Salatschüsseln auf dem Kopf und Kokosnuss im Bauch. THAILAND .

„Sina seit Varanassi habe ich nichts mehr von dir gelesen“ bekam ich eine Nachricht von Ishan. Stimmt, da hat er recht. Oft habe ich auch daran gedacht zu schreiben aber Thailand war bisher damit gefüllt nicht am Computer zu sein oder schräge Geschichten zu erleben. In Indien passieren irgendwie schneller komische Situationen. Wobei mein Ankommen in Thailand auch nicht Ohne war. Nachdem ich nachts gelandet war konnte ich nur ein Taxi zum Hotel nehmen. Der Taxifahrer stieg aus, lächelte (hier in Thailand kann man dann auch wieder offensiv durch die Gegend lächeln ohne missverstanden zu werden) und nahm meinen Rucksack entgegen. „Oh you from India?“ Fragte er mich. Vielleicht unschwer zu erkennen dachte ich mir. Bindi auf der Stirn, Kurti tragend und ein Etikett am Rucksack verriet, dass ich von Delhi kam. „Backpack smells. India stinks. Never make business with Indians.“ Äh bitte was? Ich schaute den Fahrer an und teilte ihm mit, dass ich die letzten sechs Monate in Indien war und auch wieder zurück gehen werde. Verdutzt schaute er mich an und vergewisserte sich, dass er mich auch richtig verstanden hatte. Ein verdutztes Gesicht begegnete mir noch ein paar mal in Thailand, wenn ich von Indien sprach. Hallo Vorurteile, Bewertungen und Verallgemeinerungen. Nun gut, vielleicht kann ich einfach ein wenig Licht ins Dunkle bringen über Indien. Denn alle Menschen, die bereits in Indien waren (und es dort liebten) haben eine andere Reaktion als all die Menschen, die noch nicht in Indien waren aber eine absolut starke Meinung über Land, Leute und Kultur haben. Die ersten Tage in Thailand waren eindrucksvoll, da ich einen Vergleich erleben konnte. Nach sechs Monaten saß ich wieder in einem Auto, dass mit 140 km/h über eine Schnellstraße fuhr. Keine Kühe auf der Straße und irgendwie auch weniger Staub und Müll. Es war Dienstag Nacht und ich hatte mir ein Hotel direkt neben der Khao San Road gemietet. In Bangkok war ich vor sechs Jahren das letzte Mal und hatte es noch ganz schön anstrengend und wild in Erinnerung. Ich erinnerte mich an die 7/11 Läden (kleine Supermärkte mit allem was man benötigt außer frischen Sachen) und den Temperaturunterschied von gefühlt 30 Grad, wenn man den Laden betritt. Die Luft in Bangkok ist stickig, warm und gefüllt mit verschiedenen Gerüchen. Ich saß glücklich mit einer geschnittenen Mango auf einem kleinen Balkon und hörte das wilde Treiben unter mir und freute mich riesig auf das Ankommen von Ava 1.5 Tage später. Denn mit Ava habe ich mich in Thailand verabredet. Das war der Deal. Ich gehe auf unbestimmte Zeit aber dafür sehen wir uns spätestens nach sechs Monaten.

Unser Plan sah zwei Tage Bangkok vor und dann 10 Tage Insel-Leben auf Koh Chang bevor es dann nochmal für zwei Nächte nach Bangkok ging.

