A N K O M M E N

Wenn man von dem Standpunkt ausgeht, dass alles im Außen in Verbindung mit einem selber steht und ein Spiegel ist, dann wird es interessant. Wenn ich dieser Theorie folge und mal so tue als würde sich die ganze Welt nur um mich drehen, dann hat es eine vermeintliche Pandemie und zwei Babys gebraucht um mich zurück zu meinen Wurzeln zu bringen. Dann hat es diese drei Ereignisse gebraucht, damit ich mich traue an einem Fleck zu bleiben um mal zu schauen was passiert. Das hört sich sehr hochtrabend an. Aber letztlich habe ich wirklich einige große Tritte von Außen benötigt (und die Baby-Tritte aus den Bäuchen meiner zwei Freundinnen waren die schönsten Tritte, die ich mir hätte vorstellen können) um genau den Weg zu gehen, den ich vehement verneint habe. Genau den Weg, der mir große Angst bereitete und außerdem für mich persönlich Schwäche darstellte. Bei anderen hab ich es als große Stärke bewundern können. Der Weg heißt Ankommen. Verweilen. Mal bleiben. Mal ruhen. Mal schauen. Und während ich das schreibe brüllt und tobt es in mir. Wahrscheinlich die kleine Sina, die trotzig ist, weil dieser Weg, den auch andere gehen, doch nicht so verkehrt ist. Ich habe mal den Satz gelesen: “ Die Yoga-Haltung, die du am meisten ablehnst, ist genau die, die du am meisten brauchst.“

Nun bedeutet Yoga „Unity“ also Vereinigung. Alles hängt zusammen. Und somit ist Yoga nicht nur auf Körper Haltungen zu beziehen sondern auf deine Einstellung im Leben, deine Art zu leben, dein Leben. Ich bin die Yoga-Haltung angegangen, die mir am meisten Unbehagen bereitet. Es gibt wenig wovor ich Angst habe aber das was im Moment passiert macht ganz schön viel in mir. Und das was ich mache ist so einfach und eigentlich normal: Ich ziehe in meine eigene Wohnung, habe einen Job und bin bei meiner Familie und meinen Freunden.

  • Während ich diesen letzten Satz schrieb trug sich Folgendes zu: Die Terassentür steht auf und eine schwarze Katze kommt zaghaft in das Zimmer herein und schaut mich an. Also schaute ich schnell nach was die Katze als Krafttier im Schamanismus bedeutet:“ Die Katze als Krafttier ist eine ausgezeichnete Seelenführerin und kann dank ihres 7.Sinnes auch Geisteswesen aus der Anderswelt wahrnehmen. Mit Geschick und Eleganz passt sie sich jeder Situation an, ohne dabei untertänig zu sein. Bei allem was sie tut bleibt sie stets frei, eigenständig und selbstbewusst- und nichts Anderes will uns die Katze als Krafttier zeigen. Wo auch immer wir sind, sollten wir mit allen Sinnen wachsam durch das Leben gehen und die Freiheit niemals um der Sicherheit willen aufgeben. Sie zeigt uns, wie wir auch in einer ungewohnten Umgebung zu jeder Zeit zu unserer Mitte zurückfinden und neue Kraft schöpfen können. […]“

Die Synchronizität des Lebens überrascht mich immer wieder.

Also wieso macht mir dieser Prozess des jetzt erst einmal hier Ankommens so viel Respekt? Die letzten Jahre war ich immer auf dem Sprung. Mittelfristige Ziele, die nicht länger als drei Jahre andauerten gaben mir immer das Gefühl nicht ankommen zu müssen. Ein Jahr folgte dem nächsten und ich sammelte stetig die gesetzten Ziele ein. Was ich nicht einsammelte war das Gefühl von Ruhe und Ankommen. Ein stetiges „sich getrieben“ fühlen gepaart mit dem Bedürfnis „etwas zu füllen“ ließen mich in verschiedenen Etappen viele Dinge tun, ausprobieren und erleben. Das Gefühl stellte sich jedoch nicht ein. Mein Wunsch vergangenes Jahr alles stehen und liegen zu lassen und mal einen Strich zu machen war das größte Geschenk, welches ich mir hätte machen können. Abstand schafft Perspektive. Keine Pläne, keine Verpflichtungen und das alles alleine. Obwohl ich mich eigentlich verpflichtete DIE Erfüllung untwerwegs zu finden, also irgendwie doch mit Plan. „Alleine“ war wohl eines meiner favorisierten Worte schon als kleines Kind. Da sprach ich es jedoch als „Leleine“ aus. Ich brauche keine Hilfe und schon gar keine Tipps. Indien belehrte mich eines Besseren und ich begann Hilfe, Tipps und Ratschläge gerne anzunehmen. Auch verabschiedete ich mich von dem Gedanken „leleine“ zu sein. Das war nämlich definitiv nicht der Fall – auch wenn ich größtenteils alleine gereist bin. In Indien bist du nie alleine. Die Abstände zwischen meinen Aufenthalten an einem Ort wurden mit dem Jahr immer kürzer. Kaum irgendwo angekommen hatte ich den Trieb als bald wieder aufzubrechen. Ich hinterfragte diesen Trieb und erkannte schnell: Auch Reisen und neue Orte sehen ist eine schnelle Serotonin Ausschüttung. Den selben Effekt hat die Benachrichtigung deines Handys bei einer neuen Nachricht, der Verzehr von Zucker oder anderen Suchtmitteln. Immer wieder etwas Neues. Kurzzeitige Ziele erreichen. Aber nicht verweilen können. Wo ich dies tatsächlich konnte war bei den zehn Tagen Vipassana. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dort auch noch mindestens drei weitere Monate hätte bleiben können. Diese zehn Tage in Stille haben etwas in mir gemacht und ich habe keine Angst mit mir zu sein und sonst nichts. Doch ist es ein Unterschied, ob du abgeschieden bist oder dich in der materialistischen Welt zurechtfinden darfst. Die Ausflucht im Außen zu suchen ist in der hiesigen Welt doch näherliegend um zu kompensieren. Das tut jeder Mensch auf eigene Weise. Mir liegt Wahrhaftigkeit am Herzen und so ändere ich genau die Dinge, die sich nicht wahr anfühlen. Denn eines habe ich gelernt: Es bringt dir nichts, Etwas zu leben, dass sich nicht im Einklang mit dir anfühlt. Und das ist definitiv nicht immer angenehm aber es kann trotzdem deine Wahrheit sein. Das Leben hier sollte alles sein aber NICHT bequem und trotzdem kann das angenehm sein. Das wir für alles kämpfen müssen finde ich auch einen unpassenden Ansatz. Natürlich fällt uns selten alles in den Schoß aber es sollte nicht jedes Mal ein Kampf gegen den Strom deines Lebens sein. Anstrengung- aber in Liebe.

Nun denn, hier bin ich. Komme an für den Moment. Das Leben hat mir so viele Geschenke zugespielt und wenn ich zurück denke dann habe ich mir all dies gewünscht. Meine Freundin Janine hat am Wochenende bei unserem Seminar gesagt: „Zur Zeit findet die Manifestierung unglaublich schnell statt also sei dir bewusst über deine Wünsche.“ Recht hat sie. Alles in meinem Leben momentan , habe ich mir irgendwie gewünscht vor nicht allzu langer Zeit. Die Form habe ich jedoch noch nicht gekannt. Nun kenne ich sie und mag sie wirklich gerne. Und wenn das jetzt erst einmal heißt nicht immer los zu können in etwas Unbekanntes in Form von anderen Ländern oder einer unbestimmten Zeit, dann ist das okay. Vielleicht beginnt jetzt die größte Meditation, die ich ausprobieren darf. Denn Meditation bedeutet für mich, mit dem zu sitzen und zu sein, was gerade ist und was in dir hoch kommt und sich zeigt. Ich persönlich benötige oft einen festen Rahmen und Struktur um mich richtig entfalten zu können. Jeder Mensch ist unterschiedlich. Auf ständiger Wanderschaft geschieht dies nicht für mich. Zudem habe ich gelernt, dass nichts aber auch wirklich nichts permanent ist. Wenn mich plötzlich Panik überkommt dann gebe ich mir erst einmal gedanklich eine liebevolle Backpfeife und komme in die Demut und Dankbarkeit. Darauf folgt dann das Wissen, dass ich meine Situation immer ändern kann und darf. Freiheit beginnt jedoch immer in unserem Inneren. Sie lebt dort. Sie beginnt und endet dort. Wenn wir unsere Augen schließen, dann sehen wir was wir haben. Wir haben nichts. Und wenn wir dann mit geschlossenen Augen in unser Herz fühlen, dann spüren wir Alles. Und dieses Alles ist das einzige, was Bedeutung hat. Alles Grobstoffliche in deinem Leben hat eine Feinstofflichkeit. Und diese Feinstofflichkeit ist das Gefühl, dass in dir geweckt wird. Das Gefühl in deinem Herzen. Wie der kleine Prinz schon sagte: „Wir sehen nur mit dem Herzen gut.“

 

Es steht Beständigkeit an und die bringt viele Projekte mit sich. Es werden Meditations-Abende, Seminare und Kurse stattfinden können und darauf freue ich mich unglaublich. Ich freue mich auf Dich. Wie und wo auch immer. Verbunden sind wir alle so miteinander.

In Liebe,

Sina.

Verantwortung

Jeden Tag werden dir Fragen gestellt. Jede Stunde handelst du in Entscheidungen.            In jeder Sekunde atmet dich das Leben ein.                                                                                 In jeder Sekunde atmest du Leben aus. Wie antwortest du auf die Fragen des Lebens? Was beeinflusst deine Entscheidungen? Welchen Teil von dir teilst du mit diesem Leben? Wie viele Aspekte des Leben strömen durch deine Lungen?

Wie oft hörst du die Menschen sich beschweren? Wie oft tust du dir selber leid?             Wie oft bist du über deine persönlichen Grenzen gegangen? Wie oft hat sich dein Leben ungemütlich angefühlt? Wie oft hast du in die Augen eines Fremden geschaut?              Wie oft hast du Wut mit Liebe ersetzt?                                                                                        Wie oft hast du aus Angst aufgehört?

Wir leben alle in diesem Rahmen unseres Lebens. Der Komfort liegt meistens innerhalb dieses Rahmen. Wir kämpfen für diesen Rahmen. Wir stoppen die Möglichkeit des Wachsen, Lernen, Fallen und Fliegen. Das Leben fragt uns so viele Fragen – außerhalb unseres Rahmen. Das Leben gibt uns so viele Aspekte aber wir bleiben bei denen, die wir schon immer kannten. Es gibt so viele Farben einzuatmen. Es gibt so viele Farben, die dich mit Energie erfüllen. Wie viele Farben gibst du dem Leben zurück?

Das Leben fragt dich so viele Fragen und deine Handlungen sind deine Antwort.               Die Verantwortung für dich selber ist deine Antwort zum Leben.                                        Hast du jemals gelebt oder lässt du dein Leben von anderen leben?                                 Atme jeden Aspekt dieses Lebens ein, außerhalb deiner Komfort-Zone, stelle alles in Frage und finde die Antwort tief in Dir selbst.

