Let me breath.

-As soon as I feel you – you are gone.
As soon as I realise you – you are fading away.
I try to hold you, touch and keep you – but I fail.
Do I fail or is this reality? Is this your reality? You show me – there is only one moment of truth and this moment is now. How can I hold, touch and keep NOW? Let me surrender myself to this moment. Let me be this moment. You are the truth. Every where I see you ,the truth, but how can you be constant. How can you exist longer than NOW?
Let me breath so I am now. No words are needed to breath. No thoughts are needed to breath. Breathing is this present moment. So to be present I don´t need words and thoughts. So tell me : My inner truth- it is all these moments where I don´t need words or thoughts? The louder they are the less I am in my truth? So let me breath and find my truth within.-

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Eine wunderschöne Version.

Fliegender Quinoa und der Bullet-Mann.

Om Namo Bhagavate Vasudevay

Dieses Mantra ist ein Mukti/Moksha Mantra. Es soll jenen von Samsara befreien. Sanskaras sind unsere tief verankerten Erfahrungen im Unterbewusstsein. Die Sanskara Theorie ist das Fundament der Karma-Philosophy. Unsere Samsaras nehmen wir von vorigen Leben mit. Erinnerungen können diese „Eindrücke“ wieder hervor holen. Wer frei von seinen Sanskaras ist entkommt dem Kreislauf von Tod und Reinkarnation (Samsara).

Hört euch dieses wunderbar interpretierte Mantra an und vergesst für einen Augenblick alles um euch herum.

https://www.youtube.com/watch?v=C8nvFfjx3yk

 

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Auf unserem Weg nach Kedarnath haben Sach und ich dieses Mantra jeden Abend gehört und es gesungen. Immer wenn ich es nun anmache denke ich an diese zeitlose Reise in die Berge. Damit habe ich wohl wieder ein Samsara geformt. Sollte ich also in meinem nächsten Leben dieses Lied hören, wird mich mit Sicherheit eine nicht bestimmbare Ergriffenheit überkommen. Denn das sind Samsaras. Situationen, die wir uns nicht erklären können, Orte an denen wir noch nie waren und sie so vertraut scheinen, Begegnungen mit Fremden, die keine Fremden sind, Déja vus und all diese mit dem Verstand nicht erklärbaren Begebenheiten. Das ist meine Übersetzung für dieses absolut spannende Thema Samsara. Welch schöner Wort Klang. Als ich in einer Philosophie Stunde dazu unterrichten durfte war ich furchtbar glücklich aufgeregt und habe bemerkt wie toll es sein kann zu lernen, wenn man sich Thema und Art aussuchen darf. Denn die Neugier zu Lernen ist in uns allen und wird leider sehr früh ab Schulalter eingeschränkt. Man darf nicht mehr aussuchen, was man wie und wo lernen möchte und wird zum kleinen Wiederkäuer. Die natürliche Neugierde wird gekappt und auch der frei denkende Geist. Ich kann nur von mir sprechen und möchte es keineswegs verallgemeinern. Jedenfalls merke ich inzwischen, dass mein freier und kreativer Geist ziemlich eingerostet ist. 14 Jahre Schule um das Abitur zu erreichen, dann mit kleinem Umweg nach sechs weiteren Jahren mein Bachelor Abschluss. Immer mit der Technik: Abliefern. Strategie 0815 um am Ziel xy anzukommen. Was geschieht jedoch wenn es plötzlich kein Ziel xy gibt und die Strategie nicht mehr funktioniert? Was passiert, wenn da plötzlich niemand ist, der mir sagt, wie ich was zu lernen habe und mein Verhalten benotet? Wie weiß ich denn dann, ob das was ich mache überhaupt richtig ist? Hat es Sinn? Bin ich etwa selber in der Lage meinen Taten und Handlungen Sinn zu geben und bin ich auch in der Lage mich selber zu motivieren ohne ein direktes Ziel der Sicherheit zu sehen? Scheinbar ja. Aber ich habe es fast verlernt intrinsisch motiviert zu sein. Es ist tatsächlich eine Herausforderung und bedeutet auch ein wenig Anstrengung. Eine absolut gute Anstrengung, denn nach und nach bröckelt der Beton und ich kann anfangen über die Mauer hinaus zu schauen, Interessen und Fähigkeiten wieder zu entdecken, die ein wenig versteckt lagen.

-Intro Ende-

 

Dienstag Morgen. Eine saftige Mango in meinen Händen stehe ich verträumt in meiner kleinen Küchenzeile und denke über das Thema Grenzen setzen nach. Während ich die Mango schäle und mich auf ein leckeres Frühstück freue geschieht plötzlich etwas, was ich nicht einordnen kann. Es erinnerte mich direkt an die Situation vor ziemlich genau fünf Jahren in meiner alten WG. Da löste ich versehentlich den Feuerlöscher aus und alles war in blauen Rauch gehüllt. Diesmal war der Rauch jedoch heiß und bespuckte mich mit Kügelchen. Gleichzeitig sah ich die Flamme meines Gaskochers auflodern. Irgendwie schaffte ich es das Gas abzudrehen und den überschäumenden und wütenden Schnellkochtopf in die Spüle zu schmeißen. Ich wischte mein Gesicht an meinem Arm ab und schaute mich an -und um. Mein schwarzes Oberteil war mit Quinoa Kügelchen besprenkelt und bei meiner 180 Grad Drehung bemerkte ich, dass mein gesamtes Zimmer mit Quinoa bespritzt war. Selbst die gegenüberliegende Wand war nun mit einer 3D Musterung verziert. Mein Bett, Laptop, Bücher, Boden…alles. Da ich nun schon 27 Jahre mit dieser schusseligen Person Sina verbracht habe blieb mein Blutdruck gleich. Ich atmete entspannt ein und aus und dachte mir :“Gut dann ist es wohl Zeit gründlich zu putzen.“ Irgendwie hatte ich den Zeitpunkt verpasst die Hitze zu drosseln. Das wenige Wasser im Schnellkochtopf war verbraucht und somit spuckte der dann den Inhalt durch die winzige Öffnung aus. Da die Munition klein genug war, konnte mit Quinoa geschossen werden.

„Selbst wenn die Flamme niedrig lodert -ist der Druck irgendwann zu groß, wenn man sich keine Luft macht. Dann kann man schonmal explodieren.“

Das ist meine heutige Deutung dieser Situation und ich kann sie bestens annehmen und unterschreiben. Lieber jeden Druck kommunizieren und sich Luft machen. Anstauen und in sich „hinein fressen“ tut nicht gut. Das machen wir alle viel zu gerne anstatt einfach sofort zu sagen, was das Gefühl schon längst weiß. Persönliche vergangene Situationen wie auch Situationen von Familie und Freunde zeigen das immer wieder. Manchmal ist Schweigen Gold aber manchmal darf man auch sagen, was einen unruhig macht. Was sich danach eröffnet ist an Tiefe und Größe oft nicht zu übertreffen.

Seit über einer Woche wohne ich nun bei Anita und bin immer noch so zufrieden. Meine unmittelbaren Nachbarn sind so lieb und mit dem „Bullet-Mann“ habe ich wieder einmal einen kurzweiligen Guru kennen gelernt. Den Begriff „Guru“ fand ich bis vor kurzem noch sehr hoch gestochen und überheblich. Inzwischen ist mein Empfinden anders. Guru bezeichnet eine Person von der man lernen kann und möchte. Jedes Lebewesen kann ein Guru sein. Seit ich Indien bin sind mir eine Hand voll Menschen begegnet, die mir auf ihre jeweilige Art und Weise so viel vermittelt haben. Viele GuruJis hier und da:) Anita nennt ihn „Bullet-Man“, weil er eine Royal-Enfield-Bullet fährt.

