Identifizierung.

Rishikesh ist nicht ohne Sina. Dieser Ort wird dich fortlaufend mit deinen Themen konfrontieren. Die Energie hier ist eine Besondere. Es ist anstrengend aber ein fortwährender Prozess.“ Diese Worte gab mir gestern mein Freund DK mit auf den Weg. Er hat einen emotional intensiven Monat hinter sich und wir saßen gestern bis spät abends zusammen und er erzählte. Es regnete so sehr, dass ich nicht gehen konnte und das war auch gut so. Er ist meine längste Konstante hier in Rishikesh. Gestern war ich auf den Tag genau 5 Monate in Indien und davon bis auf 2 Wochen hier in diesem Ort. Ich saß bei ihm in seinem Café, trank Tee und probierte seine veganen Kekse. Noch ein wenig erschlagen von dem Thema, welches mir ein paar Stunden zuvor serviert wurde und bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Weniger geht es mir um den Inhalt als die Fragen, die es aufwirft für mich, denn diese sind so wunderbar übertragbar für uns alle.

Die kurze Zusammenfassung ist, dass mich eine Frau mit den Worten „small, fat, little“ beschrieben hat. Sie fragte nach mir und beschrieb mich mit diesen Adjektiven. Wie sie es gesagt hat weiß ich nicht. Das sie mich anschließend wohl auch als niedlich beschrieben hat tut für mich nichts mehr zur Sache. Das was mir im Kopf hängen blieb und sofort einen schmerzlichen Effekt hervor rief war das Wort „fat“. Eine meiner größten Ängste im Zusammenhang, wie Menschen mich äußerlich sehen könnten, war immer zu dick, fett oder nicht gut genug zu sein. Und dann war es plötzlich da. In einer Phase meines Lebens in der ich langsam und stetig eine gesunde Beziehung zu mir und meinem Körper entwickeln konnte. Im selben Augenblick als mir die Tränen in die Augen schossen wunderte ich mich auch über mich selber. Bin ich nicht in diesem Moment diejenige, die diesem Wort eine Bewertung zuschreibt? Wie werte ich denn? Bin ich mit Menschen um mich herum doch auch nicht wertend. Ja es gab Zeiten in denen mein Ehrgeiz auf einer körperlichen Ebene extrem war und in der ich auch wenig Verständnis hatte für Menschen, die nicht einem gewissen Bild entsprachen. Aber diese Härte ist längst verblasst und ich sehe mich an einem Punkt in dem ich das Äußere eines Menschen nicht mehr wahrnehme im Sinne von Wertung oder der Beachtung der Hülle. Sobald Gedanken kommen, die werten möchten nehme ich sie war und erinnere mich daran, dass es keinen Mehrwert hat. Die Augen, das Innere ist es, was ich sehen darf und möchte. Wieso also diese Angst vor der Beschreibung „fett“? Aufgewachsen in einer Gesellschaft in der es eigentlich immer darum geht „schlank“ zu sein. Das Schönheitsbild verändert sich stetig aber eigentlich ist es immer besser ein wenig zu dünn zu sein als etwas mehr zu haben. Dann ist die Sorge und Aufmerksamkeit eine andere. Das hab ich schon recht früh gemerkt. Ich glaube schon in der Grundschule. Dünn war ich nie. Ein normales Kind mit Speckrollen und doch erinnere ich mich noch an die Vergleiche mit den dünnen Mädchen im Tanzunterricht oder in der Grundschule. Irgendwas war anders mit mir im Vergleich mit denen. Als ich mit 12 Jahren einen Wachstumsschub machte und auch längere Zeit krank war, wurde ich super dünn. Ich erinnere mich aber noch ganz genau an unseren Urlaub in Italien, in dem ich mich so unfassbar zu dick fand im Bikini. Die Fotos haben mir später gezeigt, wie verzerrt dieses Selbstbild war. Ab da an wurde es nicht besser. Eine Freundin, die das ganze Thema noch mehr fütterte und mit der ich mich stetig verglich. Alle Zeitschriften warnten vor Cellulite und Fett. Fett der Feind. Vielleicht rührt daher die Angst vor der Beschreibung FETT. Aber wisst ihr was so interessant ist? Meine Unterhaltungen mit Menschen aus anderen Ländern. Meine Freundin Thuli aus Südafrika hat mir erzählt, dass sie noch nie ein Plakat gesehen hat mit einer Frau mit Sixpack. Würde man bei ihr so aussehen würden alle denken man wäre schwer krank und würde keineswegs attraktiv sein. Vielleicht das andere Extrem, denn nur weil jemand abnimmt oder was weniger ist muss man ja nicht gleich krank sein. Kann man nicht einfach so sein wie der Körper für den Moment richtig ist? Hier in Indien sind die Frauen ja auch oft sehr weiblich. Den Tag zuvor wurde ich von der Schneiderin beim Abmessen als „slim and trim“ beschrieben. Da konnte ich auch nichts mit anfangen. Jede Beschreibung ist ein Rahmen und man identifiziert sich damit. Das möchte ich einfach nicht mehr. Ich bin ein fortlaufender Prozess und niemals statisch. Ebenso wenig ist das ein anderer Mensch auf dem Planeten. WIR SIND. Das Thema Körper-Wahrnehmung, Essen und Heilung ist für mich persönlich ein sehr Großes hier in Indien und ich befinde mich noch auf dem Weg frei zu werden von all den Jahren, in denen ich die Balance zu diesen Themen verloren habe. Aber das ist mein Ding und vielleicht hat mich die Beschreibung deswegen so verletzt, weil ich so hart daran arbeite und mich selber genug bewerte. All das ist jedoch für mich zu oberflächlich. Irgendwie ein äußeres Problem und ziemlich luxuriös, nichts essentielles. Wieso ist mir dieses Thema in dieser Form begegnet?

WIR SIND. Nicht mehr und nicht weniger. WIR SIND. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Deswegen brauchen wir uns nicht zu beschreiben. WIR SIND. Wir benötigen keine Identifizierung mit den Worten anderer. Vielmehr dürfen wir Inne halten und mal nach Innen schauen. Wann denke ich in Schubladen? Wann benötige ich Raster? Wann beschreibe ich Menschen anhand Äußerlichkeiten? Welche Worte benutze ich um welche Intention auszudrücken? Weiß ich eigentlich welche Auswirkung meine Worte haben können? Jedes gesprochene ja sogar gedachte Wort hat eine Energie und geht raus in das kollektive Bewusstsein. Nutze eine sanfte Sprache und vielleicht wirst du auch sanfter mit dir. Wieso muss alles entweder oder sein? WIR SIND also ist keine Person dieses oder jenes. WIR SIND. Und das ist absolut genug. Achte deine Worte – sie haben Macht.

´

Gestern Morgen dachte ich über meine Intention für die kommende Zeit im Vollmond nach.

Am selben Tag kam diese Situation und hat meine Intention bestärkt.

– Sei frei von den Gedanken anderer, denn dann wirst du frei von deinen Gedanken.-

Am Freitag den 13.09.2019 ist Vollmond. Mach dir bewusst, was dir nicht mehr dient und wovon du vielleicht Abstand nehmen möchtest. Was möchtest du loslassen und was hast du in der letzten Zeit erreicht und kannst jetzt vielleicht sogar schon die Früchte ernten?

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