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Ich möchte kurz meine persönlichen Eindrücke von Thailand schildern, die mir besonders nach der Zeit in Indien und natürlich auch Europa aufgefallen sind:

PLASTIK

Der Plastik Verbrauch/Konsum in Thailand ist unfassbar. Es wird jede Kleinigkeit in Plastik Tüten gepackt. Dieser Konsum geht einher mit der STREET-FOOD Kultur, die in Thailand zum alltäglichen Leben gehört. Da in Haushalten keine große Lagerung statt findet in Form von Kühlschrank oder Kühltruhe, wird alles auf der Straße oder im Mini-Shop um die Ecke besorgt. So sieht man jegliches Essen in Plastiktüten. Eigentlich könnte man sagen die „To Go“- Kultur hat in Thailand begonnen. Das Leben spielt sich viel mehr vor der Türe ab. Überall hat mein kleine Essensstände und sieht frische Zutaten, die unterschiedlich verarbeitet werden. Suppe in Tüten und sogar Getränke in Tüten. Auch in Thailand gibt es Pfand und dieser wird somit umgangen. Außerdem wird hier auch alles mit Eis getrunken, kühlt und verlängert das Getränk. Also Softdrink in die Tüte, Plastik-Strohhalm rein und fertig. Glücklicherweise haben wir zwei Smoothie-Fans zwei Becher aus Bambus samt Strohhalm gefunden und konnten so den täglichen Smoothie Konsum mit einem besseren Gewissen genießen.

 

ZUCKER + MSG

Mittwoch Mittag – mein erstes Thai-Gericht. Ich war so aufgeregt und freute mich riesig auf mein „Green Curry“. Nach dem ersten Löffel jedoch musste ich um ein neues Gericht bitten OHNE ZUCKER bitte. Denn der erste Löffel war nichts als süße Kokosmilch mit Gemüse. Ich weiß, dass ein wenig Zucker zum Würzen dazu gehört aber das war wirklich ungenießbar. Direkt suchte ich mir auf Thai die Sätze heraus : „Bitte kein Zucker und kein MSG“. Denn auch MSG (Mononatriumglutamat – ein Geschmacksverstärker) wird hier ganz normal zum Kochen verwendet. Da frage ich mich WARUM? Ein Land so reich mit Gemüse und Obst, dass von Natur aus schon so viel Geschmack hat und dann in Currys verarbeitet wird. Nun gut. Inzwischen gibt es auch einige Restaurants, die mit „No Sugar, no MSG“ werben und der ein oder andere Saftverkäufer nickt schon wohlwollend und sagt von sich aus „no sugar no ice oke oke“.

 

 

FLEISCH

Durchdie Street-Food Kultur sieht man wirklich viel Essen den ganzen Tag über. Und das ist tatsächlich überwiegend oder hauptsächlich Fleisch. Das hat mich doch tief beeindruckt und auch etwas sprachlos gemacht. Jedoch ist es wahrscheinlich einfach nur das öffentliche Essen, dass so eindrucksvoll war. In Deutschland wird das Salami-Brötchen ja in den eigenen vier Wänden gegessen. Es gibt vegetarische Alternativen, keine Frage aber tierische Produkte spielen eine große Rolle.

 

FREUNDLICHKEIT

Die Mentalität der Menschen ist durchweg freundlich und das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man in Thailand immer lächelt. Egal wie man gewickelt ist – es wird meistens gelächelt. Ava und ich haben super liebe, tolle und hilfsbereite Menschen getroffen und trotz sprachlicher Barrieren ab und an hat die Kommunikation mit Hand, Fuß und viel Herz bestens funktioniert.

 

MÜLL

Trotz Plastik im Übermaß kam mir Thailand bisher sehr gut strukturiert vor was Müll anging. Im Vergleich zu Indien (wo ich bisher war, im Süden ist es wohl auch nochmal anders), wo der Müll zum täglichen Straßenbild dazu gehört, ist Thailand sauber und hat selten wahllos Müllberge herumliegen.