„Ursprünglich war die Royal Enfield Bullet ein britisches Einzylinder-Viertakt-Überkopfventil-Motorrad. Hergestellt von Royal Enfield in Worcestershire. Inzwischen wird sie in Indien selbst (Chennai, Tamil Nadu) hergestellt.“ (Ich habe mich kurz bei Wikipedia belesen. Für alle Motorrad-Fans. Ich denke diesbezüglich wird die Auskunft durchschnittlich wahr sein haha.)

Die sind auf jeden Fall sehr laut und groß. Der Bullet-Mann ist auch groß aber nicht laut. Ein sehr ruhiger Charakter, der aus Süd-Afrika kommt. Jedoch lebt er seit 1992 in Indien. Eindrucksvoll. 26 Jahre schon verbringt er hier und in all den umliegenden Ländern, wenn er ausreisen muss aufgrund seines Visa. Mein Kopf möchte immer direkt wissen, wie Menschen das hinbekommen zu reisen und keinen festen Arbeitsplatz haben. Heutzutage sind ja viele auf YouTube, Instagram oder sonst wie unterwegs und verdienen „online“ ihr Geld. Die offline Wege sind für mich persönlich griffiger. Ich weiß nicht, ob er namentlich genannt werden möchte deswegen bleibe ich einfach bei BM (Bullet-Man) .

BM erzählte mir von plötzlich aufgetretenen Atemproblemen und das er nie Asthma hatte und jetzt etwas überfordert mit der Situation ist. Ich erzählte ihm ein wenig von mir und das mich das mein Leben lang begleitet. Wir lebten die letzte Woche so aneinander vorbei. Vor drei Tagen sah ich ihn dann wieder und fragte ihn, ob er nicht Lust hat am nächsten Tag gemeinsam essen zu gehen bevor er sich auf den Weg nach Nepal macht. Die Verabredung stand. Nachts um zwei wurde ich durch eine Stimme und die Worte „Sorry…..panic….can not breath“ wach. Es klopfte gleichzeitig sanft an meiner Tür. Es war BM. Er stand bei mir auf dem Balkon und hatte eine Panik Attacke. Schlaftrunken suchte ich meine Anziehsachen und stolperte aus meinem Zimmer. Vor mir stand dieser große, starke Mann, der eine super Besetzung für einen Piraten- oder Räuber-Film abgeben würde, mit verängstigten Augen und absolut hilflos. Er entschuldigte sich eingehend dafür mich zu wecken aber erklärte auch, dass er nicht wisse was zu tun ist und er mit dieser Panik und dem nicht atmen, nicht umgehen kann. Wir setzten uns und ich erzählte ihm von meiner Kindheit. Wenn ich Nachts nicht atmen konnte dann nahm mich mein Papa und setzte sich mit mir auf den Balkon. Eingekuschelt auf Papas Schoß und in seinen starken Armen war es nur noch halb so schlimm. Wir schauten die Sterne an und er blieb so lange mit mir an der frischen Luft bis sich mein Atem wieder beruhigte. Danke Papa.

Nun saß BM nicht auf meinem Schoß aber das Gespräch lenkte ihn ab und er konnte das Gefühl der Panik gehen lassen. Wir verglichen unsere Asthma Pumpen und gingen alle möglichen Auslöser durch. Irgendwann ging es dann und er bedankte sich und ging zurück in sein Zimmer.

Gestern Abend gingen wir essen. Erst fuhren wir 20 Minuten mit dem großen Motorrad durch die sternenklare Nacht. Dieses Gefühl hinten auf dem Motorrad, die kühle Luft im Gesicht und dann diese Natur drumherum- ein Traum. Wir unterhielten uns über so viele Themen und die Parallelen waren so angenehm. Ich lauschte gebannt seinen Geschichten und es war erfrischend angenehm seinen Blick auf Indien zu hören. Schließlich kennt er den Westen, hat auch in Europa gelebt, und nun eben schon einige Zeit in Indien. Er brach viele Themen in einer herrlich nüchternen Art aufs Wesentliche herunter und ich fühlte mich in manchen Beobachtungen angenehm bestätigt. Er gab mir viele Tipps und Ideen für Indien und vor allem für das Leben. BM hat seine Schule mit 15 abgebrochen und musste vors Gericht. Dort erläuterte er ganz simpel, dass er inzwischen weiß, dass 1+1= 2 ergibt und das er gerne entscheiden würde was er lernen kann. Er erwähnte, dass die Bibliothek voll mit Büchern sei und sie in der Schule nichts neues lernen würde. Er habe genug davon und sein Wissensdurst wird dort nicht befriedigt. Polizei wie auch Richter stimmten dem 15 jährigen zu aber sagten „Das sind die Gesetze. Das ist das System.“ Er durfte sich eine andere Schule aussuchen und machte dort sein Abitur. Danach schwor er sich er würde keinen weiteren Abschluss machen. Er lernte alles was ihn interessierte. Er lebte und arbeitete in Kanada und Schottland und landete dann in Indien. BM hat immer Geld verdient und das mit den verschiedensten Sachen. Dieser Mann hat einen beeindruckenden Wissensschatz zu den unterschiedlichsten Themen und kann alles so verständlich erklären. Eine sehr inspirierende Begegnung für mich. Damit möchte ich Schule und Studium nicht vergleichend abwerten. Generell ist es nie meine Intention zu bewerten. Interessant sind für mich die Wege von Menschen, die so anders sind zu dem mir Bekannten.

Heute morgen um halb fünf klopfte es dann wieder. Diesmal war ich schneller wach und wusste sofort was los war. BM hatte kein Auge zu getan und das obwohl wir bis 0:30 draußen gesessen hatten und quatschten bis uns beiden fast die Augen zu fielen. Sein Kopf spielt ihm Streiche. Er bekommt Panik und dann kommt die Atemnot. Also saßen wir hier und beobachteten diesen klaren Sternenhimmel, die strahlende Sichel des Mondes und die langsam aufgehende Sonne. Von der einen Sekunde auf die andere war es Tag. Faszinierend wie schnell sich das Bild ändern kann. Alles erwachte langsam und wir gingen beide noch einmal ins Bett um viertel vor sechs. Ich lag mit geöffneten Fenstern im Bett und genoss den frischen Wind und die Musik, die von weit weg her ertönte. Hier ist es einfach nie still. Seit sechs Tagen geht ein Fest vor sich und den kompletten Tag wird gesungen und das mit Mikrofon verstärkt. Ich wundere mich immer mit welcher Ausdauer der gute Mann am Mikrofon am chanten, singen und sprechen ist. Von morgens sechs bis abends geht es da in dem Zelt rund. Indien ist einfach anders was Lautstärke angeht. Da die Babys überall mit hin genommen werden OHNE Hörschutz wachsen sie natürlich ganz anders auf. Entweder alle sind einfach ein bisschen taub oder das Empfinden ist angepasst. Für uns ist es auf jeden Fall zu laut und auch oft zu viel auf einmal. Vor ein paar Tagen war ich mit Ishan bei der abendlichen Aarti Veranstaltung. Mutter Ganges wird geehrt und eine bestimmte Zeremonie wird abgehalten mit Live-Musik. Wunderschön. Und sehr laut. Direkt neben dem Verstärker die kleinen Kinder. Teilweise schlafend. Beeindruckend und eben auch erklärend für die verschiedenen Auffassungen von Lautstärke.

 

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Was macht eigentlich das Café?