Dem Zentrum aller Antworten.

Dein Sein ist die Antwort auf die Frage des Lebens.

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Die Original-Vertonung auf englisch mit wunderbaren Aufnahmen aus Indien. Gedreht und bearbeitet von Shahid.

WISDOM – WITHIN YOU

My friend Shahid from conscious studio and production and me are releasing little videos to bring together words and pictures. To create a bridge between two worlds far away from eacht other. To show that we are all connected.

 

Was mich ein Jahr in Indien gelehrt hat.

Andreas Lorenz hat mich eingeladen. Ein wundervolles Gespräch hat sich in der Schönheit des Waldes ergeben. Wir sprechen, angelehnt an meine Zeit im Ausland, über unsere Vergangenheit, die uns einiges gelehrt hat. Wir hinterfragen Techniken, sprechen über Yoga, Meditation und Reiki. Es ist eine große Freude gewesen mich gewissen Fragen zu stellen und mit Andreas keine Scheu vor ehrlichen Worten zu haben. Schaut doch auch bei Spotify mal rein, denn der Podcast von Andreas wird dir unwahrscheinlich viele interessante Themen zeigen.

YouTube: Andreas Lorenz  // Salz des Life Podcast

Spotify: Salz des Life Podcast

Verantwortung

Sie gehört dir ganz alleine.

Sie ist nicht übertragbar.

Sie ist nicht zu entschuldigen.

Sie schläft niemals.

Sie hat keinen Urlaub.

Sie ist die Essenz.

 

Deine Antwort zu diesem Leben. Verantwortung.

Ein Wort geprägt mit schwerer Last, Zwang und Anstrengung. Man möchte eigentlich weniger verantwortlich sein. Doch gilt es zu unterscheiden zwischen intrinsischer und extrinsischer Verantwortung. Was möchtest du von dir selber erwarten, was denkst du wird erwartet und was fühlt sich in dir nach dieser Antwort an? Wenn du magst mach eine Liste mit zwei Spalten. Zum einen all die Dinge in deinem Leben, die du aus eigenem Antrieb und Leidenschaft tust und verantwortest. Die andere Spalte füllst du mit all jenen Dingen, die du tust, weil es „erwartet“ wird oder auch notwendig ist. Hier wird es spannend zu sehen, ob du „lebensnotwendige“ Dinge, wie deinen Job beispielsweise, ausübst, weil du es musst oder möchtest. Verantwortung kann Leidenschaft bedeuten. Kämpfen mit allem was man hat. Verantwortung kann aber auch Ausbrennen bedeuten. Andere Gläser mit dem Wasser des eigenen Glases füllen bis man leer ist. Es gibt eine Balance und die gilt es heraus zu finden. Wenn die Verantwortung deiner Leidenschaft überwiegt kannst du daraus sehr viel Kraft generieren. Aber es kann sich auch die Waage halten aus dem notwendigen Übel und all dem, was aus dir entspringt und kreiert.

Lass dir deine Antwort auf dieses Leben nicht nehmen. Dein Handeln, dein Denken, dein Hinterfragen, deine Sanftmut und Liebe all dies ist eine Antwort. Und vielleicht bedeutet diese Antwort neue Fragen für das nächste Leben zu gestalten. Je lauter die Antworten im Außen werden umso schwieriger wird es, deinen inneren Antworten zu lauschen. Wann hat das Außen so die Oberhand gewonnen? Entfernt von dem großen Nichts und dem kleinen All, welches wir sind. Die Antwort deiner Fragen ist so klein, so einfach, so alt und doch nicht ernst genommen. Die Liebe im Nächsten. Deinen nächsten so zu lieben wie dich selbst. Doch wurde es dir nie leicht gemacht zu glauben es ginge so leicht. In dir selber Gott und das Unendliche zu erfahren. In der Natur, der Verbindung und der Liebe den Weg zu finden. Hülle für Hülle gilt es fallen zu lassen um verletzlich, nackt ,wahr und authentisch da zu sein und sich das Potential der Verantwortung anzuschauen.

 

Was musst du alles tun um dich zu spüren? Was musst du alles tun um dich erfüllt zu fühlen? Wann war dir das letzte Mal bewusst, dass dieser physische Körper nicht für immer währt? Wann hast du dir das letzte Mal so richtig in die Augen geschaut und dir bewusst gemacht, dass hinter deinen Augen etwas lebt, dass sich nicht auf einen Körper beschränken lässt? Wann hast du dich das letzte Mal mit der Natur verbunden und gespürt, dass sie die Mutter aller ist. Wann hast du das letzte Mal gemerkt, dass du genug bist? Wann hast du das letzte Mal gefühlt, dass du vollkommen bist? Und wann hast du das letzte mal gefühlt „ich bin nicht genug“?

 

Deine Verantwortung ist es, all deine Hüllen fallen zu lassen. Deine Antwort auf dieses Leben ist die Liebe und diese beginnt in jeder kleinen Zelle. In jedem Gedanken. Jedem Wort. Sie beginnt mit Dir und der Wahrhaftigkeit.

 

Wie viel deiner Freiheit hast du abgegeben? Wie viele Sätze implizieren das Wort „muss“? Wie oft „darfst“ oder „möchtest“ du etwas? Vergleiche halten dich in der Mittelmäßigkeit. Dir steht alles zu. Alles im Namen der Freiheit und Liebe. Das ist deine Wesenheit. Das Leben birgt unterschiedliche Formen und es gilt keines falls Fairness. Gleich berechtigt sind wir alle, doch wird es nicht umgesetzt. Doch halte dich nicht in der Mittelmäßigkeit oder unterdrücke was du empfindest, weil es wem anders viel schlechter geht. Nutze deine Ressourcen um das Beste für dich und dein Potential zu erreichen. Diese Kraft und Liebe in dir kannst du weiter geben, in dieses kollektive Feld der Energie zurück geben. Halte dich nicht in einem Rad auf, dass deiner persönlichen Kraft nicht dient. Nutze deine Energie und Verantwortung für ein Ausschöpfen. Alles ist verbunden. Du bist Alles und Alles ist in Dir.

Der Schmetterling in Dir.

„Während das Raupenstadium bei einigen Schmetterlingen mehrere Jahre dauern kann, werden die Falter selten älter als zwei Wochen.
Es gibt sogar Schmetterlinge, die nur so kurz leben, dass sie gar nicht zu fressen brauchen.

Doch manche Schmetterlinge, etwa das Pfauenauge, können als ausgewachsene Tiere auf Dachböden, in Kellern, in hohlen Bäumen oder an anderen geschützten Orten überwintern.“ (www.kindernetz.de)

Wo befindest du dich? Raupe? Kurzlebiger Schmetterling? Überwinternder Falter? Oder weißt du damit gar nichts anzufangen?
Der Schmetterling ist in seiner Entwicklung und Schönheit ein so kraftvolles Sinnbild. Verschiedene Arten benötigen verschiedene Abläufe und Zeiträume. Doch werden sie alle zum Schmetterling. Diese bunten Falter haben zwar die Fähigkeit zu sehen doch werden sie sich niemals in ihrer kompletten Fülle erblicken können. Es gibt unglaublich viele verschiedene Arten und Erscheinungen. Sehen wir diese eindrucksvollen Wesen, so wissen wir nichts über ihre Geschichte. Vielleicht sind sie erst vor einigen Tagen in ihrer jetzigen Fülle. Vielleicht sind sie nur noch diesen Tag in dieser Lebendigkeit. Wir wissen nicht welche Blumen sie bereits kennen, welche Witterungen sie bereits erlebt und wie viele Winter sie überlebt haben. Wir sehen sie, genau so wie sie in diesem Moment vor uns umher zaubern. Mir ist noch kein Mensch begegnet, der oder die Schmetterlinge abstoßend findet. Man sagt Schmetterlingen sogar nach, sie seien ein Indikator für besonders harmonische Orte.
Doch was hat das mit dir, mit uns zu tun? Du wirst dich niemals so sehen können, wie dein Gegenüber dich wahrnehmen darf. Dein Gegenüber weiß womöglich kaum etwas über dich. Dein Gegenüber sieht nicht, wie du dich fühlst. Das was die Person sieht, ist deine Schönheit. Schönheit wird üblicherweise auf die äußerliche Erscheinung bezogen. Nur hat sich unser Verständnis von der Er-scheinung auf eine Fassade ohne Fenster reduziert. Unsere Er-scheinung ist jedoch eine Fassade mit Fenstern aus denen es hell heraus leuchten kann. Doch manchmal versuchen wir unsere Fassade so gut zu dekorieren und aussehen zu lassen, sodass wir die Fenster überstreichen, verbauen und das Licht nicht mehr zu sehen ist. Die Außenwirkung beschränkt sich auf die Fassade und den gewollt erzeugten Effekt. Umso weniger man einen Einblick durch das Fenster möchte, um so stärker wird die Fassade gestrichen und jede Lücke ins Innere versperrt. Zugespachtelt. Manchmal ist der Zugang ins Innere auch für den Hausbesitzer dann nicht mehr möglich. Die äußere Erscheinung hat nur noch wenig mit dem Inneren zu tun. Was würde aber geschehen, wenn die Fassade hell erleuchten würde aufgrund des sichtbaren Lichtes des Inneren? Wäre dann nicht der Fokus weniger auf eventuelle Risse in der Fassade oder kein gleichmäßiger Anstrich und stattdessen auf das helle Leuchten gerichtet?
Der Schmetterling macht sich sehr wahrscheinlich wenig Gedanken. Vielleicht weiß er nicht einmal wie lange sein Leben noch in dieser Form voran schreiten wird. Vielleicht ist er nur für diesen einen Tag in dieser bunt-schillernden Form. Er weiß es aber nicht. Und so wird er genau das tun wozu er bestimmt ist. Unermüdlich wird er von Blume zu Blume fliegen. Sein Potenzial leben und entfalten. Ohne etwas zu erwarten oder sich auf eine wohlverdiente Schmetterlings-Rente zu freuen um endlich „nichts mehr tun zu müssen.“ Es gibt mit Sicherheit eine Menge Unterschiede zwischen dem Mensch und dem Schmetterling, jedoch verstehe ich nicht, weshalb der Mensch erst einmal von seiner inneren Stimme und Aufgabe getrennt wird. Wir kommen als vollkommenes Wesen auf diese Welt und müssten uns eigentlich nur ein paar grundlegende Dinge aneignen um dann in unserem kreativen Potential aufgehen zu können. Frei fühlend und denkend wären wir die Schöpfer unserer eigenen Gesundheit und Erfüllung. Mit dieser Energie könnten wir einander stützen und tragen. Träumerei magst du nun vielleicht denken doch gab es noch nie die Möglichkeit es auf diesem Wege gemeinschaftlich zu probieren. Nicht wissend wie schön wir sind, geben wir vor etwas zu sein, schmücken unsere Fassade und lassen das innere Licht verkümmern.
Mir sind erwachsene Menschen begegnet, die ihr Licht schon früh verloren. Uns begegnen Menschen, die vielleicht sehr wütend und verurteilend sind. Uns begegnen Menschen, die keinen Einblick gewähren und im Außen so hart sind. Uns begegnen Menschen, die keine anderen Ansichten hören möchten – oft aus Angst. Uns begegnen Menschen, die den Bezug zu ihrem Gefühl und ihrer Intuition irgendwo auf dem Weg ihres Lebens verloren haben. Beurteilung, Vergleich, Funktion, Sicherheit und Angst sind die besten Begleiter um die Leichtigkeit eines Schmetterlings zu vernachlässigen. Umso länger wir an der Fassade arbeiten und die Wände stärken – umso schmerzlicher wird es wieder nach Innen zu kehren um das Licht zu finden und sehen. Denn dieses erlischt niemals. Es ist geduldig und wartet auf dich. Es ist die Schönheit, die niemals erlischt. Doch deine Fassade kann noch so stark, schön und beeindruckend aussehen – sie wird niemals mit der Er-scheinung deines Inneren auf einer Stufe stehen. Um den wahren Schmetterling zu sehen, der du bist, schließe deine Augen und beginne dich wieder mit deinem inneren Leuchten zu verbinden.
Stell dir vor du bist ein Schmetterling – was sind die Blumen in deinem Leben, zu denen du mit absoluter Hingabe und Liebe tagtäglich hinfliegst und im Austausch auch Energie und Liebe erhälst. Was sind diese besonderen Blumen, deine Projekte, die du nährst und in die Welt hinaus trägst?

