauften Electrolyten-Mischungen auch sehr wichtig. Zur Not tut es aber auch mal Honig oder Kokosnuss-Zucker.

Honig? Ist der denn vegan? „Sina wie klappt das eigentlich mit dem vegan sein in Indien“?

Eine Frage, die ich nun schon öfter beantwortet habe und eine Thematik mit der ich mich schon vor der Reise auseinander gesetzt habe. Ja, ich bevorzuge eine vegane Ernährung, da ich gemerkt habe wie gut sie mir tut und vor allem, weil es für mich keine große Umstellung mehr war vor drei Jahren als ich beschloss diesen Weg zu gehen. Dieser Beschluss beinhaltete nicht nur Nahrung sondern auch alle Bereiche, die ich irgendwie beeinflussen konnte ( Getränke, Kosmetik, Hygiene, Materialien etc.).

Die indische und ayurvedische Küche benutzt Ghee (geklärte Butter) und auch Yoghurt, Käse und Milch. Mir war klar, dass ich die Zubereitung mit Ghee nicht umgehen konnte und vielleicht auch nicht wollte. Ayurveda interessierte mich bereits seit einiger Zeit und all die Gerichte machten Sinn in Abstimmung mit der jeweiligen Körper Konstitution und Verfassung. Wieso sollte also eine so alte „Wissenschaft“, die wunderbare Heilungsprozesse hervor bringt, daneben liegen oder eher gesagt, wieso sollte ich mich so sehr dagegen sträuben. Also stellte ich mich darauf ein, dass ich auf jeden Fall Ghee zu mir nehmen würde, da dies oft die Basis neben anderen Ölen darstellt. Dann das bekannte Getränk „Chai-Tee“. An jeder Straßenecke zu erhalten gehört er fast schon zum Alltag. Ersteinmal ankommen und Chai trinken. Auch darauf ließ ich mich ein und war kein großer Fan. Milch bekam mir quasi noch nie und gepaart mit viel Zucker war es einfach eine sehr süße Milch. Doch ich trank einige dieser kleinen Chais. Zum einen wollte ich meinen Körper von Anfang an daran gewöhnen. Man weiß schließlich nicht immer, wie das Essen zubereitet wird und ich hatte keine Lust auf unangenehme Situationen außerhalb einer mir bekannten Umgebung. Also kämpfte ich mich durch anfängliche Bauchschmerzen und sensibilisierte meinen Körper mit Milch und Zucker. Hier in Rishikesh bekomme ich den leckeren Chai mit ordentlich Masala und Pflanzenmilch, wenn mir danach ist. Anfangs wollte ich auch nicht unhöflich wirken, da man eigentlich immer einen Chai in die Hand gedrückt bekommt. Der gute Mithun orderte mir jedoch auch ganz oft einen schwarzen Tee ohne Zucker.

Also ist vegan möglich in Indien? Ich denke es ist möglich. Hier in Rishikesh stellt es kein Problem dar, da durch den Yoga-Touristen-Boom die vegane und auch roh-vegane Küche ihren Weg hier hin gefunden hat. Man bekommt Smoothies,Bowles,veganes Gebäck, Hummus…. alles was man sich vorstellen kann. Bei all der Auswahl hab ich mich meistens für ein klassisches indisches Gericht entschieden…schmeckt mir einfach zu gut hehe. Und bisher geht es mir auch sehr gut und ich denke ich habe meinen Körper gut auf alle Eventualitäten vorbereitet und kann aber auch meinen Vorlieben treu bleiben. Ich habe Flexibilität erleben dürfen und mir die Angst genommen „nicht perfekt in meiner Ethik beim Essen“ zu sein. Als ich ganz krank war habe ich einige Tage Yoghurt gegessen mit Reis. Der ayurvedische Doktor sagte mir, dass das meinem Magen sehr helfen würde, da er überhitzt ist.Tatsächlich hat es mir auch sehr schnell geholfen. Gepaart mit all den anderen Vorgaben für mein Essen konnte ich meine andauernden Beschwerden schnell begleichen.  Die indische Küche ist auf jeden Fall absolut abwechslungsreich und reichhaltig. Sie sollte mit ausreichend Bewegung verzehrt werden. Ansonsten kann man schnell einen kleinen Bauch ansetzen, wie ich hier beobachten konnte. Das ist an sich ja nicht so wild aber hier laufen schon stolze Bäuche umher und das sind eindeutig keine Muskel- oder Yogabäuche. Denn nach einer langen und intensiven Yoga-Praxis kann man auch einen ausgedehnten Bauch bekommen. Frauen habe ich noch nicht gesehen aber einige der männlichen Lehrer/Gurus haben einen ausgedehnten Bauch. Dieser ist aber tatsächlich fettfrei und entsteht durch die intensive Atempraxis wie auch die intensive Muskelnutzung.

Indiens Küche ist so bunt und unterschiedlich wie das Land selbst. Ich werde mir alle Mühe geben so viel zu probieren wie möglich. Fleisch ist hier wirklich super selten zu sehen oder zu bekommen. In Zeiten der CO2 Debatte also ein großes Dankeschön an Indien diesbezüglich. So ganz blicke ich noch nicht hinter die Milch-Politik in Indien aber ich weiß, dass Indien bisher keine Milch exportiert und nur sich selber als Land mit Milch versorgt.

Es bleibt spannend und ich freue mich weitere Einblicke geben zu können auf meiner (kulinarischen) Reise durch Indien. Ich freue mich auch über Fragen oder Anregungen. Ich sitze hier schließlich an der Quelle und kann einiges in Erfahrung bringen.

Alles Liebe.

 

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