Ja stimmt- wer aufmerksam mitgelesen hat- eigentlich stand ja dann eine Yoga-Schule bei Sach an. Der Plan wurde kurzerhand gekappt. Der Vermieter hatte sich dann doch umentschieden und Sach musste sich wieder neu ausrichten. Also sind wir Sonntag erstmal ab in die Natur gedüst. Ein bisschen Grün, ein bisschen bewegen, im Wasserfall schwimmen und mal ein wenig Balance finden. Er ist zu viel Luft, ich hab zu viel Feuer … zwei komplett verschiedene Mentalitäten und Herangehensweisen. So schnell wie er neue Ideen hat und seine Vorhaben ändert- kann ich gar nicht mit kommen. Und es macht mich auch bekloppt. Deswegen ist es gut, dass ich mich da zurück genommen habe. Nach wie vor steht mein Angebot und ich helfe wo ich kann aber meine Rolle ist sehr passiv geworden und das fühlt sich gut an. Heute sind wir zum Markt gefahren und haben einen Tisch, eine Schublade und zehn Kissen abgeholt. Alles auf einem Motorrad. Geht alles 😀 Also derzeit sieht es so aus, dass er das Café aufmacht und dann einfach guckt wie es läuft. Ich helfe mit wo es geht aber habe auch meine anstehenden Pläne kommuniziert. Jetzt sieht es so aus, dass ich gerne in drei Wochen weiter reisen möchte. Aber wenn ich eins immer wieder merke : Pläne machen hier einfach keinen Sinn und Spaß. Ich setz meine Intention in diese Richtung aber bin offen für alles, was mir begegnen wird.

 

Namaste.

Der Schrei des Affen.

„Der Affe ist das Tier der Leichtigkeit, des Übermuts und der Geradlinigkeit.Diese Eigenschaften sind vor allem im sozialen Kontext wesentlich, denn viele menschlichen Dramen werden gerade dadurch entschärft. Alle Personen, die in unser Leben treten, sind Spiegelbilder unserer inneren Wünsche, Sehnsüchte als auch Schatten. Der Affe zeigt Dir auf, wo Du zu rigide oder feststeckend bist. Es gilt wieder den Moment und das JETZT zu leben und das Leben als Theaterbühne zu sehen. Erst wenn wir unser eigenes „Lebens-stück“ zu schreiben lernen, sind wir dabei mit Mut, Demut und Weisheit das Leben leicht zu nehmen.“

(https://www.wirkendekraft.at/Krafttier_Affe/)

Tauziehen mit einem Affen um einen 5KG-Sack Reis – so begann mein Samstag vor zwei Wochen. Er schrie mich an und stopfte sich so schnell es ging noch den trockenen Reis in den Mund. Na immerhin war es Vollkorn-Reis. Sharing is caring. Überall flog der Reis umher und es fühlte sich wie in den letzten Tagen alles zu viel und zu schwer an. Die kurze Leichtigkeit durch diese kuriose Situation war ebenso schnell verflogen, wie sie aufgetaucht war.

Etwas später am Tag sollte er mir wieder begegnen. Der Wind wehte durch das Fenster und der Vorhang bewegte sich in meine Richtung. Doch etwas anderes bewegte sich ebenso. Ich spinkste hinter den Vorhang und schreckte zurück. Dieser riesige Affe saß im geöffneten Fenster (Schiebefenster) und war dabei einzusteigen. Mein Fluchtinstinkt ließ mich weg stolpern. Doch dann wurde mir bewusst: Lasse ich den Affen herein und stelle mich nicht, dann wird es sehr viel schwieriger die Situation zu lösen. Wie bildlich diese Situation für mich stand wird mir erst jetzt bewusst. Ich schnappte mir den Besen, drehte mich um und schaute ihn böse an während ich wild mit dem Besen umher fuchtelte. Der Affe rückte ab und schrie mich förmlich an. Garstiger Affe.

 

Die dritte Woche begann. Gemeinsam in einem kleine Häuschen mit den täglichen Vorbereitungen um ein Café zu eröffnen. Eine Woche zu vor hatte ich diese Idee öffentlich geteilt, Blogeintrag und viele Menschen privat benachrichtigt. Den Tag darauf lag ich komplett flach mit einer intensiven Migräne. Eine Woche später war ich nach wie vor auf der Suche nach meiner Energie und Gelassenheit. Ich war gereizt, schlief nicht mehr richtig und wollte morgens nicht aufstehen. Ich war permanent genervt und stand dermaßen unter Strom. Komplett aus der Balance und das spiegelte sich vor allem in meinem Verhalten Sach gegenüber wieder. Aber ich dachte mir immer wieder „das ist normal. Die neue Situation ist einfach viel und herausfordernd.“ Jedoch hatte ich immer Tränen in den Augen, wenn ich mit Familie und Freunde schrieb und dieses Vorhaben rechtfertigte. Donnerstag dann kam der wichtige Tag.

Nachdem ich mich unten im Laden verkrochen hatte und zwei Telefonate führte, ordentlich weinen konnte und endlich aussprach was los war, begann ein neuer Abschnitt.

Ich suchte das Gespräch mit Sach und sprach aus, was endlich gesagt werden musste. Diese gesamte Idee war wundervoll aber nicht meine Idee und entsprach absolut nicht meinem Gefühl. Auch unsere Verbindung war für mich nicht das, was ich gedacht hatte. Die Betonung liegt auf „gedacht“, denn all meine Entscheidungen waren von meinem Denkzentrum gelenkt. Sach ist ein wunderbarer Mensch – ein Engel für mich aber ich habe nicht das Empfinden, was eine gemeinsame Zukunft als Paar benötigt. All diese Möglichkeiten auf einen Schlag kamen mir vor wie ein Zeichen – auf keinen Fall nein sagen. Nun in der Retroperspektive sehe ich ganz klar, dass mein Gefühl mir bei allen Entscheidungen eine Antwort gab – und dieses Gefühl bin ich permanent übergangen. Nun hatte ich furchtbare Angst mit ihm zu reden. Schließlich hat er den Vertrag abgeschlossen und ich fühlte mich verantwortlich. Gleichzeitig hielt ich es keine Sekunde länger mehr in diesem Haus aus, denn wie ich nun fühlte war auch die Energie des Hauses absolut nicht stimmig mit mir und ich fühlte mich nicht wohl. Weglaufen oder umdrehen und mein eigenes, inneres Haus beschützen? Ich ging hoch und brach in Tränen aus. Der Arme hatte sich das Zusammenwohnen wahrscheinlich auch etwas weniger dramatisch vorgestellt 😀

„Sach I am not happy.“ Und mit diesem Eingangssatz sprudelte alles aus mir heraus, was gesagt werden wollte. Das ich gar nicht für ein Jahr in Rishikesh bleiben möchte und das es alles tolle Möglichkeiten sind aber sich das derzeit und in dieser Konstellation nicht gut für mich anfühlt. Das ich alles mit dem Kopf gerechtfertigt habe und nicht die Sina bin, die ich eigentlich gerne bin und mich so nicht aushalte und auch einfach unfair ihm gegenüber bin mit meiner gereizten Art.

Ich blickte in zwei große braune, verständnisvolle Augen.

„No problem Sina, take your time and space. Do you want to move to another place and first get some peace and see what you want?“

Damit hatte ich nun nicht gerechnet. „But what is the worst case?“ War meine Frage und zielte ein wenig auf die 11 Monate Mietvertrag und eben auch damit verbundenen Kosten ab, die er ja dann alleine zu tragen hätte wobei ich mich im worst case da dann eben auch dran beteiligt hätte.

„There is no worst case.“

In meinem Kopf war die ganze Situation im Vorhinein dramatischer abgelaufen.