 

ROLLER FAHREN

Kaum ein Tourist ist ohne Schrammen zu sehen. Besonders auf den Inseln. Dies liegt vor allem daran, dass viele ihre ersten Roller-Erfahrungen in Thailand sammeln. Das erste mal fahren und dann auch noch Links-Verkehr. Die Helme sind auch nur zur Dekoration, denn die Passform gleicht einer Salatschüssel und sobald man ein wenig beschleunigt hängt einem der Helm hinter dem Kopf. Aber Toi Toi Toi – Ava und ich haben die Roller-Touren gemeinsam auf unserer kleinen Maschine bestens gemeistert und auch hier in Pai bin ich soweit wohl auf. Vielleicht hat das Training in Indien geholfen. Wobei ich hier letztens eine rote Ampel überfahren habe- Ampeln habe ich in Indien bisher noch nicht gesehen außer in Delhi. Ups.

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Nur ein paar kleine Beobachtungen bevor ich weiter erzähle.

Ava und ich haben uns fast nicht mehr beruhigen können am Flughafen und es war ein absolut wundervolles Wiedersehen. Trotz Technik und Internet waren wir ja immer beieinander, so wie ich das mit all den lieben Menschen sein kann, aber in echt, live und in Farbe ist einfach unbezahlbar. Wir ließen es uns ab Tag eins gut gehen und ließen auch keine Gelegenheit aus eine Massage wahr zu nehmen oder super tolles Essen zu genießen. Nach 1.5 Tagen in Bangkok machten wir uns via Minibus auf den Weg nach Koh Chang. Die ganze Reise beanspruchte dann doch 12 Stunden bis wir letztendlich bei unserer süßen Unterkunft angekommen waren. Eine kleine Strandhütte mit allem was man braucht. Bett, Mückennetz und Badezimmer. Zum Strand war es zwei Minuten zu gehen. Wir befanden uns ganz im Süden der Insel. Eine kleine verschlafene Ecke mit Angeboten für Urlauber aber sehr viel ruhiger als etwas weiter nördlich, wo sich ein Hostel und Hotel an das nächste reihte an den Haupt-Stränden. Ein täglicher Kaffee im Bett (unser Ritual zu Hause) konnte Dank Mr. A auch fortgeführt werden. Mr. A betreibt sein kleines Familien-Restaurant um die Ecke unserer Unterkunft. Mit viel Liebe und Energie bereiten er und seine Frau lecker Mahlzeiten zu. Jeden Morgen holten wir uns unseren Kaffee dort ab und genossen diesen wahlweise im Bett oder auf der Terrasse bevor es dann zum Strand zur ersten Kokosnuss ging. Ich weiß….es war ein sehr anstrengendes Leben.

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Wir fanden einen guten Mix aus Entdecken, Strand und Entspannung. Der ausgeliehene Roller wurde unser Gefährt für die nächste Woche und brachte den ein oder anderen aufregenden Moment mit sich. Koh Chang ist unglaublich bergig und zu zweit auf dem Roller konnte es dann doch manchmal ein wenig steil werden. Nach der ersten Fahrt mussten wir auch die Bremse nachziehen lassen, die die ließ sich bis zum Anschlag anziehen. Wir starteten einen Versuch Teil einer Party zu werden, nachdem wir meistens um 21 Uhr bereits schliefen. Da wollten wir doch wenigstens einmal tanzen gehen. Um 22:30 fand jedoch immer noch keine Party statt, wir waren satt gegessen und müde. Also ging es wieder nach Hause. Aber wir hatten auch so unfassbar viel Spaß und wurden auch anhand unseres Lachens (oder vielmehr Ava) mehrmals wieder erkannt. Die Wände einer Strandhütte sind halt eben doch etwas durchlässig.

Ein bisschen Heimat zu sehen und zu erleben war unfassbar schön und der Abschied viel uns beiden nicht besonders leicht. Als Ava oben auf der Rolltreppe verschwand stand ich da in Bangkok am Flughafen, Tränen liefen mir übers Gesicht und ich wollte am liebsten mit fliegen. Das Gefühl nach Hause zu wollen übermannte mich in der kommenden Woche immer wieder.