 

Ronja – eine Kurzgeschichte.

Innerlich brannte ihre Brust. Die Luft blieb ihr aus. Jeder Atemzug fühlte sich an wie ein entfachtes Feuer. Ihre Augen brannten und traten hervor. Die frische Luft in ihrer Nase ließ sie weiter atmen und doch spürte sie diese unsichtbare Hand, welche ihre Kehle abschnürte. Es war ein Tanz aus Leben und dem Versuch die Grenze zu übertreten. Was würde passieren, wenn sie nicht weiter atmen würde. Ihre Kehle blockierte und sie hörte ihren Puls – ein Rauschen. Gleich ist es soweit, doch war sie bereit für diesen Schritt? Die frische Luft in ihrer Nase riss sie ein wenig zurück und gab ihren Zellen, was sie brauchten. Sie taumelte und mit einem Schlag spürte sie ihren Körper die Bodenhaftung verlieren. Wunderbar – wenigstens dieser hatte noch eine Haftung. Ihr Gesicht prallte zwischen nasses Laub, knackenden Ästen und spitzen Steinen nieder. Dort lag sie. Heiße Tränen liefen ihr Gesicht herunter. Die einzigartige Waldluft umgab Sie. Welch einmaliger Duft. Ihre Kehle brannte und doch konnte sie wieder atmen. Das pfeifende Geräusch beruhigte sich langsam und stetig. Sie wollte nicht aufstehen. Sie wollte nicht wahrhaben. Sie wollte nicht verstehen. Sie wollte nicht begreifen. Sie wollte zurück- war es doch beinahe geschehen. Was war schief gegangen? Hatte sie Zweifel? Hatte Sie Respekt? Sie war so nah an Zu Hause und doch war es diesmal anders. Ist diesmal überhaupt dieses Mal? Verwechselt sie die Zeit-Linien? Wo war Sie und wie war Sie? Zu den heißen Tränen mischte sich warmes Blut- es kitzelte am Kinn und sie wischte die rot-salzige Mischung von ihrem Gesicht. Sie war noch hier. Sie war noch in ihrem Körper, welcher aus Blut und Tränen bestand. Sie spürte den kühlen Boden unter sich. Sie sah den Himmel über sich. Sie hörte die Vögel zwitschern. „Sei einfach still“- sagte Sie sich und sprach mit ihrem Kopf, welcher sich sofort einschaltete und in ihr wieder Herzrasen auslöste. „Ich verstehe nicht“, schrie Sie in die leere Weite des Waldes. Die Tränen strömten nicht aus erzeugten Emotionen, sondern einzig und allein um ihrer Energie Raum zu geben. So klar war doch eben noch die Schwelle zu sehen. Es war ihr letzter Versuch, ihre letzte Chance, ihre letzte Gelegenheit. Die Schwelle hatte sich geschlossen und Sie ihre Energie nur auf diese Möglichkeit gesetzt. Mit beiden Händen griff Sie ins Laub und bedeckte ihr Gesicht. Der Geruch der Blätter durchströmte Sie. Es roch nach Leben. Es fühlte sich nach Leben an. Leben hier auf diesem Planeten. Lange geplant, lange ausgesucht und doch nicht greifbar. Sie war gerannt, gerannt um zu entkommen. Doch brauchte es nur eine kleine Wurzel um zu taumeln und zu fallen. Aufzuschlagen um zu verstehen – es gibt kein Entkommen. Gebettet in das was dir Leben schenkt. Gebettet in das, was du wieder sehen und spüren wolltest. Sie rollte sich auf ihren Bauch und vergrub ihre Hände in der Erde. Sie kroch durch das Laub und die Erde. Sie begann zu fühlen und ihre Energie kehrte zurück. Es pulsierte, ihr Herz und ihr Hals. Sobald sie nachdachte entschwand die Energie und sie empfand eine lähmende Müdigkeit. Den Kompass in sich spürend begann Sie damit zu spielen. Zwischen lähmenden Gedanken und fühlenden Bewegungen stand Sie langsam auf und tanzte zwischen den Bäumen mit dem Wind. Ein goldener Faden, welcher von ihrem Rücken durch ihr Herz und wieder an ihrer Brust hervor kam führte Sie. Der noch nicht gewisse Weg, welcher sich mit dieser goldenen Schnur vor ihr auftun würde, fühlte sich gut an.

 

Wolfsrudel

Etwas legte sich auf meine Beine. Mit geschlossenen Augen und noch im Halbschlaf nahm ich Macá war. Er rollte sich zwischen meinen angewinkelten Beinen ein und legte seinen großen Kopf auf meinem Oberschenkel ab. Die frische Luft strömte von draußen herein und die Vöglein stimmten sich und all anderen auf einen neuen Tag ein. Die Augen noch geschlossen begann ich Dinge aufzuzählen, für die ich dankbar bin und auf die ich mich an diesem Tag freute. Mit geschlossenen Augen und kurz nach dem Aufwachen ist noch alles so unberührt und frisch. Keine äußeren Eindrücke. Der Moment des Aufwachens ist für mich seit schon immer ein kleiner Kampf. Ein großer Kampf für meine Mama damals. Denn aus Erzählungen geht hervor, dass ich meistens unglaublich wütend wurde, sobald ich aufwachte. Heute bin ich nicht mehr so wütend aber es fühlt sich manchmal nicht leicht an. Entsprechend der nächtlichen Reisen vielleicht. Tiefe Träume und Prozesse, die unterbewusst passieren oder eben in dem kollektiven Bewusstsein. Jedenfalls hilft mir ein kurzer Moment der Achtsamkeit bevor ich die Augen öffne und den Tag körperlich beginne. Mit geöffneten Augen erblickte ich dann den riesigen Macá auf mir liegend. Seine hellen Augen schauten mich neugierig an. Nach einer Woche schien ich Teil seines Rudels geworden zu sein. Auf seinen Hinterbeinen stehend hat er die selbe Größe wie ich und er wiegt ca. 50 Kilogramm. Mit seinen 1.5 Jahren ist er eine verspielte Wucht und weiß seine Stärke und Größe oftmals nicht einzuschätzen. Halb Wolf, halb Hund.

Maca

Durch meine Bewegung sprang Macá auf und war bereit sein Rudel aufzuwecken. Doch war es Sonntag und außer mir noch niemand wach. Leise schlich ich mich ins Bad und versuchte so wenig Geräusche wie möglich zu machen. Nicht so einfach in einem so alten und Holz-verkleidetem Häuschen. Die Luft war frisch und kalt am frühen Morgen und das Tal vor mir lag noch in eine Decke aus Nebel gehüllt. Eine Woche zuvor habe ich Giel kennen gelernt und bin hier auf „Deveza“ angekommen. Im Dezember hatte ich von diesem Projekt erfahren und mich mit Giel in Verbindung gesetzt. Meine Kurzschluss-Reaktion im Februar führte dazu, dass ich bereits Anfang März zu ihm konnte. Giel hat dieses Grundstück mit dem Namen „Deveza“ gekauft und restauriert die bereits zwei bestehenden Häuser. Acht „Tiny Häuser“ sollen außerdem gebaut werden. Das Grundstück soll in Zukunft für Retreats und Urlauber genutzt werden. Die Eröffnung ist für 2021 geplant und bis dahin gibt es viele verschiedene und spannende Dinge zu tun. Giel ist in Holland geboren und mit ihm und mir gibt es noch zwei weitere Holländer, die als Freiwillige dort leben und arbeiten. Von Anfang an haben wir uns bestens verstanden und es kam mir so vor als sei ich zu guten alten Freunden zurück gekehrt. Das gemeinsame Leben gestaltet sich als sehr intensiv, schön und gemeinschaftlich. Gegen acht Uhr wird morgens gemeinsam gefrühstückt. Dann wird gearbeitet. Zwischen 13 und 15 Uhr wird Mittag gekocht und gegessen und dann wird noch einmal bis spätestens 18 Uhr gearbeitet. Alles ganz entspannt und so wie es sich eben ergibt und passt. Wer kocht muss nicht spülen. Es wird immer frisch gekocht und auf alle Rücksicht genommen. Für mich ist es ein richtiges Paradies. Eine niedliche Küche zum austoben. Hungrige Jungs zum Bekochen und immer frische Zutaten. Jeden Morgen kann man zum Zitronenbaum gehen und für das warme Zitronenwasser den entsprechenden Bedarf pflücken. Abends kochen wir auch zusammen und verbringen meistens die dunklen Stunden draußen am Feuer.

Sonnenaufgang

Die Arbeit konzentriert sich derzeit auf das zweite Haus, welches als Gästehaus fungieren wird. Das erste Haus ist das Wohnhaus. Meine Hauptaufgabe waren und sind die Fenster des zweiten Hauses. Dies müssen geschliffen, bearbeitet und gestrichen werden. Jedoch variiert die Arbeit auch nach Wetterlage und Bedarf bei den Jungs. Die haben sich nämlich dem Dach gewidmet, welches neu gemacht werden musste. So hatte ich für zwei Tage das Vergnügen mit dem Hochdruckreiniger die Dachziegeln zu reinigen. Eine matschige Angelegenheit mit einem Tomb Raider Gefühl. Laute und unterschiedliche Musik darf nicht fehlen. Manchmal stand ich einfach grinsend da mit meiner Schleifmaschine in der Hand und konnte nicht glauben wie wundervoll sich wieder alles gefügt hatte. Nach einer stetigen Aufgabe hatte ich mich gesehnt und körperliche Auslastung sowie etwas zu lernen war mein Wunsch. Alles hatte sich erfüllt gepaart mit so wundervollen Menschen. Ob es komisch ist, wieder in Europa zu sein, wurde ich zwischendurch gefragt. Irgendwie nicht. Irgendwie war es ein sehr sanfter Übergang. Die Zeit in Indien kam mir bereits wie ein Traum vor. Kein Wunder. Es ist so völlig anders hier und dort. Tief erfüllt von der vergangenen Zeit aber auch tief erfüllt von diesen gegenwärtigen Momenten genoss ich diese besondere Zeit.