Aber es gab keine Auseinandersetzung, es gab keine Vorwürfe, keine Wut und keinen Ärger. Einzig und allein Verständnis und eine liebevolle Art. Verwirrt und erleichtert saß ich da. Die Entscheidung lag einzig und alleine bei mir. An diesem Tag fühlte es sich so unglaublich schwer an und ich fühlte mich unendlich verloren. In dieser Nacht schlief ich erstmals seit langem wieder durch und wie ein Baby. Der nächste Tag war gefüllt von neuer Kraft und Elan. Ich habe mich um eine neue Unterkunft gekümmert, mit Menschen gesprochen und immer mehr zu meinem Gefühl gefunden. Auf einmal war alles so klar. All die Situationen in denen ich „Ja“ gesagt habe und mein Bauch eigentlich was ganz anderes sagte. Denn der meldete sich auch in Form von Schmerzen. Nicht das erste Mal, dass mein Körper mir durch mein Bauchgefühl eine Mitteilung sendete. Diesmal hörte ich die Nachricht glücklicherweise nach 3 Wochen.

Was ist seit her geschehen? Ich wohne seit fünf Tagen in einer wunderbaren Unterkunft, die ich mir vor vier Wochen bereits angeschaut hatte und mein Herz ganz laut „Ja“ sagte. Immer noch in Rishikesh und noch in meinem gewohnten Umfeld. Ich wollte Sach bei allem unterstützen, was die Eröffnung anging. Gestern jedoch kam wieder einmal eine Wendung. Sach bestellte mich zu sich um mit mir zu reden. In meinem Kopf spielten sich sämtliche Szenarien ab. Die Realität sah dann aber ganz anders aus.

Die Yoga-Schule, in der er seine Ausbildung machte ist frei geworden. Der alte Mieter ist rausgeflogen und der Vermieter sucht nun einen neuen Mieter, der dieses Gebäude übernimmt. Sach wollte meine Meinung wissen, da er sehr gerne dieses Gebäude übernehmen würde. Es würde alles abdecken, was er langfristig für seine Projekte geplant hatte und die Idee einer Yoga-Schule hatte er schon seit einigen Monaten. Wir schauten uns das Gebäude an und hatten über den Dächern Rishikeshs eine Unterhaltung, die mir noch mehr Frieden gegeben hat. Die Idee des Cafés wird begraben und er wird das kleine Haus komplett vermieten und sich auf dieses Projekt konzentrieren. Ich musste schmunzeln und suchte nach Erklärungen und dem Sinn unserer 4-wöchigen Exkursion. Und irgendwie kristallisierte sich für mich heraus, dass wir beide enorm wichtig für unsere gegenseitige Entwicklung waren und sind. Zum einen hat Sach mich gebraucht um sich auf eine Sache zu konzentrieren. Er hat so viele Ideen und Pläne und es fällt ihm schwer sich auf eines zu konzentrieren. Das hat in Kombination mit mir sehr gut geklappt und vielleicht hätte er durch den Einzug in das kleine Haus niemals erfahren, dass die gegenüberliegende Schule frei wird. Wer weiß. Für mich war Sach enorm wichtig um noch einmal ganz deutlich zu fühlen, dass es keine bessere Wahrheit als das eigene Gefühl gibt. Das es auch nicht feige ist von einer Entscheidung Abstand zu nehmen, wenn sie absolut nicht mit dem Gefühl überein stimmt. Was auch immer der größere Sinn dieser Begegnung ist – ich bin unglaublich dankbar und erfüllt. Ich habe einen so großartigen Menschen kennen gelernt, bin über mich hinaus gewachsen, habe gelernt und bereue nichts.

 

Vielleicht kam genau deswegen der Affe in mein Leben. Um mir zu zeigen, dass diese Situation nicht so weiter gehen kann. Das es Einfallsreichtum, Flexibilität und Weiterschwingen bedarf um mein Potential zu spüren und zu leben.

Kaum bin ich in meiner neuen Unterkunft angekommen gab es hier jedoch einen Affenaufstand mit fünf Affen, die das Bücherregal geplündert-, meinen Schal geklaut, und einen Haufen hinterlassen haben. Viel Freude beim Deuten dieser Begegnung 😀

Ausblick – wie geht es weiter?

Meine Zeit in Rishikesh neigt sich dem Ende zu – das merke ich.

Jedoch werde ich voraussichtlich bis Mitte September noch hier bleiben und eben das tun, was ich die ganze Zeit machen wollte : Die Zeit nutzen für meine Ideen, Gedanken, Yoga, Sport, Kochen und Konzepte schreiben. Vielleicht werde ich bei einem Retreat unterrichten. In erster Linie möchte ich einfach eine kleine Weile haben um zu verfestigen, was sich vorher in den Schulen abgespielt hat. Es bedarf nämlich doch etwas mehr Disziplin selber täglich zu praktizieren und zu lernen als einem vorgefertigten Stundenplan zu folgen. Ich hab das ganze mal unter den Namen „Sina-Retreat“ gesetzt. Es gibt einige persönliche Themen mit denen ich mich auseinander setzen möchte und die ein wenig Zeit benötigen. Während ich diesen Themen Zeit und Raum gebe kann ich den Prozess wiederum für eigene Konzepte nutzen. Was kann man besser weiter geben als die eigenen Prozesse, Tiefen und Höhen?

Danach möchte ich gerne in den indischen Staat Himachal Pradesh. Dort befindet sich der Pilger Ort Dharamsala und meine Recherche hat einige schöne Stellen in der Gegend ergeben. Die Ruhe der Berge hat mich komplett in ihren Bann genommen und das möchte ich gerne noch etwas weiter erleben. Rishikesh ist magisch. Warum hab ich mich oft gefragt. Es gibt so Orte da kann man ganz leicht stecken bleiben. In Australien war es Byron Bay. Wieso und weshalb wusste keiner so genau. Manche Orte haben spezielle Frequenzen. Hier in Rishikesh fließt der wunderschöne Ganges am Fuße der Berge, die wie ein kleines Intro des Himalayas wirken. Wasser und Berge zusammen sind einfach beruhigend. Jedoch ist Rishikesh auch eine Touristen-Hochburg und der Yoga-Boom hat voll um sich geschlagen. Da nehme ich mich nicht heraus. Bin ja auch hier und genieße es. Aber es wird Zeit neues zu sehen, kennen zu lernen und zu erfahren.

Meine „Arbeit“ lasse ich trotz der Planänderung nicht außer Acht und lenke meine Aufmerksamkeit zunehmend auf die Möglichkeiten sie zu teilen und zu leben.

 

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Neumond- Neubeginn

Der Vorhang weht hin und her, der kühle Wind erreicht mich durch das geöffnete Fenster. Es donnert in weiter Ferne und mein Blick streift die Berge. Die Aussicht hat sich nicht verändert- nur bin ich nun ein wenig Näher an den er-grünten Bergen. Hier und da höre ich Menschen vor dem Fenster, Kühe umher traben und Vögel lauthals diskutieren. Die wuselige Ruhe hat ein spontanes Ende. Laute indische Musik und das Trommeln von Sach so wie sein Gesang ertönen urplötzlich. Neuer Mitbewohner, neuer Abschnitt, neue Situation. Wobei eigentlich auch nicht so anders. Mit Violetta hatte ich immer Lateinamerikanische Musik und Gesang um mich. Mit Thuli habe ich so oft so lauthals gelacht… Zeit und Zimmer teile ich seit über einem Monat und zuvor war es ja auch eher eine riesige Wohngemeinschaft. Trotzdem…etwas ist seit drei Tagen schlagartig anders. Zum Einen habe ich das geregelte Schul-Leben verlassen und lebe nicht mehr nach vorgegebenem Stundenplan, ich bekomme nicht mehr drei Mahlzeiten serviert und ich habe mich kurzerhand für einen längerfristigen Plan entschieden. Eigentlich habe ich mich so ziemlich für Alles entschieden, was ich vor zwei Monaten vielleicht nicht einmal in Erwägung gezogen hätte. Das wurde mir bereits vorgestern bewusst als ich mich zwischen dem kleineren oder größeren Schnellkochtopf entscheiden musste.