Für mich ging es an diesem Tag zum Amt der Immigration, da ich mein Visum verlängern lassen musste. Das funktionierte erstaunlich gut und ich hatte noch einige Stunden bis mein Bus nach Chiang Mai abfuhr. Irgendwie brachte ich diesen Tag hinter mich und saß dann um 20:30 in einem äußerst luxuriösen Bus. Ich konnte die komplette Fahrt durchschlafen und wir kamen um 7 Uhr in Chiang Mai an.

PAI

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Eigentlich ist die Zugfahrt von Bangkok nach Chiang Mai sehr zu empfehlen. Da ich mein Ticket jedoch ein wenig zu spät buchte, waren alle Plätze vergeben. Am 11.11 fand das bekannte Lichterfest „Loy Krathong“ in Chiang Mai statt und somit waren die Transportmöglichkeiten ausgeschöpft.  Ich entschied mich dafür weiter nach Pai zu reisen und nicht in Chiang Mai zu bleiben. Ich konnte direkt einen Anschlussbus nehmen und war drei Stunden später in Pai. Die Busfahrt zeigte schon so viel Schönheit, die der Norden Thailands zu bieten hat. 762 Kurven auf 130 Kilometer zieren den Weg in das verschlafene Dörfchen. Pai wurde durch einen dort gedrehten Thai-Film bekannt. Über die Jahre hat es sich sehr gewandelt und trotzdem hat es einen ganz eigenen, verschlafenen Charme. Hier bin ich nun seit über einer Woche und hatte eine persönliche Achterbahn der Gefühle. Mein Vorhaben zu Fasten habe ich hier umgesetzt und das war nicht ohne zu Beginn. Dazu werde ich jedoch noch einen separaten Eintrag schreiben.

Pai ist ein Ort an dem Menschen aus der ganzen Welt zusammen kommen und neues kreieren. Kleine kommunenartige Projekte finden statt, Aussteiger, die hier leben und viel Kreativität liegt in der Luft. Vor allem „bewusstes Leben“ spiegelt sich in vielen Projekten, Angeboten,Restaurants und kleinen Geschäften wieder. Rundherum gibt es heiße Quellen in denen man baden kann. Es gibt tolle Möglichkeiten Sonnen auf- und unter- Gänge anzuschauen, einfach die Natur auf zwei Rädern zu erleben oder auch weiter raus und die noch traditionellen Dörfer erleben und kennen lernen.