Arbeitsplatz

Es ist spannend sich wieder in eine Gruppe zu integrieren. In eine Gruppe bestehend aus Männern. Damit hatte ich selten ein Problem und doch war es diesmal anders. In Indien waren Männer dominierend in der Gesellschaft und ich musste mich neu als Frau positionieren. Dieser gesellschaftliche Unterschied war hier in Portugal nicht mehr vorhanden. Meine Gedanken waren super laut und zwischenzeitlich wollte ich einfach Ruhe im Kopf haben und fragte mich, ob ich den gar nichts gelernt hatte. Plötzlich waren so viele Vergleiche, Unsicherheiten und Fragen in meinen Gedanken. Ich durchdachte die Gedanken von drei Personen ohne in derer Köpfe zu sein. Außenwirkungen und Auswirkungen beschäftigten mich. Es war der Prozess sich einzupendeln. Eine Frau sein zu dürfen ohne zu sehr auf einiges achten zu müssen und gleichzeitig auch „Kumpel“ zu sein. Immer wieder wird die eigene Identität ins Wanken gebracht bei stetigem Wechsel des Umfelds. Und das kann anstrengend aber auch gut sein, denn es offenbart uns: Deine Identität ist niemals permanent. Eine einzige Identität gibt es nicht. Wir befinden uns in unterschiedlichen Rollen und diese hänge von Umgebung, Mitmenschen, Verantwortung und vielen weiteren Faktoren ab. Den Moment wirklich NICHTS sein zu können gilt es zu üben. Eine Lebensaufgabe vielleicht. Doch kennst du mit Sicherheit diese kleinen Momente in denen einfach alles gut ist und sich in Balance anfühlt. Kein Bedürfnis, keine Erwartung, keine Anspannung, keine Sorge. Ein reiner Herzens-Moment in dem man Nichts ist und mit Nichts meine ich Nichts. Wie oft sprechen wir davon, was wir sind, sein möchten oder mal sein werden. Wie oft beschreiben wir andere Menschen und beginnen mit „XY ist…“. „Die Arbeit ist…“. „Der Film ist…“. Irgendwie benötigen wir ein System der Beschreibung und auch Wertung um uns zurecht zu finden. Aber was passiert, wenn wir das abstellen. Nur für einen Moment Inne halten bevor wir direkt die Stimme erheben um Dinge, Menschen und Situationen zu beschreiben. Jedes Wort hat eine eigene Energie und Aussage. Das Aussprechen bringt die jeweilige Frequenz hervor und macht es irgendwie wahr. Wir müssen nicht immer sprechen. Wir müssen nicht immer so sein, wie wir denken sein zu müssen. Wir brauchen auch nicht zu allen Dingen sofort eine Meinung haben. Es tut gut auch einfach Dinge zu observieren und stehen zu lassen ohne sie zu bewerten und eine Meinung heraus zu posaunen. Das kann heutzutage jede Person auf den öffentlichen Kanälen und es ist oftmals sehr traurig zu sehen, was dabei herum kommen kann. Einfach da sein und das was im Außen oder auch in deinem Kopf geschieht erst einmal observieren und beobachten. Es muss nicht immer direkt eine Reaktion erfolgen. Oft gehen wir so durch unser Leben. Ständig am re-agieren. Das kostet viel Energie und ist oftmals nicht mit unserer eigentlichen Intention verbunden. Wir lernen zu reagieren. Ich bin der Meinung es ist an der Zeit das weniger zu tun. Nicht im Sinne von Teilnahmslosigkeit. Angefangen im Kopf, bei unseren Gedanken und bei dem menschlichen Miteinander. Es fällt uns schwer gemeinsam Stille zu genießen. Wieso? Müssen wir immer gehört werden? Ist es vielleicht eine Herausforderung mit dir zu sein und zu hören, was im Inneren geschieht? Das ist es, keine Frage. Während der gemeinsamen Arbeit mit den Jungs ist mir das sehr bewusst geworden. Die drei turnten auf dem Dach herum und verrichteten ihre Arbeit mit Musik, Witzen und immer viel und lauter Aktion. Ich hingegen war eine Etage tiefer an den Fenstern beschäftigt. Musste mich konzentrieren und recht feine Arbeit verrichten. Es war friedlich doch mein Kopf und meine Gedanken hatten plötzlich die absolute Handlungsfreiheit – so lange ich nicht einschritt. Es wurde analysiert, kritisiert, gezweifelt, erinnert, getobt, verglichen…Mein eigener Mechanismus war es dann etwas zu trinken (kein Alkohol 😃) oder Kleines zwischendrin zu essen um eine Unterbrechung zu erlangen und vielleicht auch kurz eine Runde Dopamin zu bekommen. Zehn Minuten später stand ich dann am selben Fleck und die Vorwürfe wieder etwas gegessen zu haben obwohl das Frühstück erst 2 Stunden her ist waren umso lauter. Das ist ein kleines Beispiel wie man sich im Kreis drehen kann und man merkt wie stark der Kopf sein kann, wenn man sich den Gedanken hingibt bzw. sie annimmt und sich nicht behauptet. „Glaub nicht alles was du denkst“ hat meine Freundin in ihrem Whats App Status stehen und der Satz ist so wichtig und wahr. Ich kann jetzt mit etwas Abstand ganz genau erkennen was geschehen ist. Mein Einfinden in eine neue Gruppe hat eben auch mit Beobachtung zu tun gehabt. Ich kenne meine „empfindlichen“ Punkte, die ich ja auch über das vergangene Jahr mit viel Bewusstsein und unterschiedlichen Versuchen verkleinert oder eben erkannt habe. Nun scheinen diese immer wieder am lautesten zu sein, wenn „ich“ „mich“ in einer neuen Situation befinde. (Was ist ich und wieso kann ich über mich entscheiden? :D). Zurück zum Anfang: Mir ist wieder einmal bewusst geworden, dass meine Beobachtung und Wertung mir gegenüber mit der anderer austauschbar ist. Ich bleibe da jetzt einfach mal bei meiner evergreen Essthematik. Solange ich nicht aufhöre das Essverhalten anderer Menschen (in diesem Fall die Jungs) zu beobachten und mit meinem zu vergleichen, werde ich auch nicht aufhören mich zu beobachten und zu vergleichen. Solange ich nicht aufhöre die Gedanken anderer zu denken („Was ist wenn er jetzt sieht, dass ich zwischendurch was esse? Ach die trinken Bier und essen Chips dann gleicht sich das ja wieder aus.“) werde ich auch keine Ruhe finden. Und diese Prozesse scheinen zu dauern. Und ich nenne dies als ein Beispiel aus meiner persönlichen Situation. Du kannst dieses Thema mit allen anderen Themen ersetzen, denn die Grundessenz ist immer die selbe. Zu viele Gedanken, zu viele Zweifel, zu viele Vergleiche und zu wenig im Hier und Jetzt sein. Dennoch ist das eine gute Technik um an uns zu feilen. Egal was dein Thema beinhaltet: Du bist nicht allein, jeder Mensch plagt sich mit etwas herum. Die einen mehr, die anderen weniger.

Ziegen

Von uns Vier auf Deveza gab es auch einen Kerl, der immer gut drauf war oder ist. Er erzählte uns, dass er nie einen richtigen Breakdown hatte bis eine Geschichte mit seiner Ex-Freundin geschah. Da weinte er dann zum ersten Mal. Menschen sind unterschiedlich und das ist auch gut so und wenn deine Gedanken nicht so laut sind ist das wundervoll. Meine Botschaft ist auf jeden Fall die Stille zu zelebrieren und sich Räume der Ruhe zu schaffen. Einfach mal reinhorchen und fühlen was da in dir vor sich geht zwischen all den großartigen Dingen, die du jeden Tag auf die Beine stellst. Sei es beruflich, familiär, freundschaftlich, ehrenamtlich, privat – mach dir jetzt hier in dieser Sekunde mal bewusst, wie wert-voll du bist mit deinem ganzen Wesen. Alles ist in dir und es gibt nichts im Außen, dass du dir kaufen musst, was du erreichen sollst oder was dir zu sagen hat wie du zu sein oder auszusehen hast. Wähle was dir in deiner Entwicklung dient.

 

Die ersten drei Wochen vergingen wie im Fluge. Unser kleines Rudel veränderte sich kontinuierlich ebenso wie das Wetter und der Prozess. Das Dach war gedeckt. Die Bäume begannen zu blühen. Das Wetter wurde wärmer.

Lila Natur

„I have to go.“ platzte es vergangenen Freitag beim Frühstück aus mir heraus. Unmittelbar fühlte ich, wie mein Gesicht heiß und rot wurde. Meine Augen füllten sich mit Tränen und ich konnte keinem in die Augen schauen. Vergrub mein Gesicht in meinen Händen und versuchte wieder normal zu atmen. „You´re joking, right?“, fragte Giel. Ich schaute ihn und seine Freundin an und schüttelte den Kopf. Am Abend zuvor hatte mich meine Familie gebeten in Erwägung zu ziehen nach Hause zu kommen bevor sich die derzeitige Situation verändert und ich womöglich nicht mehr Heim könnte für einen unbestimmten Zeitraum. Meine erste Reaktion war Trotz. Schließlich war ich hier so fernab von allem keine Gefahr für irgendwen und für mich persönlich bestand auch keine Gefahr. Doch verstand ich nach und nach die Dringlichkeit bei eventuell geschlossenen Grenzen. Mein Plan war es erst in zwei Monaten nach Deutschland zu kommen. Doch fühlte sich die Entscheidung am nächsten Tag nach Hause zu kommen absolut stimmig an. Vor einem Jahr noch hätte es mich total aus der Fassung gebracht nicht „nach Plan“ zu leben und ich hätte wahrscheinlich meinen Trotzkopf über alles hinweg gesetzt. Das vergangene Jahr war ein guter Lehrer um sich von Plänen zu verabschieden. Von Tag zu Tag leben. Das was nun teilweise eben für alle Menschen gilt, die in dieser Situation leben. Ganz schön entschleunigend. Meine Abreise aus Indien war ebenso spontan und kurzerhand entschlossen. Es ergibt für mich auch irgendwie mehr und mehr Sinn. Hätte sich meine persönliche Situation in Indien nicht so zugespitzt wäre ich nicht so früh abgereist. Ich hätte Giel und die anderen nicht kennen gelernt, denn mein Flug wäre dann direkt von Indien nach Deutschland gegangen, wenn ich überhaupt das Land noch hätte verlassen können. Keine Zwischenlandung in Europa. Kein langsames Ankommen. Es hat mal wieder bestens funktioniert mit der Intuition oder auch Führung. Nun bin ich seit drei Tagen in Deutschland. 340 Tage oder so war ich unterwegs. Meinen Bruder habe ich nach 1.5 Jahren wieder in die Arme nehmen dürfen. Meine Eltern nach fast einem Jahr. Es hat sich alles wie immer angefühlt. Zu Hause ist, wo es sich nicht fremd anfühlt. Mein Körper war immer mein Kompass und ich habe das Gefühl er ist jetzt ziemlich balanciert und ruhig. Es stehen einige Dinge an auf die ich nicht so Lust habe, die aber eben notwendig sind um hier wieder Teil der Gesellschaft sein zu dürfen/müssen (Krankenkasse und solche Angelegenheiten). Eine Ausgangsbasis schaffen für noch Unbekanntes.