Aber nun vielleicht etwas verständlicher:

Die letzten zwei Wochen haben ganz schön viel ergeben und angeboten. Das Leben hat mir drei Möglichkeiten serviert und ich habe zugeschlagen. Einmal Alles bitte. Halbe Sachen mache ich ja eh eher selten und wenn es noch ein wenig anstrengend sein darf bin ich auch gerne dabei. Und ohne zu viel zu versprechen oder zu erzählen kann und möchte ich doch einen kleinen Einblick geben in die derzeitige Situation. Also zurück zum Anfang…

Wer mitgelesen hat wird sich vielleicht an mein kleines Abenteuer mit Sach in Kedarnath erinnern. Auf der Rückfahrt via Motorrad hatte sich ein kleiner Dialog bezüglich Wohnsituation ergeben. Da man sich beim Motorrad fahren ja eh mehr anschreit als vernünftig zu unterhalten waren die Worte knapp, klar und deutlich. „Sina it is up to you. For me it is fine to share a room in Rishikesh.“

Zusammenziehen? Wollte ich nicht eigentlich endlich mal alleine wohnen? So ziemlich seit ich nach Australien gegangen bin 2012 habe ich mir vorgestellt, wie es wohl ist alleine zu wohnen. Von da an hat sich eine Situation an die nächste geknüpft und diese waren nie mit alleine-wohnen verbunden. Nun dachte ich nach der erste Zeit hier wäre ein kleines Zimmer alleine ja mal ganz interessant um auch zu sehen wie sich all diese Erfahrungen in einen eigenen Rhythmus vereinen lassen. Und dann kam Sach und die Idee zerschlug sich eben so spontan ,wie sich unser Trip ergeben hatte.

Die Idee gemeinsam zu wohnen hing bei uns aber auch mit einer beruflichen Idee zusammen. Also begann ich mir vorzustellen, wie es wohl ist zusammen Yoga zu praktizieren, an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten und eben alle lebensnotwendigen Dinge zu teilen. Wieso eigentlich nicht…zumal wir uns ja auch gut verstehen. Am nächsten Tag klapperte ich ein paar „Homestays“ ab. Hier werden überall Zimmer vermietet, die mit Küchenzeile und eigenem Bad ausgestattet sind. Die 1-Zimmer Politik gefällt mir inzwischen sehr gut und das man sich ein kleines Zimmer auch zu zweit teilen kann habe ich die letzten Wochen ja erfahren. Zwei Tage später wurde ich zu einem Häuschen bestellt. Zwei Minuten von meiner Schule entfernt. Selbe Umgebung, selbe Straße. Ein kleines weißes Häuschen mit lila Umrandung. Sach stand strahlend vor mir und zeigte mir im Eilschritt alle Etagen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Ladenfläche mit Garagengröße. 1OG und 2OG sind Wohnräume mit jeweils Bad und Küchenzeile. Überall Zugang zu einem kleinen Balkon und ganz oben auch der Zugang zum Flachdach. Von Flachdächern bin ich ein absoluter Fan geworden. Man steht schön hoch, sieht ganz Rishikesh, die Berge, den heiligen Ganges und dem Himmel ist man ganz nah. Was es jetzt mit dem ganzen Gebäude auf sich hat verstand ich jedoch nicht so ganz. Ich hörte nur noch „renting, vegan café, yoga, meditation, august…what do you think?“ Das war Sonntag und ich war bis Montag noch ziemlich erschlagen von all den Informationen, Ideen und der unfassbar schnell wechselnden Ideenvielfalt seitens Sach. Mein Verstand, der absolut auf die deutsche Mentalität gepolt ist war überfordert. Erstmal macht man doch eine Liste. Man kalkuliert und so einfach kann man doch auch nicht einfach ein Café aufmachen. In mir stieg eine Wut auf. Mit so viel Spontanität konnte ich in meinem Kopf nicht umgehen. Mein Gefühl jedoch klopfte an und besänftigte mich. Als ich Sonntag Abend mit Violetta sprach und sie mich anstrahlte und die ganze Idee bejahte, konnte ich mich etwas mehr an den Gedanken gewöhnen. Die folgende Woche bestand aus Gesprächen, schlaflosen Nächten, Zweifeln und Vorfreude. Was ist seit dem geschehen und was ist eigentlich die Idee?

Seit Montag wohnen wir zu zweit in dem kleinen Häuschen. Drei Etagen für uns und unser Projekt. Das zweite Zimmer werden wir untervermieten und so mit eine stetige Einnahme haben. Die Ladenfläche werden wir tatsächlich zu einem Ort der Begegnung und des Genusses verwandeln. Ein kleines Café mit übersichtlicher Karte an gesunden Speisen und Getränken. Unser Raum wird unserem Leben dienen und womöglich auch für Reiki, Massage oder Meditations- Sessions dienen. Da wir beide Yoga praktizieren und eine entsprechende Ausbildung haben können wir dies neben unseren anderen Aktivitäten anbieten. Dazu zählen eben Massage, Reiki und Meditation. Unser Konzept steht, es geht nun um Details und Einrichtung. Die letzten vier Tage kommen mir ewig lang, so anders und aufreibend vor. Unzählige Male hat mein Inneres schon kapituliert, mir den Vogel gezeigt und sich eingesperrt gefühlt. Und ich bin mir sicher, dass sich diese Gefühle noch wiederholen und stärker anfühlen werden. Gleichzeitig bin ich mir auch bewusst, dass das dazu gehört. Ich schlage einen neuen Weg ein, teile plötzlich alles mit einem Menschen, den ich erst seit einem Monat kenne und habe mich mehr oder weniger langfristig festgelegt. Unser Mietvertrag geht für 11 Monate. Da sind meine „mal sehen, wo ich hinreise“- Pläne plötzlich in den Hintergrund gerückt. Auf einmal empfinde ich Wehmut und vielleicht auch Heimweh. Parallel weiß ich, dass ich mir Innerlich einen Streich spiele. Ich bin mir um die aufkommenden Anstrengungen bewusst. Und genau die selben Ablenkungsmanöver kenne ich vom Lernen oder sonstigen Aufgaben, die vielleicht erstmal mit Anstrengung verbunden sind. Und irgendwie ist ja auch noch nichts greifbar. Welche Möglichkeit mir da geboten wird darf ich mir immer wieder ins Bewusstsein rufen. Ich darf mich ausprobieren in den Feldern, die mir so viel bedeuten und mich erfüllen. Menschen kennen lernen, verwöhnen, mit ihnen Yoga und Meditation erleben. Unser Café darf also auch als reale Werbefläche dienen. Da wir vorerst auch kein WLAN haben müssen sich die Menschen wohl oder übel unterhalten und anschauen. Quasi ein interaktives Facebook. So eben haben wir unseren ersten gemeinsamen „Retreat“ fertig konzipiert und online gestellt. Unser Plan ist es nämlich eine Marke publik zu machen und das Reisen mit Yoga zu verbinden und anzubieten. Über Silvester geht es demnach in den indischen Staat Gujarat in die „White desert“ in Kutch. So etwas entsteht dann zwischen den Entscheidungen für entsprechende Küchen-Utensilien, gemeinsam Kochen, Yoga praktizieren und irgendwie an einen neuen Alltag gewöhnen. Für mich ist es aufreibend und eine Herausforderung, anders kann ich es momentan nicht beschreiben. Ich plane gerne und darf mich nun neben jemandem behaupten, der viel mehr entscheiden, sagen und verstehen kann in diesem Land. Dazu kommt dann die Geduld, die ich aufbringen muss, denn so etwas gestaltet sich nicht von heute auf morgen und überhaupt haben wir jetzt den gesamten August Zeit. Mir geht aber schon seit Montag alles zu langsam und das obwohl wir täglich unsere To-Do-Listen abarbeiten. Der innere Lernprozess hört nicht auf und ich denke die Umstellung an diese neue Situation verlangt nun anfangs eben einiges ab. Mit unter, weil es eben so konkret ist. Ich habe zugestimmt und mich zu etwas entschieden, was durchgezogen werden möchte. Und ich bin dabei und absolut dankbar. Es fühlt sich wie auf einem kleinen Segelboot im stürmischen Meer an und das stürmische Meer bin ich ganz alleine. Um mich herum ist eigentlich alles super entspannt nur ich führe mich manchmal auf wie eine Katze, die ins Wasser geschubst wurde. Eine neue Dimension von Gefühlen, die sich nun eröffnet. Nun ja, Gefühle sind ja immer wieder gleich. Nur verändert sich vielleicht die Intensität und Wahrnehmung mit den Jahren, der Erfahrung und auch der inneren Einstellung. Die letzten drei Monate haben einiges mit mir gemacht und ich habe an vielen Situationen lernen dürfen und kann nun auch neu und anders agieren. Es fühlt sich wie ein kleiner „Zwischen-Test“ an. „Mal sehen was da so hängen geblieben ist Sina. Mal sehen wie „detached“ du tatsächlich bist, wie sehr du dich von Ego-bezogenen Gefühlen frei machen kannst und wie lange du bei dir bleiben kannst ohne deine Mitte zu verlassen.“ Nun- meine Mitte habe ich mehr als oft in den letzten Tagen verlassen 😀