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Meine erste Unterkunft war ein Hostel, welches ich vorab gebucht hatte. Es schien ruhig und recht hübsch zu sein. Das war es auch jedoch fühlte ich mich von Anfang an nicht wohl. Es gibt Hostels da macht es einfach nichts, wenn man wenig Privatsphäre hat, da die Menschen und das Zusammensein so intensiv schön und inspirierend sind. Hier fühlte sich das jedoch ganz anders an. Mein Energielevel war irgendwie auch schwer am Boden und ich wusste nicht so richtig was ich eigentlich hier mache. Fasten, Retreat vorbereiten, Natur sehen und spüren und Menschen kennen lernen… Die ersten drei Tage waren von unfassbar viel Schlaf geprägt und mein Fasten begann ab Samstag Nachmittag. Wie gesagt werde ich noch einmal separat das Thema Fasten behandeln – es sei nur so viel gesagt, dass es zu Beginn ein intensiver Entgiftungsprozess ist, der einiges abverlangen kann. Es wird physisch, psychisch wie auch emotional entgiftet. Meine Emotionen waren in Verbindung mit dem anstehenden Vollmond schwer zu handhaben. Ich spürte permanent ein riesiges Heimweh. Ich schaute nach Flügen und hatte dieses große Vermissen in mir. Morgens aufzustehen war der größte Feind und es konnte nicht schnell genug dunkel werden um wieder schlafen zu gehen. Ich erkannte mich kaum wieder und dachte eigentlich das diese Zustände der Vergangenheit angehörten. Immer wieder rief ich mir auch die Verpflichtung des Retreat in den Kopf, den ich nicht einfach absagen konnte und wusste auch, dass diese Idee nach Hause zu gehen einfach zu erklären ist. Wenn es anstrengend wird, dann muss man entweder vorwärts gehen durch die Anstrengung oder man geht zurück in seine Komfortzone. Sonntag Morgen besuchte ich eine Yoga Stunde und fühlte mich ein wenig ausgeglichener und erhaschte dabei den Namen einer Lokalität. „Good life Dascha“ – diese lag direkt bei mir um die Ecke und ich bin auch schon daran vorbei geschlendert. Im Internet sah ich, dass man dort auch Zimmer mieten konnte und ich rief umgehend an und erhielt die frohe Botschaft, dass Zimmer frei seien. Nachmittags ging ich vorbei um etwas zu trinken und wurde sofort von der dort herrschenden Energie eingenommen. Ein Gartenkomplex mit verschiedenen Gebäuden. K. Der Besitzer stammt aus der Ukraine und hat dies mit verschiedenen Menschen kreiert. Es gibt in jeder Ecke etwas zu entdecken. Eine Bibliothek (New age Bücher), eine Gemeinschaftsküche, Kombucha- und Fermentier- Station (K. Gibt Workshops), verschiedene Sitzmöglichkeiten, Restaurant, Baumhaus und eine Wiese mit einem unfassbar schönem Baum. Kurzerhand lag ich in einem kleinen Raum auf einer Matratze mit zwei anderen jungen Männern. Wir lagen dort mit Kopfhörern und geschlossenen Augen und erlebten eine zwanzigminütige Sound/Licht – Meditation. Meine Kopfschmerzen schwanden und ich kam langsam ein wenig runter. Danach hatte ich noch sehr interessante Gespräche mit Greg und fand mich wenig später tanzend unter dem Baum wieder. Denn Sonntags und Mittwochs findet Ecstatic-Dance statt von 17-19 Uhr. Zwar verweilte ich dort nicht allzu lange doch wusste ich- ich komme zurück. Am Montag sprach ich mit K. Und konnte mir ein Zimmer aussuchen. Nun lebe ich hier seit sechs Tagen und möchte fast gar nicht mehr gehen. Die entscheidende Wendung kam eigentlich am Mittwoch als ich erneut ziemlich schlecht gelaunt aufgestanden war und mich kaum motiviert bekam. Plötzlich fand ich mich mit Tam und Radi in einem Gespräch wieder und half ihnen einige