 

In diesen entschleunigten Tagen mach dir bewusst, dass alles was eine tiefere Bedeutung hat- in dir ist. In jedem Moment geschieht etwas Neues und nichts kannst du festhalten. Indien kommt mir vor wie ein Traum. Ein anderes Leben. Ja ich habe Gewürze und ein paar Sachen mitgebracht aber diese können niemals das erzählen oder bewirken, was die gesammelten Gefühle in meinem Herzen können. Und das gilt für alles im Leben unabhängig von Reisen oder anderen Dingen. Frag dich immer wieder, ob das was du machst nachher mal dein Herz füllt. Es gibt immer notwendige Dinge und wenn es um das Thema Geld verdienen geht um über die Runden zu kommen muss man auch einfach pragmatisch bleiben. Dennoch ist deine Gesundheit und dein Wohlbefinden das Fundament deines Hauses. Und ich würde behaupten, dass wenn wir alle die Möglichkeit haben jetzt an einem Laptop oder Handy zu sitzen wir für unser Leben eine große Handlungsfreiheit haben. Manchmal sind es ganz kleine Veränderungen die gemacht werden können, Worte die ausgesprochen werden wollen oder Taten die umgesetzt werden dürfen. Ich hoffe, dass die derzeitige Situation viele neue Aspekte für dich mitbringen kann. Wir brauchen nicht alles zu glauben, können selber recherchieren, kritisch bleiben und uns vernetzen. Ich wünsche euch Zeit ohne Angst, stattdessen Zeit für Reflektion, Sein und Liebe. Auch wenn ich wieder in Deutschland bin so werde ich nicht aufhören zu schreiben. Das Leben ist eine Reise und für mich endet sie nicht durch diese Rückkehr. Es geht weiter und ich freue mich riesig weiterhin mit euch all das teilen zu können.

Bleibt gesund, esst genug frisches Obst und Gemüse, trinkt ausreichend Wasser und lasst euch die Sonne auf den Kopf scheinen und bleibt in Bewegung.

 

 

 

Auf viele Wiedersehen, Indien.

Und plötzlich war ich da.

Einfach da.

Hier. Dort. Überall.

Ich war in diesem Moment. Nicht in der Vergangenheit. Nicht in der Zukunft. Nicht besser. Nicht schlechter. Einfach nur da.

Der Visa Offizier grinste und grüßte mich mit „Ola“. Olla, hallo Spanien- Madrid. Danke für diesen entspannten Empfang in Europa. Meine Entscheidung hier anzukommen war von vielen Faktoren bedingt und sie ergeben so langsam irgendwie wieder einen Sinn. Es fasziniert mich zu sehen, wie sich immer alles fügt und jeder intuitive Schritt zu einem weiteren Level führt. Mein Visum für Indien ist am 24.02 ausgelaufen. Geplant war nach Sri Lanka zu reisen um dann wieder einzureisen mit einem neuen Visum und Indien gegen April zu verlassen. Vor 2 Wochen dann wachte ich eines Morgens auf und sagte Sri Lanka ab, zog meine geplante 2 tägige Zugreise zurück und packte meine Sachen, um mich so schnell es ging auf den Weg nach Rishikesh zu machen. Vor dem 24.02 musste ich demnach das Land verlassen haben. Einige Situationen führten letztlich dazu. Diese werde ich separiert noch einmal zusammen fassen. Ich war erschöpft. Erschöpft von emotionalen Herausforderungen und Grenzüberschreitungen, die kein Ende fanden für mich auf dieser Reise. Zudem merkte ich, dass mir eine ständige Aufgabe fehlte. Richtig anpacken und etwas erschaffen. Es fehlt mir nicht an Ideen und Projekten aber an einem festen Ort. Das ständige fort bewegen und weiter reisen ließ mich nicht ankommen. Ich brauche eine permanente Basis um produktiv zu sein. Das kann zeitweise sein und braucht keine Ewigkeit bedeuten. Aber einfach für eine Zeit ankommen. Durch Zufall hatte ich von einer Art „Workaway Stelle“ in Portugal erfahren. Arbeiten und im Gegenzug bekommt man eine Unterkunft und Verpflegung gestellt. Das wichtigste für mich: Ich kann umsonst lernen und erschaffen. Portugal stand so oder so auf meiner Wunschliste zum Erkunden. Also setzte ich mich mit Giehl dem „Projektleiter“ in Verbindung und bekam die Zusage ab dem 02.03 zu beginnen. Tiny Häuser bauen, einen Ort für Naturliebhaber, Retreats und Gemeinsamkeit erschaffen. So ungefähr wird diese Erfahrung aussehen. Die Fotos von diesem Gelände sind atemberaubend und das ganze ist nur 1.5 Stunden von Porto entfernt.

Meine Mission war also nach Rishikesh zu kommen um dort ein paar Dinge einzusammeln und natürlich auch um den Kreis zu schließen und einige Menschen noch einmal zu sehen. Ich kam in Rishikesh an und war begeistert. Das Wetter ist so so wunderschön im Februar und März. 25 Grad und Sonne mit einer leichten Berg-Brise sowie kühle Abende, Nächte und Morgen. Das Klima war so angenehm und ich war echt entspannt. Die Hitze ist für mich eine Herausforderung und für meinen Typ nicht leicht zu handhaben. Ich erinnerte mich an die 43 Grad und mehr im vergangenen Jahr in Rishikesh und war froh dieses Jahr nicht zu partizipieren. Ich nistete mich in dem frisch eröffneten Hostel von Freunden ein. Ich kam morgens um halb sechs an und hatte mich nicht richtig angemeldet. Die Türe war geschlossen und ich konnte nur durch das Fenster spinksen. Natürlich war noch niemand wach. Ich schaute mich um und fand eine Ecke auf der Treppe. Hier sollte ich wohl für eine Weile schlafen können mit meinem Schlafsack. Ich war super müde von der Nachtfahrt aus Delhi und es war echt noch kalt. Ein letzter Versuch durch das Fenster jemanden zu erwischen stellte sich als erfolgreich heraus. Ich sah einen jungen Mann und klopfte. Verschlafen öffnete er mir die Türe. Wir quatschten kurz und ich legte mich auf die Couch und deckte mich mit meinem Schal zu. Kurz darauf wurde ich liebevoll mit drei Decken zugedeckt. Christian, der junge Türöffner, grinste mich an und sagte mit spanischem Slang „Es ist sehr kalt“. Herrje was für ein Ankommen. Fast wie Maria und Josef, denen niemand die Tür öffnete. Christian (geboren in Argentinien und wohnhaft in Berlin) und ich verstanden uns auf Anhieb super gut und wurden eine kleine Hostel-Einheit. Auch das Hostel war einfach so familiär und süß. Kein zwei Minuten von dem Café und Sach entfernt. Dieser kam einen Tag später an und die Freude war unendlich groß, dass wir uns wieder sehen konnten. Zu meiner großen Freude war nun auch sein Cousin Mohit in Rishikesh und wurde im Café angelernt. Mohit hatte ich bereits in Gujarat kennen gelernt und er ist eine so so sososo reine Seele, ein Spitzen-Koch und unglaublich witzig. Zwar ist die Sprachbarriere groß aber irgendwie geht es immer und Taten sprechen weitaus mehr als manche Worte. So waren wir drei die kleine Café-Familie und diese wuchs recht schnell mit einigen Menschen, die auf der Bildfläche erschienen. Jeden Tag aßen wir zusammen und waren lange auf. Nächte in denen ich nach Mitternacht ins Bett ging gehörten der Vergangenheit an und ich fühlte mich echt „crazy“ um 02:30 schlafen zu gehen und morgens wieder früh aufzustehen. Alles nüchtern versteht sich mit ein wenig Unterstützung durch Chai oder Kaffee. Rebell ;).

Jeden Tag war ich so glücklich und entspannt – ganz anders als zu den vorigen Malen. Immer mehr wurde mir die Theorie der Reflektion bewusst. Meine Beziehung zu Sach war da das beste Beispiel. Mit nichts konnte er mich aus der Ruhe bringen, weil ich in mir ruhend war. Zuvor war ich oft angespannt und bin bei Kleinigkeiten schnell aus der Haut gefahren ganz besonders mit Sach und seiner eigenen Art. Ich habe mich ent-wickelt. Nostalgie kam keine hoch. Auch das ist ein Prozess. Meine Jugend und jungen 20er waren oft damit gefüllt mich an „alte Zeiten“ zu erinnern und unfassbar nostalgisch zu werden. Umso mehr ich mich mit dem Moment auseinander setzen durfte umso mehr freue ich mich über das Jetzt und spare so sehr viel Zeit und Taschentücher :D. In kurzer Zeit lernte ich noch eine Hand voll unglaublich toller Menschen kennen. Sie alle kamen nicht aus Indien. Und ich muss sagen – das hatte etwas sehr entspanntes. Ich konnte meine Freunde umarmen oder auch einfach mal mit jemandem umschlungen dasitzen ohne der Befürchtung, es könnte anders verstanden werden als es sich anfühlt. Und in diesen Momenten wurde mir eins bewusst: Über die vergangenen Monate hat mir dieser körperliche Aspekt gefehlt. Nicht auf sexueller Ebene. Einzig und alleine entspannt miteinander umzugehen und sich eben auch zu umarmen und fallen zu lassen. Ich bin alleine gereist und habe bis auf die drei Tage in Goa mit keiner Frau so wirklich Kontakt gehabt wie ich es dort mit meinen zwei Freundinnen hatte. Ich bin mit zwei Freunden aus Indien gereist und beide waren männlich. Der Umgang ist ein ganz anderer und irgendwie bin ich auch oft „auf der Hut“ gewesen, mein Wesen stark anzupassen. Vielleicht führte das auch irgendwann zu dem Gefühl der Erschöpfung, denn ich verbrachte fast zwei Wochen 24/7 nacheinander mit meinen beiden Freunden, die ich noch nicht so lange kannte. Wir hatten eine fantastische Zeit aber für mich war es auch eine permanente Anspannung. Dies jetzt mit ein wenig Abstand zu betrachten ist sehr spannend und absolut nicht wertend gemeint. Mir wurde nur auf einmal diese Erleichterung bewusst. Meine Freunde aus Columbien, Italien und Argentinien sind so viel mehr in Körperkontakt involviert alleine schon während sie sprechen. Eine sehr interessante Erfahrung diesen Unterschied zu bemerken und auch zu sehen, „Was tut mir gut und was bringt eine gewisse Anspannung?“. Aber auch im Gegenzug: Wem möchte ich nicht die Hand geben ? Wen möchte ich umarmen und wen nicht? Von wem möchte ich angefasst werden?