Ohne Mut kann man die eigene Komfortzone nicht verlassen. Ohne Mut kann man nicht wachsen. Ohne Mut kann man die eigene Perspektive nicht neu entdecken. Ohne Mut bleibt man stehen. Mut begegnet uns in jeder kleinen und großen Situation. Es kann absolut alltäglich scheinen- die kleinen Schritte sind manchmal die herausforderndsten. Dafür muss man nicht irgendwo hin gehen, etwas neu erfinden oder etwas außer der Reihe tun. Mut steckt im Detail und beginnt im Kleinen. Ganz bei dir und deinen Entscheidungen. Wir tun uns oft leicht mit Entscheidungen für andere oder für Taten, die weniger mit uns zu tun haben. Herausfordernd wird es, wenn wir das für uns tun. Entscheidungen für uns treffen, die uns womöglich ein wenig herausfordern oder auch dazu bewegen, die vermeintlichen Meinungen anderer auszublenden. Und dann kann schon beim Haare färben oder „Nein“ sagen anfangen. Bei dir und deinen Bedürfnissen bleiben. Das erfordert Mut. Zu horchen „was möchte ich denn eigentlich?“ und wieso ist es gar nicht so leicht die Wahrheit zu sagen ohne direkt in eine Auseinandersetzung zu geraten, da sich andere Menschen angegriffen fühlen. Unsicherheit schürt Angriff. Oft fühlen sich Menschen durch die Entscheidungen anderer angegriffen ohne einen direkten An- oder Eingriff. Dieser Mechanismus wiederum führt dazu, dass Menschen sich nicht trauen, das auszudrücken oder zu leben, was sie eigentlich fühlen. Und deswegen sind die kleinen Schritte der eigenen Potenzialentfaltung, die mit Mut erfüllten. Über den Mut Eltern zu werden kann ich nicht sprechen und würde wahrscheinlich gar nicht enden können. Umso älter ich werde, wird mein Hut, den ich ziehen möchte jedoch immer größer vor allen Eltern und jenen, die es werden wollten oder werden möchten. Das Leben erfordert viel Mut und auch eine kleine Portion Wahnsinn. Dies mit Kindern erleben und teilen zu wollen ist für mich unsagbar mutig. Und bevor ich mich ganz in Worten und Gedanken verliere möchte ich meine Dankbarkeit, den mir gegebenen Wurzeln aussprechen. Ohne diese Wurzeln, die mir meine Familie und Freunde geben, wäre all dies wohl nicht möglich.

Mein Weg führte mich nach Rishikesh und hier bleibe ich nun erstmal um kontinuierlich an einer Sache zu bleiben. Dies bedeutet nicht, dass ich nun ausgewandert bin. Was Morgen bringt weiß man nicht. Für den Moment fühlt es sich hier gut an um zu wachsen. Die Freiheit umher zu reisen verschiebe ich einfach. Mir ist bewusst geworden, dass ein Ort und eine Aufgabe und die damit verbundene Kontinuität einen großen Mehrwert mit sich bringen werden. Immer wieder, wenn der Zweifel kommt erinnere ich mich an die Worte meines Guru Jis „Wenn du ein Loch buddeln möchtest im Garten, dann musst du jeden Tag im selben Loch buddeln. Du wirst nicht weit kommen, wenn du jeden Tag unterschiedliche Löcher beginnst.“ Danke Peter.

Ich bin gespannt.

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Bham Bham Bhole.

„O Lord Shiva! Please drive away my fear.“

 

BHAM BHAM.OHM NAMAH SHIVAYA.BHAM BHAM.

Immer wieder wurden diese Worte gerufen oder als Gruß ausgesprochen. Zwischen älteren Damen in Flip Flops, Maultieren, Kindern und jungen Männern stapfte ich durch  Regen. 14 Kilometer steil den Berg hinauf. Was heißt den Berg….irgendwo im Himalaya zwischen riesigen Bergformationen, Nebel, Wasserfällen und dem reißenden Fluss unter uns. Immer noch fühlt es sich mehr wie ein Traum an. Kedarnath war das Ziel. Ein Ort, den ich bis vor zwei Wochen noch nie gehört hatte. Von dem ich nicht erwartet hätte, so eine Wirkung zu haben. Mir wurde die Bedeutung dieses Ortes erst durch andere Menschen bewusst. Bevor wir uns aufmachten sagte ich zwei Lehrern der Schule bescheid.

„Bhavesh I am going to Kedarnath, so I won´t be here for a few days.“

Bhavesh schaute mich mit seinen nun noch größeren Augen an. „Kedarnath?“ Er schlug beide Hände vor seinem Mund zusammen. „Sina he is calling you already. You have a lot of Karma here in Rishikesh. Enjoy. I want to go there since five years. In October I can finally go.“

Auch mein Kundalini-Lehrer sagte “ Wow, he is calling you.“

Auf meinem Handy war kein Anruf in Abwesenheit also wusste ich nicht so ganz was sie meinten. Aber es wurde mir relativ schnell klar. Kedarnath ist ein sehr bedeutender Ort für den Gott Shiva.

Wer ist Shiva? Nun um die Geschichten der bedeutendsten Götter im Hinduismus zu erläutern braucht es mehr als ein paar Sätze und übersteigt auch mein Wissen. Um es jedoch ein wenig begreiflich zu machen versuche ich Shiva mal in ein paar Worte zu fassen.

Shiva wird als der höchste aller hinduistischen Götter gesehen. Er ist der Gott der Gegensätze. So steht er für Zerstörung und Schöpfung, Tanz, Ekstase, Meditation und Keuschheit. Ebenso gilt er als Übermittler der allumfassenden Zusammenhänge des Yoga. In der yogischen Kultur wird Shiva nicht nur als Gott gesehen. Demnach war er ein irdisches Wesen, welches im Himalaya lebte und handelte.