Tische in der Galerie zu verstellen. Diese wurde zu Ehren Tams Vater zu ende gestellt, der vergangenes Jahr seinen Körper verlassen hatte und ein enger Freund von K. War. Zudem waren die meisten Sachen hier von ihm. Er hatte sie via Container von England nach Thailand verschifft. Dieser Platz bringt so viele interessante Geschichten zum Vorschein. Kurz darauf fand dann auch wieder Ecstatic-Tanzen statt und dort fand ich wieder zu meiner Kraft. Bei Ecstatic-Dance geht es darum sich gehen zu lassen. Keine Schuhe, Alkohol, Drogen oder Selfies. Sich von der Musik leiten zu lassen und alles rauszulassen, was man möchte. Ohne Bewertung drückt man sich aus und kann auch mit anderen interagieren, wenn man und die andere Person das möchte. Ich sehe das als Tool wieder zum Ursprung zu kommen. Vor nicht allzu langer Zeit sind die Menschen noch ums Feuer getanzt und in anderen Kulturen gehört der Tanz noch absolut zum Alltag. Für mich persönlich war es jahrelang schier unmöglich nüchtern zu tanzen. Ich konnte nüchtern auf Partys sein aber mich völlig gehen zu lassen ohne die ganze Zeit zu denken, was wohl die anderen denken, war unfassbar schwierig. Meine Jugend und die meiner Freunde war geprägt von wilden Konzerten und Partys aber immer verbunden mit mindestens Alkohol. Vor vier Jahren hatte ich bei einer Meditation dann das wunderbare Erlebnis mich frei zu tanzen und seit dem gibt es kein zurück mehr. Bewegung als Ausdruck und auch Meditation. Nichts wofür man sich zu schämen braucht. Gleichzeitig kann man üben nicht in der Verurteilung oder Beurteilung oder auch dem Vergleich zu sein. Denn die eigenen Gedanken kreieren die vermeintlichen Gedanken der Anderen. Wenn ihr die Möglichkeit habt an sowas teilzunehmen – ich kann es euch nur ans Herz legen. Die Menschen die zusammen kommen bilden eine wunderschöne Gemeinschaft und Energie. Ich weiß nicht wann aber irgendwann fand ich mich auf dem Boden tobend mit einem anderen Tänzer und wir rollten, tanzten und tobten durch den Staub und in dem Moment war mein Kopf leer und meine Energie wieder voll zurück. Irgendwie geerdet. Anschließend konnten wir alle noch in die Sauna und den Abend mit tollen Gesprächen ausklingen lassen. Jeder Tag hier war wunderschön und mit interessanten Begegnungen geprägt. Es ist so schön Menschen zu treffen mit ähnlichen Intentionen, Visionen und Ansichten. Aus jedem Gespräch kann etwas mitgenommen werden und neue Ideen werden gesät. Oft kollidiert das mit dem Verstand, der dann manchmal kommt und anfängt über die Zukunft zu sprechen oder alles in Frage zu stellen. Aber alles was ist , ist Jetzt. Dieses Jahr ist für mich zum lernen, ausprobieren und erfahren und danach geht es weiter. Mit mehr Zielstrebigkeit und Klarheit doch musste ich dafür erst einmal einiges an Lagen abstreifen und tue es nach wie vor. Pai hat mir Menschen und Möglichkeiten geschenkt, die in Worte nicht zu fassen sind. Ich durfte eine unglaubliche Energie erleben und Teil davon sein. Ebenso wie ich von vielen Menschen und Situationen inspiriert worden bin so konnte ich auch inspirieren. Durch mein Fasten kamen viele Menschen auf mich zu und sagten sie seien inspiriert das auch wieder zu machen oder auszuprobieren. (Ich konnte ordentlich rumtoben beim Tanzen – das war wohl Beweis genug, dass man Energie hat beim Fasten.) Einfach geben und nehmen und in einem Kreislauf von Austausch leben. Ein Ort, an den man wieder zurück möchte. Menschen, die man hoffentlich wieder trifft. Momente, die einen tief berührt haben.