Nimm einmal einen Moment und schau, wie sich dieses Thema in deinem Leben positioniert. In unserer Welt ist es ganz normal sich die Hand zu geben. Davon durfte ich in Indien Abstand nehmen. Die übliche Begrüßung ist die Hände vor dem Herz zusammen zu führen in Namaste Haltung und sich so zu grüßen. Der Grund ist ein sehr energetischer: Wann immer wir einer anderen Person die Hand geben findet ein Energie Austausch statt. Energie fließt durch uns und als Reiki Praktizierende weiß ich, welche Energie durch unsere Hände statt finden darf. Du gibst einer Person die Hand und es findet ein Geben und Nehmen statt. Ein Austausch. Energetisch sind wir selten auf einem Level mit anderen Personen. Und wer kennt es nicht: Man verbringt Zeit mit Menschen oder einer Person und fühlt sich danach ausgelaugt oder auch total gepusht. Alles ist möglich und all das ist Energie. Ein Händedruck kann so unterschiedlich sein. Nicht selten hinterlässt der Händedruck auch einen Eindruck. Schlaff, nass, fest, kühl, warm, kurz, lang. All diese Beschreibungen machen unterbewusst etwas mit uns. Manche Menschen möchte man vielleicht auch einfach nicht berühren aber wir sind eben so groß geworden. Es ist „unhöflich“ sich nicht die Hand zu geben. Zeit auf deine Bedürfnisse zu hören würde ich da mal sagen. Ebenso wie wir nicht aus „gesellschaftlichen Normen“ Alkohol trinken müssen. Es ist Zeit auf die „Gedanken“ der Anderen mal ein wenig mit Selbstfürsorge zu reagieren. Ja ich weiß, Jobs und manche Situationen machen es schwierig. Ich möchte lediglich darauf hinweisen und ein wenig Beobachtung, Aufmerksamkeit und Dialog mit ins Spiel bringen. Liebevoll Hinterfragen. Wieso mache ich das eigentlich? Aufmerksam und mit offenen Augen durch das eigene Leben gehen. Was fühlt sich für DICH gut, richtig und in Balance an. Mein vergangenes Jahr war weniger davon geprägt durch einen Arbeitsalltag zu kommen und alles unter einen Hut bringen zu müssen. Es war mir möglich andere Dinge zu priorisieren, machen und ausprobieren. Und genau deswegen möchte ich diese Beobachtungen teilen, denn ich weiß, dass sie oft zu kurz kommen und wir uns gewisse Fragen gar nicht stellen können.

Dinge an und aussprechen. An meinem letzten Tag stapfte ich hoch zu meiner alten Yoga-Schule. Über die vergangenen Monate habe ich innerlich viel Unruhe und Unzufriedenheit empfunden, wenn ich an diese Schule zurück dachte. Unausgesprochene Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ich wollte noch einmal zu der Schule gehen und reden. Außerdem hatten sie ein neues Skript für die Schüler erstellt. Das was ich bekam war „für die Katz“. Ich traf auf den Manager und bekam mein Skript. In aller Ruhe sprachen wir und ich versuchte konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge mitzuteilen. Zum ersten Mal hörte er mir (verglichen mit vergangenen Konversationen) zu, hielt Augenkontakt und wich nicht aus. Ob es was verändert weiß ich nicht. Aber ich habe meinen Frieden, denn ist ausgesprochen. Der Kreis schloss sich langsam und eine letzte Motorradtour mit Sach zum Bus schloss auch unseren Kreis vorerst. Wenn ich an seine Fürsorge denke dann fühle ich mich warm umarmt. Er hat immer dafür gesorgt, dass ich genug esse, einen Schlafplatz habe und sich ungefragt um meine Reiserouten gekümmert. Natürlich habe ich nicht immer auf ihn gehört aber immer gewusst, wenn alle Stricke reißen: Ich kann auf ihn zählen, ihn anrufen und um Hilfe bitten. Reisen bedeutet für mich immer wieder die Schönheit der Menschen zu entdecken. Manchmal verallgemeinere ich gerne oder hatte auch „die Hoffnung in die Menschheit“ verloren. Die meisten Begegnungen sind so liebevolle Ohrfeigen. Von meinem Umfeld zu Hause brauche ich ja gar nicht sprechen. Sich aus dem gewohnten Umfeld zu begeben bringt aber eben neue Aspekte. Und bei all den Warnungen und Sorgen bezugnehmend auf Männer in Indien bin ich so dankbar einen Mann wie Sachendra kennen gelernt zu haben als Konstante in meinem Leben, denn diese Freundschaft wird auch über diese Reise hinweg bestehen. Ihr könnt auch bitte alle die Daumen drücken denn er wird einen Visums-Antrag stellen um Europa zu bereisen. Dies ist nicht ganz so leicht für indische Bürger (ziemlich unfair) und sehr aufwendig. Aber ich denke es wird klappen und dann kann ich ihm bald ein wenig Deutschland zeigen.

Mit dem Nachtbus ging es nach Delhi und von dort so ziemlich im Anschluss nach Madrid. In Madrid hatte ich ein paar Stunden Zeit bis mein Bus abfuhr. Zeit für Patatas Bravas, Salat und einen Kaffee. Erdung. Wenn ich von einem Ort zum anderen reise, egal auf welchem Weg (am liebsten auf Land und langsam) hilft mir Essen eine Erdung herzustellen. Unsere Art zu reisen ist heutzutage so schnell und oft mit dem Element Luft verbunden. Wir sind ja nicht nur unser physischer Körper. Wir haben viele feinstoffliche Körper und auch die wollen alle mitreisen. Schnelle Wechsel vor allem in der Luft sind für mich manchmal ein wenig chaotisch. Deswegen war die Weiterreise von Madrid nach Lissabon perfekt: Ab in den Flix-Bus und auf geht es. Eine weitere Nacht im Bus später kam ich dann an. Hallo Lissabon, hallo Portugal. Hier bin ich nun seit drei Nächten und fühle mich sehr sehr gut. War es eine große Umstellung? Irgendwie nicht. Alles fühlt sich gut und richtig an. Es gab ja auch sehr „westlich“ geprägte Erfahrungen in Indien. Aber es ist halt wirklich einfach wunderbar ruhig, leise und sauber hier. Dafür keine Tiere und kein Essen auf der Straße, und die westlichen Toiletten mag ich auch nicht mehr so gerne. Aber für mich ist keine Notwendigkeit zu vergleichen. Ich beobachte was mir auffällt und natürlich drehen sich meine Gedanken noch viel um Indien. Wie es der Lebensweg wollte bin ich hier in dem Hostel in zwei Männer gestolpert, die beide vor über 15 Jahren auch in Indien waren. Eine sanfte Landung, denn ich kann Erfahrungen und Gedanken mit ihnen teilen und sie können es nachvollziehen. Wir verstehen uns unglaublich gut und vielleicht hat sich sogar eine zukünftige Zusammenarbeit ergeben, die mich weiter reisend halten wird in Europa. Für die Sommersaison, die ja ansteht. Mal schauen. Ab dem 02. März werde ich ja eh ersteinmal in der Nähe von Porto arbeiten. Ich habe super Lust zu lernen, „malochen“ und etwas zu schaffen. Das hat mir doch gefehlt. Aufstehen und direkt etwas tun und auch eine sichtbare Entwicklung zu sehen. Also ich bin gespannt und werde natürlich weiter berichten. Sowieso. Ich werde nicht aufhören zu schreiben. Das ist unabhängig von Indien. Ich bin so dankbar für euch, die gerne lesen und teilhaben und sich auch inspirieren lassen können.

Ich möchte gerne noch hinzufügen, dass du immer geduldig mit dir sein sollst. Sollen im Sinne von Fürsorge. Wir neigen dazu ungeduldig zu sein. Wir denken etwas erreicht zu haben und auf diesem Level für immer weitermachen zu müssen oder können. So ist es aber nicht- jeder Tag ist anders und  so auch alle Einflüsse und Herausforderungen. Ich erwähne das, weil ich mich selber beobachte. Ich bin in einem Hostel mit einer ganz anderen Energie. Leon mein Hostel-Freund hatte mich auch gewarnt, dass es hier hauptsächlich ums Trinken geht. Ich schlafe in einem gemischten Schlafsaal und bin irgendwie die einzige Frau unter 9 anderen Männern. Ich stehe früh auf um ein wenig Raum für mich zu haben und alleine zu sein. Die Tage habe ich durchgehend mit Leon verbracht was total bereichernd und schön war. Unsere Gespräche sind so lehrreich und tief und gleichzeitig sehe ich alle Ecken von Lissabon. Ich bin immer wieder erstaunt, wie das Leben Menschen zusammen führt.

Und doch ist da etwas, was seit zwei Tagen eingeknickt ist: Mein Bezug zu Essen. Ich erwähne es nur, weil einige ja auch die vorigen Beiträge gelesen haben und ich möchte nur darauf hinweisen, dass es immer wieder Veränderungen gibt. Das was ich gelernt habe: Mein innerer Kompass und meine innere Entspannung spiegelt sich bei mir in meiner Beziehung zu Essen wieder. Bin ich entspannt und habe genug Raum für mich dann ist alles gut. Fühle ich mich irgendwie ausgelaugt oder zu unruhig, durch zu wenig Rückzug dann verändert sich mein Umgang mit Essen. Denn das ist dann die letzte Instanz für mich zu bestimmen. Die ganze Thematik ist wirklich super geschrumpft und ich kann es beobachten und bin ruhig. Ich weiß, dass alles gut ist und mit mir in den Dialog treten anstatt mich selber rund zu machen und noch mehr aus der Balance zu geraten. Die Reise nach Indien hat mir diesbezüglich wirklich unglaublich geholfen und ich behaupte mich von etwas befreit zu haben, was mich in den letzten 16 Jahren begleitet hat. Es wird immer ein besonders empfindlicher Punkt für mich sein aber ich habe nun gelernt mir als eigene Freundin zur Seite zu stehen.

Also meine Botschaft für dich: Ein Tag, Moment, Monat, Woche, Gedanke außerhalb deiner Balance ist einfach da. Das brauchst du nicht zu werten. Wichtig ist, dass du erkennst: Oh, da ist etwas, dass mich aus meiner Balance bringt und deswegen reagier, agiere oder resigniere ich nun. Auf welche Art und Weise auch immer. Ich kann das Beispiel mit Essen erwähnen doch es sieht für uns alle unterschiedlich aus. Wir sind alle unterschiedlich und haben unsere eigenen Arten, Weisen und Empfindungen. Nimm es nicht so ernst. Nimm dich ernst aber nicht deine Gedanken. Begegne dir mit Ironie. Sprich über dein Gedankenkarussell oder schreib es auf. Dreh die Musik auf und Tanz. Egal was, Hauptsache du brichst das Karussell deiner Gedanken auf.

