Ronja – eine Kurzgeschichte.

Innerlich brannte ihre Brust. Die Luft blieb ihr aus. Jeder Atemzug fühlte sich an wie ein entfachtes Feuer. Ihre Augen brannten und traten hervor. Die frische Luft in ihrer Nase ließ sie weiter atmen und doch spürte sie diese unsichtbare Hand, welche ihre Kehle abschnürte. Es war ein Tanz aus Leben und dem Versuch die Grenze zu übertreten. Was würde passieren, wenn sie nicht weiter atmen würde. Ihre Kehle blockierte und sie hörte ihren Puls – ein Rauschen. Gleich ist es soweit, doch war sie bereit für diesen Schritt? Die frische Luft in ihrer Nase riss sie ein wenig zurück und gab ihren Zellen, was sie brauchten. Sie taumelte und mit einem Schlag spürte sie ihren Körper die Bodenhaftung verlieren. Wunderbar – wenigstens dieser hatte noch eine Haftung. Ihr Gesicht prallte zwischen nasses Laub, knackenden Ästen und spitzen Steinen nieder. Dort lag sie. Heiße Tränen liefen ihr Gesicht herunter. Die einzigartige Waldluft umgab Sie. Welch einmaliger Duft. Ihre Kehle brannte und doch konnte sie wieder atmen. Das pfeifende Geräusch beruhigte sich langsam und stetig. Sie wollte nicht aufstehen. Sie wollte nicht wahrhaben. Sie wollte nicht verstehen. Sie wollte nicht begreifen. Sie wollte zurück- war es doch beinahe geschehen. Was war schief gegangen? Hatte sie Zweifel? Hatte Sie Respekt? Sie war so nah an Zu Hause und doch war es diesmal anders. Ist diesmal überhaupt dieses Mal? Verwechselt sie die Zeit-Linien? Wo war Sie und wie war Sie? Zu den heißen Tränen mischte sich warmes Blut- es kitzelte am Kinn und sie wischte die rot-salzige Mischung von ihrem Gesicht. Sie war noch hier. Sie war noch in ihrem Körper, welcher aus Blut und Tränen bestand. Sie spürte den kühlen Boden unter sich. Sie sah den Himmel über sich. Sie hörte die Vögel zwitschern. „Sei einfach still“- sagte Sie sich und sprach mit ihrem Kopf, welcher sich sofort einschaltete und in ihr wieder Herzrasen auslöste. „Ich verstehe nicht“, schrie Sie in die leere Weite des Waldes. Die Tränen strömten nicht aus erzeugten Emotionen, sondern einzig und allein um ihrer Energie Raum zu geben. So klar war doch eben noch die Schwelle zu sehen. Es war ihr letzter Versuch, ihre letzte Chance, ihre letzte Gelegenheit. Die Schwelle hatte sich geschlossen und Sie ihre Energie nur auf diese Möglichkeit gesetzt. Mit beiden Händen griff Sie ins Laub und bedeckte ihr Gesicht. Der Geruch der Blätter durchströmte Sie. Es roch nach Leben. Es fühlte sich nach Leben an. Leben hier auf diesem Planeten. Lange geplant, lange ausgesucht und doch nicht greifbar. Sie war gerannt, gerannt um zu entkommen. Doch brauchte es nur eine kleine Wurzel um zu taumeln und zu fallen. Aufzuschlagen um zu verstehen – es gibt kein Entkommen. Gebettet in das was dir Leben schenkt. Gebettet in das, was du wieder sehen und spüren wolltest. Sie rollte sich auf ihren Bauch und vergrub ihre Hände in der Erde. Sie kroch durch das Laub und die Erde. Sie begann zu fühlen und ihre Energie kehrte zurück. Es pulsierte, ihr Herz und ihr Hals. Sobald sie nachdachte entschwand die Energie und sie empfand eine lähmende Müdigkeit. Den Kompass in sich spürend begann Sie damit zu spielen. Zwischen lähmenden Gedanken und fühlenden Bewegungen stand Sie langsam auf und tanzte zwischen den Bäumen mit dem Wind. Ein goldener Faden, welcher von ihrem Rücken durch ihr Herz und wieder an ihrer Brust hervor kam führte Sie. Der noch nicht gewisse Weg, welcher sich mit dieser goldenen Schnur vor ihr auftun würde, fühlte sich gut an.

 

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