Das Thema Fasten wird mich auch in Indien begleiten aber dann auf anderer Ebene.

Denn dort werde ich vom 04.12 bis zum 15.12 an einer Vipassana Meditation teilnehmen. Das heißt ich werde zehn Tage in Stille verbringen. Kein Handy, keine Kommunikation, kein Lesen, kein Schreiben, keine körperlichen Aktivitäten bis auf spazieren im Hof, kein Augenkontakt.

Bevor es zurück geht darf ich jedoch noch Zeit mit meiner Freundin Jenny verbringen. Sie arbeitete in Thailand und wir haben eine gemeinsame Woche. Wie wunderschön. In Deutschland haben wir von 2014 bis 2018 zusammen gewohnt und gelebt. Durch unsere WG in Bonn sind wir Freundinnen geworden, haben bereits gemeinsame Reisen und Abenteuer erlebt. Alltägliche, private wie auch unterwegs. Wieder ein Stück zu Hause unterwegs. Mein Weg führte mich runter nach Phuket. Dort in der Nähe arbeitete Jenny doch hier bleiben wollten wir nicht. Zu viel los auf Phuket. Beide bekamen wir den Rat nach Koh Yao Noi zu fahren. Eine kleine Insel nicht weit vom Festland entfernt. Also trafen wir uns am Pier und die Freude war groß. Gemeinsam flitzten wir im Boot auf die kleine Insel deren große Schwester Koh Yao Yai heißt. Die ersten drei Nächte verbrachten wir auf der kleineren Insel Noi und seit einer Nacht sind wir nun auf der deutlich längeren Insel Yai. Beide sind wirklich noch touristisch unberührt. Kaum etwas an Information findet man im Internet. Ein paar Blog-Einträge aber mehr auch nicht. Und es ist wundervoll. Besonders auf Yai ist die Natur endlos weit und man kann sich nicht satt sehen. Einsame Strände, die zum Hängematte aufhängen einladen, überall unfassbar freundliche Menschen, Wasserbüffel und das einfache Leben an jeder Ecke. Gestern Abend erkundeten wir die Insel mit dem Roller und wurden von einer Gruppe Frauen angehalten. Sie wiesen uns einen Weg und versprachen eine tolle Aussicht für den Sonnenuntergang. Wie wir wenig später fest stellten war dieser Aussichtspunkt auch die abendliche Aktivität von vielen Menschen. Der steile Berg schien die tägliche Fitness-Einheit für viele Bewohner zu sein. Zu Fuß, joggend, auf dem Fahrrad oder schlendernd pilgerten sie die Strecke. Wir wurden so lieb begrüßt und schlossen uns an. Die Straße war wirklich steil und der Ausblick war atemberaubend. Heute waren wir mit dem Kanu unterwegs und genossen die Stille auf dem Wasser umgeben vom Mangroven-Wald der Insel. Der Wasserlauf führte hinaus auf das offene Meer. Eine kleine Herausforderung wurde die Ebbe. Hier und da war das Wasser sehr flach auf dem Weg zum offenen Meer. Unsere Kanu-Fahrt implizierte auch Kanu-Schieben und Kanu-Ziehen 😀 Ein anderes Highlight ist das frische Insel-Obst. An jeder Ecke bekommt man unfassbar tolles Obst frisch aus dem Garten. Himmlisch. Unsere kleine Strandhütte genießen wir noch bis Dienstage – dann heißt es Bangkok und „Bis bald“.

Thailand war wundervoll unbefangen. Auch ein bewegender Monat mit einigen Lektionen. Es war vergleichsweise etwas „leichter“ Frau zu sein „auch“ hier auf den muslimisch geprägten Inseln. Wieder einmal konnten Vorurteile entkräftet werden. Wir sind alle Menschen. Manche pressen sich in Orientierungen oder Rahmen, die sie leider von ihrer eigenen Energie entfernen. Aber keine Beschreibung oder Benennung rechtfertigt eine Be- oder Verurteilung für „die alle“. Von Mensch zu Mensch – von Herz zu Herz. Das wurde mir auch beim Tanzen bewusst. Wir haben miteinander getanzt, so wild, so vertraut- ohne „uns“ zu „kennen“. Es war unsere Energie, die gesprochen hat. Und das hat mir so sehr gezeigt, dass alles drumherum (Aussehen, Vergangenheit, Bildung, Alter, Herkunft, Zukunft, Sprache etc.) belanglos und eine Geschichte ist. Wir sind alle Energie und damit verbinden wir uns, wenn wir es denn zu lassen.

 

Ob ich mich auf Indien freue wurde ich ein paar Mal gefragt. Und wie. Ich bin kribbelig. Indien ist jeden Tag ein Abenteuer. Es ist kratzig und unberechenbar. Ein Zurück-Kehren zu Bekanntem aber auch ganz viel Unbekannten. Mein Freund Lior, der selber Indien verfallen ist, sagte mir zum Abschied in Pai: „Go back to Mama and take everything she offers to you.“ Ja- Mama-India; ich komme zurück und freue mich unglaublich.

 

In diesem Sinne aller liebste Grüße. Licht und Liebe an alle.

 

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