Der nord-indische Staat Uttarakhand ist Heimatort vieler Pilgerstätten für Shiva-Anhänger. Dieser Staat ist vom Himalaya-Gebirge durchzogen. Rishikesh, der Ort in dem ich lebe, ist mit einer der bekanntesten Orte hier und wurde 1968 durch den Besuch der Beatles für den Westen berühmt. Mir wurde auf jeden Fall plötzlich bewusst, wie viele Pilgerstätten es hier umliegend gibt. Dies ist nun besonders deutlich für die nächsten drei Wochen. Rishikesh hat sich orange gefärbt. Und zwar nicht, weil hier niederländischer Fußball ansteht. Orange tragen die Shiva-Anhänger. Und seit dem 15. Juli ist hier für die nächsten drei Wochen Halli-Galli angesagt. Menschen pilgern von weit her. Barfuß über 300 Kilometer um das heilige Wasser aus dem Ganges zu entsprechenden Tempeln zu bringen um Shiva zu ehren. Da Shiva der Gott der Zerstörung ist setzt das auch entsprechende Energien in Menschen frei. Junge Männer laufen mit stolz erhobener Brust umher und irgendwie fühle ich mich wie bei Rock am Ring. Nur ist niemand betrunken. Es wird auf jeden Fall geraucht und man reicht sich freundlich das Chillum umher. Viel habe ich noch nicht davon mitbekommen, da ich etwas abseits vom Treiben lebe und da bin ich auch ganz froh drum. Es ist nicht gefährlich aber uns wurde nahe gelegt, dass man sich nicht unbedingt in das Treiben stürzen sollte. Wenn eine Stadt von einer halben Millionen Pilgern durchflutet wird, von denen manche auch noch nie Menschen aus anderen Ländern gesehen haben, könnte es vielleicht ein längerer nach Hause Weg werden.

An dieser Stelle möchte ich jedoch betonen, dass ich mich noch zu keinem Zeitpunkt unwohl oder gefährdet gefühlt habe. Auch im Ganges habe ich gebadet und das Wasser als so rein und klar empfunden. Manche Aussagen sind so pauschalisiert und auf ein ganzes Land bezogen, welches an jeder Ecke eine neue Welt offenbart.

So zurück zu Kedarnath.

Mein Freund Sach und ich machten uns am 13.7 mit dem Motorrad auf den Weg. Wir brauchten gut 8 Stunden für 250 Kilometer. Es war unfassbar schlammig und die Straßen fast nicht befahrbar. Hier hat die Regenzeit begonnen und geteerte Straßen sind eher selten die Regel. Die Fahrt war jedoch wundervoll. Die Aussicht auf diese atemberaubende Natur, der Fahrtwind um die Nase oder auch manchmal ziemlich viel Ruß und die unendliche Dankbarkeit für jede Sekunde dieses Erlebens. Nachdem wir den ganzen Tag auf dem Motorrad saßen, mit leckeren kulinarischen Stopps zwischendurch, kamen wir abends am letzten befahrbaren Punkt an. Von diesem Ort aus durfte man nicht mehr selber fahren. Also suchten wir uns ein Gasthaus und bereiteten alles für die anstehende Wanderung am nächsten Tag vor. Wir packten das Nötigste in einen kleinen Rucksack und machten uns auf den Weg zum Startpunkt. Dort registriert man sich (falls man verloren geht?) und nimmt dann ein Sammeltaxi (Geländewagen) für die nächsten 5 Kilometer zum Wanderstartpunkt. Motiviert stapften wir los und wurden nach ein paar Schritten gestoppt. Der Weg sei gesperrt wegen Erdrutschen und man könnte frühestens am nächsten Tag los. Mhm. Fand ich irgendwie doof und schlug Sach vor, dass wir die fünf Kilometer ja auch einfach laufen können anstatt ein Auto zu nehmen. Er lächelte zustimmend und schon stapften wir los. Uns kamen schließlich auch Menschen entgegen, deswegen verstand ich nicht, wieso wir nicht rauf durften. Nach fünf Minuten wurden wir an gehupt und von einem Geländewagen eingesammelt. Für einen Euro ging es dann also doch die 5 Kilometer via Geländewagen zum Startpunkt „Gaurikund“ . Ein „Nein“ in Indien ist nämlich nicht immer so ernst zu nehmen. Ebenso wie die Aussage „only five minutes.“ Oben angekommen reihten sich kleine Geschäfte aneinander. Regenbekleidung, Essen, Souvenirs, Ausrüstung etc. Wir stärkten uns mit einem herzhaften Frühstück und wanderten los. Zu uns hatte sich ein junger Kerl gesellt. Ab und an sprachen die beiden auf Hindi. Zuvor fragte er mich auf englisch wo ich her komme, wo ich wohne und wie ich bei Facebook heiße. Der Smalltalk in Indien ist für mich immer noch etwas befremdlich. Zum einen mag ich die offene Art und das Interesse an Familie, Leben und Beruf jedoch hab ich noch nicht so richtig das Gefühl dazu, wann es aufdringlich oder unheimlich ist. Nachdem Sach mich sehr ernst fragte „What did he ask you?“ war ich etwas mehr verunsichert und mied ausgiebige Gespräche mit unserem Schatten. Er sollte nämlich während der gesamten Tour immer wieder auftauchen. Der Weg von 14 Kilometern gestaltete sich länger und herausfordernder als gedacht. Der stetige Regen und die damit einhergehenden Komplikationen sollten uns schon bald bewusst werden, denn die Route wurde nach 2 Stunden Aufstieg gesperrt. Glücklicherweise konnten wir an einem Chai-Stand Unterschlupf finden und uns am Feuer wärmen und unsere Jacken trocknen. Wir erhielten die Information, dass durch einen Erdrutsch die Strecke gesperrt ist. Ich fand das alles sehr gemütlich und es erinnerte mich an meine Zeit bei den Pfadfindern. Ein heißes Getränk, der Geruch von Feuer in den Haaren und ein stetig leichtes Frieren. Auch unser Schatten hatte uns wieder einmal gefunden und stand ziemlich nah hinter mir. Klar er wollte auch was Feuer abbekommen aber mir war das alles etwas zu nahe. Trotzdem fragte ich mich immer wieder, ob ich mich vielleicht mehr öffnen sollte und einer netten Begegnung entgehe durch meine Verschlossenheit. Aber seine Vorschläge gemeinsam nach Nepal zu reisen oder einen anderen Pilgerort zu besuchen waren mir dann doch wieder zu prompt. Auch als ich auf meinem Handy eine Nachricht auf deutsch schrieb stand er so nah und las alles mit. Da bekam ich dann irgendwann Atemnot und drehte mich mit dem Rücken zu ihm. Als ich Sach ein paar Tage später nach seinem Empfinden dem jungen Kerl gegenüber fragt, konnte er mir auch keine richtige Antwort geben. Er sagte es gibt eben Menschen, die noch nie Ausländer gesehen haben und dann besonders distanzlos werden aber nicht aus böser Absicht.