Und ganz wichtig: Tief atmen. Tief atmen. Tief atmen und dankbar sein. Dankbar für all das, was du um dich erleben darfst.

In tiefer Liebe und Verbundenheit.

Zukunft – Future

ENGLISH

(German below / Deutsch unterhalb)

Future. Was that the future? An entity. An idea. A desire. A fear. A false right. A visualization. The future is nothing because it is not there yet. The future is in our head. There will be only the present moment. I had to come across such a simple and obvious explanation. Depression persists when a man remains in the past and panic / anxiety persists when a man lives permanently in the future. That applied to me very much for a while. Our enviromeenv and society is a supportive system for this. Deadlines and deadlines in school, in the future, goals are fixed in a combat system in the future. I have heared from children, and also talked to people my age that rhey came across panic in their day to day life. I myself also experienced a higher  pulse, sleepless nights and the sentence „I have to, I have to, I have to“. My friends who started their own business had certainty, pressure and deadlines. But I’ve heard less of sentences and fears from them. Reason doubt. But it was their decision to take her own dream in hand. Intrinsic and extrinsic motivation. How do I get it … future. I am now in the future that I had NOT in my head one year ago. Did I all have an idea of ​​the future? Fewer. Did others have an idea of ​​my future? Yes. I gave myself to it passively, listened to ideas and left myself. Passed the responsibility to someone else. But this is also easy to change, to lead life and my own leadership. The idea of ​​my future year of was the following: do your yoga teacher training and then you can do an internship in India for online marketing for three months. Then you can learn and learn how to market yourself as a yoga teacher. Don’t forget to take enough yoga photos in Rishikesh. And let yourself be photographed with the Babas – people want to see that. Everyone has to come to Rishikesh to learn yoga. “

I listened to this over and over again and always postponed the photos.  I don’t like photos at all. Being photographed while posing is absolutely not mine. A conversation with my friend Marta at the beginning of my yoga course  brought me some clarity. Because she asked me if it was really my wish to sit 8 hours in an office in front of the laptop after the yoga training. The answer was quickly found: no. And in general, yoga and marketing didn’t go together for me. Not for me personally. This whole yoga world unsettled and confused me more and more. It still does … almost a year later. In the meantime I got panic about the future. „What is expected of me now? What if I don’t want to teach? Don’t I come home empty-handed somehow?“ This whole trip to India was an open chapter for the first time. Except for the 2 months training and Thailand, nothing was planned. And that was and is so wonderful, because before that I was absolutely structured and organized. Just being able to float and get to know the magic of it was wonderful. I have not done an online marketing internship, I have not taken any yoga and baba photos and I cannot call myself a yoga teacher. I came as a student and I just started to learn. I want to learn forever and what I can share, I will share. My perspective, or rather my own opinion on many things, could only form on site and with enough time. Today I would not recommend my way of training. I don’t want to rate the concept or speak badly, but my opinion will differ from a recommendation. It has been a wonderful two months and we have learned a lot and everyone has the same and still differenr experience. Chose for yourself.

Only the physical practice in yoga is no child’s play and it is very responsible to pass it on. I don’t need to start with all the other parts of this practice. Many people complete the training and have never physically experienced this practice. And that doesn’t matter, because the theoretical part is so much bigger than physical practice. However, physical practice has the greatest presence in our world. After almost a year I’m confused and yet so clear. „When you go back do you work as a yoga teacher?“ I was asked. I subconsciously always had this claim on myself and at the same time I blamed myself if I did not meet my own demands. I enjoyed and still enjoy going to other teachers‘ classes. And then I notice again and again how much there is to learn and that I maybe just want to learn and swim in this field. Don’t make an appeal from something I can’t grasp. The future is big and maybe someday it will feel right. My point is that only the permanent moment can be designed. If you have a goal, it is of course not possible to achieve it now, but you can now take the first step. The other question is whether your goal will really come about at some point. Probably not. But the way you walk or walk will show you miracles. I personally am so happy that life gave me certain encounters, so I traveled to India for the reason „yoga“. A book with empty pages has been filled and I can already read from this book.

Live from day to day. A concept that is very dominant here in India. Simply because there is often no other way. The „struggle“ for daily food and survival. There is no great savings. There is no social security. If you are not working then nobody will help you. Life is more functional, less accumulation of things. It is hand washed. It is rinsed by hand. There is fire on the street when it is cold. Children work after school and sell flowers. Dogs run around with bloody wounds. People sleep on the street. Mothers with children in their arms knock on the car window. Little girls with a baby in their arms stretch out their arms and beg. Men in orange robes appear sacred and ask for money. Some people have no reason to think about the future. Because only the moment counts to survive.

India is stirring up. I was allowed to see and get to know some pages and of so many I have no idea at all. There has been an understanding with which I want to come back. These months were like an internship. I can adapt well, immerse myself in culture with everything I have. North and South are so different. Each state has its own language, so communication within India is also a challenge. Views, religions, roles, understanding … so different everywhere. When I think about it and feel the last few months it gets wild in my heart, my throat is tied up and I have tears in my eyes. What happened? How could life fit like that? Will all of this ever feel real? Was that my future?

I have a clear answer: my head had ideas for a future. My heart knew it was going to be a jump into the wild ocean of life. My lifebuoy is my intuition. And it didn’t give a damn where I was. The most beautiful beach felt damn lonely if you had experienced strange things before. „Happiness is only when you share it“, a sentence from „Into the Wild“, came to my mind again and again. I had deliberately chosen to travel alone and will do it again and again, but it can be challenging at some points. Sometimes you feel chewed and spit out and don’t quite know the meaning. That’s why I say it doesn’t matter where you are. It depends on the connections, the people, your own knowledge and experience. How many temples I left out, although they were recommended to me. And in how many moments in an „insignificant“ place, I had goosebumps and inspiration of a different kind.

To have a task. Realize the reason why you do something. Live for something. I have become very aware of this message again. Stay on the ball with something and still find your balance. From one extreme to the other extreme. Now it’s time to get back into balance and combine the two opposites. Return. Serve life. Serve others.

Future.

What is your future Do you live the future that you envisioned a year ago?

What things do you worry about every day?

What are you waiting for in the future to start your journey? Are you aware that there is only the current moment and that this is not just a phrase? There will never be a perfect moment. When was the last time you closed your eyes for a moment and just listened to your heartbeat? Your heart cannot beat in the future. It only strikes at that moment. You also cannot „pre-breathe“. Your breath only happens at this moment. Be aware of that. Your body is living proof of life in that eye-sight. What confuses us is our mind. If everything „grows over your head“ (what a beautiful picture) then close your eyes. Breathe in and out deeply through your nose and make yourself aware that you are here now and nothing but nothing about the past or future can change. Yes, we have obligations, tasks and also some things to do. I don’t want to deny that. It is not without reason that we Germans are said to be hardworking, reliable, serious and structured. Our life is regulated in very strict procedures. It is made very difficult for us to take some things lightly. My personal example of this was the opening of our café in Rishikesh. It took us a month, Sach had to make a single registration and we could open it. No hygiene controls or regulations for toilets. We did not have to take out a loan and were able to finance all purchases. Our purchases were of course comparatively cheaper in India, but since we kept it very simple, it would not have been a financial challenge in Germany either. The bureaucratic and official part is.

No matter where you are on this planet – there are different challenges and certainly no better or worse. And no matter where we are, we are responsible and also in the power for our own feelings. Your own reaction to the outside creates suffering or joy. The situation will not change no matter how much you complain or look for the reason and responsibility elsewhere. You create your reality. This is also not an empty phrase. The calmer we become inside, the less we react short of breath outside. And this includes not only exaggerated displeasure, but also exaggerated joy. This does not mean that we cannot be happy. But as soon as we identify ourselves intensely with something and „shoot out“ our energy, so to speak, the energy is no longer with us. We are out of balance. Balance is the key to our ability to observe. Not to be rated. Not to be judged. Not identifiable. Nothing to take personally. To be easy to breathe. What has passed no longer needs to confuse you. And that which was not yet need not concern you See what you can do here and now.

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ZUKUNFT

Zukunft. Was ist die Zukunft? Ein Gebilde. Eine Idee. Ein Wunsch. Eine Angst. Eine Befürchtung. Eine Visualisierung. Die Zukunft ist Nichts, denn sie ist noch nicht da. Die Zukunft findet in unserem Kopf statt. Es wird sie niemals geben. Nur den jetzigen Moment. Irgendwann begegnete mir eine so simple und einleuchtende Erklärung. Depression bleibt, wenn man in der Vergangenheit verharrt und Panik/Angstzustände bleiben, wenn man permanent in der Zukunft lebt. Das traf für mich auf jeden Fall zu. Nun sind die äußeren Umstände in unserer Welt aber eben auch sehr unterstützend für diese Tendenzen. Fristen und Abgaben in Schule, Uni oder auf der Arbeit sind in einem ausgedachten System in der Zukunft gefestigt. Ich habe mit Kindern, Jugendlichen und auch Menschen in meinem Alter gesprochen, die tatsächlich mit Panik zu tun hatten aufgrund von Abgaben und dem künstlich erzeugten Druck. Ich selbst erinnere mich auch noch an meinen ständig erhöhten Puls, schlaflose Nächte und den Satz „ich muss, ich muss, ich muss“. Meine Freunde, die sich selbstständig gemacht haben, hatten mit Sicherheit riesigen Druck und Fristen. Aber von denen habe ich solche Sätze und Ängste weniger gehört. Natürlich Zweifel. Aber es war ihre Entscheidung den eigenen Traum in die Hand zu nehmen. Intrinsische und extrinsische Motivation…wenn man verliebt ist und stundenlang telefoniert kann man schließlich auch mit nur zwei Stunden Schlaf umgehen und ist trotzdem noch super fit am nächsten Tag. Wie komme ich darauf…Zukunft. Ich befinde mich derzeit in der Zukunft, die ich letztes Jahr NICHT in meinem Kopf hatte. Hatte ich überhaupt eine Idee von der Zukunft? Weniger. Hatten andere eine Idee von meiner Zukunft? Ja. Ich habe mich passiv dem hingegeben und mir Ideen angehört und mich verlassen. Vielleicht Verantwortung abgegeben. Vielleicht aber auch einfach vertraut, dem Leben und meiner eigenen Führung vertraut. Die Idee letztes Jahr war nämlich Folgende: Mach deine Yoga-Lehrer-Ausbildung („500h dann hast du alles erledigt“) und dann kannst du für drei Monate ein Praktikum in Indien machen für Online-Marketing. Dann kannst du umsonst lernen und dich danach super als Yoga-Lehrerin vermarkten. Vergiss nicht genug Yoga-Fotos in Rishikesh zu machen. Und lass dich auch mit den Babas fotografieren- das wollen die Leute sehen. Schließlich kommen alle nach Rishikesh um Yoga zu lernen.“

Ich hörte mir das immer wieder an und schob die Fotos immer vor mir her. Ich mag überhaupt gar keine Fotos. Fotografiert werden und dabei posen ist absolut nicht meins. Ein Gespräch mit meiner Freundin Marta zu Beginn der Ausbildung brachte mir ein wenig Klarheit. Denn sie fragte mich, ob es wirklich mein Wunsch ist 8 Stunden in einem Büro vor dem Laptop zu hocken nach der Yoga-Ausbildung. Die Antwort war schnell gefunden: Nein. Und generell passte für mich Yoga und Marketing nicht zusammen. Nicht für mich persönlich. Diese ganze Yoga-Welt verunsicherte und verwirrte mich immer mehr. Tut sie noch immer…fast ein Jahr später. Zwischendurch habe ich Panik bekommen aufgrund der Zukunft. „Was wird von mir jetzt erwartet? Was ist, wenn ich nicht unterrichten möchte? Komme ich nicht irgendwie mit leeren Händen nach Hause?.“ Diese ganze Reise in Indien war zum ersten Mal ein offenes Kapitel. Bis auf die 2 Monate Ausbildung und Thailand war nichts geplant. Und das war und ist so wunderschön ,denn zuvor war ich absolut durchstrukturiert und organisiert. Einfach treiben zu können und die Magie dessen kennen zu lernen war wundervoll. Ich habe kein Online-Marketing Praktikum gemacht, keine Yoga und Baba Fotos gemacht und kann mich auch nicht als Yoga-Lehrerin bezeichnen. Ich bin als Schülerin gekommen und habe erst begonnen zu lernen. Für immer möchte ich lernen und was ich teilen kann, dass werde ich teilen. Meine Perspektive oder eher gesagt meine eigene Meinung zu vielen Dingen konnte sich erst vor Ort und mit genug Zeit formen. Heute würde ich meinen Weg der Ausbildung nicht empfehlen. Ich möchte das Konzept nicht bewerten oder schlecht reden aber meine Meinung wird von einer Empfehlung abweichen. Es waren wundervolle zwei Monate und wir haben viel gelernt und diese Erfahrung ist auch jedem gegönnt. Nur ist die physische Praxis im Yoga kein Kinderspiel und diese weiter zu geben ist sehr verantwortungsvoll. Von all den anderen Teilen dieser Praxis brauche ich gar nicht erst anzufangen. Viele Menschen machen die Ausbildung und haben selber physisch noch nie diese Praxis erlebt. Und das macht nichts, denn der theoretische Teil ist so viel größer wie die körperliche Praxis. Dennoch hat die körperliche Praxis die größte Präsenz in unserer Welt. Nach beinahe einem Jahr bin ich verwirrt und doch so klar. „Wenn du zurück gehst arbeitest du dann als Yoga-Lehrerin?“, wurde ich gefragt. Unterbewusst hatte ich immer wieder diesen Anspruch an mich und habe mir gleichzeitig Vorwürfe gemacht, wenn ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde. Ich genoss und genieße es nach wie vor in Stunden anderer Lehrer zu gehen. Und dann merke ich immer wieder wie viel es zu Lernen gibt und das ich vielleicht einfach nur lernen und in diesem Feld schwimmen möchte. Keine Berufung aus etwas machen, was ich gar nicht greifen kann. Die Zukunft ist groß und vielleicht wird es sich irgendwann richtig anfühlen. Mein Punkt ist, dass nur der permanente Moment gestaltbar ist. Hast du ein Ziel, dann ist dieses natürlich nicht Jetzt zu erreichen aber du kannst Jetzt den ersten Schritt tun. Ob dein Ziel dann irgendwann wirklich so eintritt ist die andere Frage. Wahrscheinlich nicht. Aber der Weg, den du gehst oder gegangen bist wird dir Wunder aufzeigen. Ich persönlich bin so glücklich, dass mir das Leben bestimmte Begegnungen geschenkt hat, sodass ich mit dem Grund „Yoga“ nach Indien gereist bin. Ein Buch mit leeren Seiten wurde befüllt und bereits jetzt kann ich aus diesem Buch vorlesen.

Von Tag zu Tag leben. Ein Konzept, dass hier in Indien sehr dominiert. Ganz einfach, weil es nicht anders geht oftmals. Der „Kampf“ ums tägliche Essen und Überleben. Es kann nicht großartig gespart werden. Es gibt keine soziale Absicherung. Wenn du nicht arbeitest dann hilft dir keiner. Das Leben ist mehr funktional, weniger Ansammlung von Dingen. Es wird von Hand gewaschen. Es wird von Hand gespült. Es wird Feuer auf der Straße gemacht, wenn es kalt ist. Kinder arbeiten nach der Schule und verkaufen Blumen. Hunde laufen umher mit blutigen Wunden. Menschen schlafen auf der Straße. Mütter mit Kindern auf dem Arm klopfen an das Autofenster. Kleine Mädchen mit einem Baby auf dem Arm strecken ihren Arm aus und betteln. Männer in orangenen Roben erscheinen heilig und fragen nach Geld. Manche Menschen haben gar keinen Grund über die Zukunft nach zu denken. Denn es zählt einzig und alleine der Moment um zu überleben.

Indien wühlt auf. Einige Seiten durfte ich sehen und kennen lernen und von so vielen habe ich überhaupt keine Idee. Es hat sich ein Verständnis ergeben mit dem ich wieder kommen möchte. Diese Monate waren wie ein Praktikum. Anpassen kann ich mich gut, in die Kultur eintauchen mit allem was ich habe. Norden und Süden unterscheiden sich so sehr. Jeder Staat hat eine eigene Sprache und so ist die Kommunikation innerhalb Indiens auch eine Herausforderung. Ansichten, Religionen, Rollen, Verständnis … überall so unterschiedlich. Wenn ich so darüber nachdenke und die letzten Monate fühle dann wird es wild in meinem Herzen, mein Hals schnürt sich zu und ich habe Tränen in den Augen. Was ist geschehen? Wie konnte das Leben sich so fügen? Wird sich all das jemals real anfühlen? War das meine Zukunft?

Eine klare Antwort habe ich: Mein Kopf hatte Ideen einer Zukunft. Mein Herz wusste, dass es ein Sprung in den wilden Ozean des Lebens wird. Mein Rettungsring sei einzig und allein meine Intuition. Und es war verdammt noch mal so egal wo ich war. Der schönste Strand fühlte sich verdammt einsam an, wenn man vorher komische Sachen erlebt hatte. „Glück ist nur wenn man es teilt“, ein Satz aus „Into the Wild“, kam mir immer wieder in den Kopf. Das alleine Reisen hatte ich mir bewusst ausgesucht und werde es auch immer wieder tun, doch kann es eben an manchen Punkten herausfordernd sein. Manchmal fühlt man sich zerkaut und ausgespuckt und weiß nicht so ganz den Sinn. Deswegen sage ich, es ist verdammt nochmal so egal wo man ist. Es kommt auf die Verbindungen, die Menschen an, die eigenen Erkenntnisse und Erleben an. Wie viele Tempel habe ich ausgelassen, obwohl sie mir empfohlen wurden. Und in wie vielen Momenten an einem „unbedeutendem“ Ort, hatte ich Gänsehaut und Eingebungen anderer Art.

Eine Aufgabe haben. Den Sinn erkennen warum man etwas tut. Für etwas leben. Diese Botschaft ist mir noch mal ganz bewusst geworden. Am Ball bleiben mit etwas und trotzdem die Balance finden. Von einem Extrem ins andere Extrem. Nun ist es Zeit wieder ins Gleichgewicht zu komme und beide Gegensätze miteinander zu verbinden. Zurückzugeben. Dem Leben dienen. Anderen dienen.

Zukunft.

Was ist deine Zukunft? Lebst du die Zukunft, die du dir vor einem Jahr ausgemalt hast?

Über welche Dinge zerbrichst du dir jeden Tag den Kopf?

Auf was wartest du in der Zukunft um deinen Weg zu beginnen? Bist du dir bewusst, dass es immer nur den jetzigen Moment gibt und dies keine Floskel ist? Es wird niemals einen perfekten Moment geben. Wann hast du das letzte Mal für einen Augenblick deine Augen geschlossen und nur deinem Herzschlag gelauscht? Dein Herz kann nicht zukünftig schlagen. Es schlägt immer nur in diesem Moment. Du kannst auch nicht „vor“- atmen. Dein Atem geschieht immer nur in diesem Moment. Mach dir das bewusst. Dein Körper ist der lebende Beweis für das Leben in diesem Augen-Blick. Das was uns verwirrt ist unser Verstand. Wenn dir alles „über den Kopf wächst“ (was für ein wunderschönes Bild) dann schließ deine Augen. Atme tief durch die Nase ein und wieder aus und mach dir bewusst, dass du jetzt hier bist und nichts aber auch gar nichts an der Vergangenheit oder Zukunft ändern kannst. Ja wir haben Verpflichtungen, Aufgaben und auch einiges zu erledigen. Das möchte ich nicht bestreiten. Uns Deutschen wird nicht ohne Grund nachgesagt, dass wir fleißig, zuverlässig, ernst und strukturiert sind. Unser Leben ist in sehr strikten Abläufen geregelt. Es wird uns sehr schwer gemacht einiges leicht zu nehmen. Mein persönliches Beispiel hierfür war die Eröffnung unseres Cafés in Rishikesh. Es hat uns einen Monat Zeit gekostet, Sach musste eine einzige Anmeldung machen und schwups konnten wir eröffnen. Keine Hygiene-Kontrollen oder Vorschriften für Toiletten. Wir mussten keinen Kredit aufnehmen und konnten alle Anschaffungen finanzieren. Unsere Anschaffungen waren vergleichsweise natürlich günstiger in Indien aber das wir es sehr simpel gehalten haben wäre es auch in Deutschland keine finanzielle Herausforderung gewesen. Der bürokratische und offizielle Teil schon.

Egal wo man sich auf diesem Planeten befindet – es gibt unterschiedliche Herausforderungen und bestimmt kein besser oder schlechter. Und egal wo wir sind, sind wir verantwortlich und auch in der Kraft für unser eigenes Empfinden. Deine eigene Reaktion auf das Außen kreiert Leiden oder Freude. Die Situation wird sich nicht ändern, egal wie viel du dich beschwerst oder den Grund und die Verantwortung woanders suchst. Du kreierst deine Realität. Auch das ist keine Floskel. Umso ruhiger wir im Innen werden, umso weniger reagieren wir kurzatmig im Außen. Und hierzu zählt nicht nur übertriebener Missmut, auch übertriebene Freude. Das heißt nicht, dass wir uns nicht freuen dürfen. Aber sobald wir uns super intensiv mit etwas identifizieren und unsere Energie sozusagen „heraus schießen“ ist die Energie nicht mehr bei uns. Wir sind außer Balance. Balance ist der Schlüssel zu unserer Fähigkeit beobachten zu können. Nicht zu bewerten. Nicht zu urteilen. Nicht zu identifizieren. Nichts persönlich zu nehmen. Einfach zu sein und zu atmen. Das was vergangen ist braucht dich nicht mehr zu verwirren. Und das was noch nicht war braucht dich nicht zu beschäftigen. Schau was du jetzt und hier machen kannst.

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