Nachdem der Weg dann irgendwann wieder frei gegeben wurde und die Ausrufe der Menschen einem kleinen Aufstand glichen, konnten wir für gut fünfzehn Minuten weiter wandern bis es Hunde und Katzen regnete und der Weg wieder gesperrt wurde. Nun standen wir alle unter einem Überdach zusammen gequetscht. Es war richtig kalt und wir waren klitsch nass. Und trotzdem hatte es etwas so meditatives und ich war glücklich. Was wäre ein Weg zu Shiva ohne Komplikationen? Ein heiterer Aufstieg bei Sonnenschein hätte nicht das selbe Erleben und Fühlen. Raus aus der Komfortzone. Meine Gedanken kreisten darum, dass es bald dunkel werden würde. Wir waren zu weit gekommen als das wir umkehren könnten aber was ist , wenn der Weg nicht frei gegeben wurde? Unter dem Überdach befanden sich auch die tapferen Arbeiter, die sich um das Freiräumen des Weges kümmerten. Immer wieder rückten sie aus und verschwanden hinter einer Kurve. Was sie dort genau taten wusste ich nicht. Die Arbeitsbekleidung hier ist auch sehr simpel. Meistens Flip Flops und keine Schutzkleidung. Aber einen Regenschirm hatten sie alle bei sich. Nach einiger Zeit und Ausdauer war der Weg dann wieder frei gegeben. Wir versuchten so schnell wie möglich zu gehen um keine weitere Sperrung zu erleben. Die Stelle, weswegen der Weg gesperrt wurde war deutlich zu erkennen. Ein riesiger Erdrutsch versperrte den regulären Weg. Wie eine Lawine erstreckte sich Schlamm, Steine und Geröll von einem Abhang herab auf den Weg und weiter runter in eine Schlucht. Wie eine Herde Ziegen kletterten wir alle so schnell es ging über diesen Berg aus Matsch und schauten immer wieder nach oben, ob nicht doch noch etwas angerollt oder geflogen kam. Aber es ging alles gut und der restliche Weg gestaltete sich dann auch problemlos. Die Weite der Natur, die nicht endenden Berge, der immer wieder auftauchende Nebel, ständig neue Wasserfälle, sattes Grün…meine Augen konnten sich nicht satt sehen. Meine Handykamera konnte nur einen Bruchteil von dieser Weite einfangen. Das was ich mitnehmen konnte war dieses Gefühl der endlosen Weite und Verbundenheit in mir. Natürlich war es auch wieder ein geteiltes Glück. Gemeinsam staunen, philosophieren und erleben. Die Vereinigung aller Elemente…es macht einen so demütig und zeigt, wie wenig man braucht zum Leben. Denn diesen Weg kann man nicht mit Geld bestreiten…mit Ausdauer, Demut, Mut, Liebe und Verbundenheit sehr wohl. Es war dunkel als wir schließlich den Kern des Ortes erreichten. Eine kleine Zeltstadt bot Möglichkeiten zum Übernachten an. Wir liefen daran vorbei. Zum einen wollten wir direkt zum Tempel und zum anderen wollten wir ein kleines Gasthaus finden zum Übernachten. Am Fuße einer zum Tempel aufsteigenden Treppe wurde Sach ganz still und fokussiert. Seine Augen waren auf den Tempel gerichtet und mir lief ein Schauer den Rücken herunter. Mich packte eine Demut und auch eine sanfte Aufregung. Wir gingen auf die Knie und berührten die Treppe bevor wir dann Stufe für Stufe empor stiegen. Es ist die Verbundenheit mit dem Ganzen, mit dem Inneren, mit dem Shiva in uns. Es ist nicht die Ergebenheit zu dem einen Gott… es ist die Verbundenheit mit einer universellen Kraft. Und dieser Ort ist ebenso wie viele andere Orte eine Möglichkeit diese Verbindung zu spüren. Vor dem Tempel angekommen zogen wir unsere Schuhe aus und liefen barfuß über den steinernen Boden. Wieder gingen wir auf die Knie und berührten den Boden mit der Stirn. Der Stier, das Reittier von Shiva, ist als Steinfigur vor dem Tempel positioniert. Zwischen vielen anderen Menschen standen wir dort und ließen dieses Bild auf uns wirken. Wir befanden uns auf knapp 5000 Meter Höhe. Die Gebirgsspitzen hinter dem Tempel erstrecken sich auf bis zu 8000 Meter Höhe und geben ein imposantes Bild ab, welches wir jedoch bei Nacht nur erahnen konnten. Insgesamt gingen wir an den beiden Tagen drei mal in den Tempel. Es roch nach Ghee, Nässe und Räucherstäbchen. Wir wurden gesegnet und es wurden verschiedene Bräuche durch geführt. Anfangs wusste ich nie wirklich was ich zu tun habe in einem Tempel. An sich gibt es da auch keine Anleitung und im Zweifel kann man auch einfach alles dem Vordermann nachmachen. Jedoch habe ich für mich eigene Gesten und Bräuche gefunden. Ebenso wie das Segnen oder Beten vor dem Essen ein fester Bestandteil für mich geworden ist – ohne das mir das vorgegeben wurde. Es hat sich eine andere Art des Bewusstseins entwickelt. Wertschätzung, Achtung und Respekt in verschiedenen Situationen. Angefangen bei dem Berühren der Füße von älteren oder weisen Menschen. So kam eine lustige Situation zu Stande: Als wir dann nämlich am Abend im Gasthaus angekommen waren saß Sach da und konnte seine Füße nicht mehr spüren, da seine Schuhe nicht wasserfest waren. Ein Hoch auf meine Salomon Schuhe aus Achims Sportshop in Rheinbach 😀

Jedenfalls hatte ich super warme Hände und dachte mir nichts dabei als ich aus Spaß seinen Fuß nahm und meinte ich könnte den Fuß ja auftauen. Er zog erschrocken den Fuß zurück und sagte “ No don´t do that.“ Anschließend erklärte er mir dann, dass Frauen als weiser angesehen werden, sie geben Leben und ohne Sie wäre all das nicht möglich. Vor allem eine unverheiratete Frau sollte nicht die Füße eines Mannes berühren. Dem Priester im Tempel durfte ich jedoch die Füße berühren. Herrje ist das verwirrend.

Wir blieben zwei Nächte direkt neben dem Tempel und erfreuten uns an dem Wetter-Spektakel. Genau fünf Minuten hatten wir um den Tempel gemeinsam mit den Bergspitzen im Hintergrund zu sehen. Das raue Wetter machte die ganze Tour irgendwie besonders. Der spontan auftauchende Nebel war besonders beeindruckend. Er breitete sich blitzschnell aus und tauchte alles in seinen Bann.

Kedarnath erfuhr 2013 eine schlimme Naturkatastrophe, welche gleichzeitig so viel Umbruch und Magie brachte. Hinter den Bergspitzen befindet sich ein See. 2013 ereignete sich ein starkes Unwetter und ein Wolkenbruch brachte den See dazu, den dazugehörigen Damm zu durchbrechen. Dadurch wurde Kedarnath überflutet. Über 4000 Menschen starben und viele werden bis heute noch vermisst, da sie nicht geborgen werden konnten. Das gesamte Dorf wurde weggespült. Ausschließlich die Menschen, welche sich im Tempel befanden überlebten. Alles wurde zerstört bis auf den Tempel und das ist einem Felsbrocken zu verdanken. Vor dem Tempel platzierte sich ein riesiger Steinfels, der von Eis umgeben war. Die Maße dieses Steines waren entsprechend perfekt um den Tempel vor der Flut zu schützen. Durch den Stein wurde das Wasser an dem Tempel vorbei geleitet. Wir sprachen mit einem Priester, der sich zu besagter Katastrophe in dem Tempel befand und auch unser Gasthausbesitzer war 2013 vor Ort. Seit dieser Katastrophe wurde einiges wieder aufgebaut und es wird an Schutzmaßnahmen gearbeitet. Diese Katastrophe hat nach all dem Schmerz auch wieder neues Leben mit sich gebracht.

Unser Rückweg gestaltete sich als Komplikationsfrei und die Motorradfahrt war noch matschiger als auf dem Hinweg. Überall lagen Gesteinsbrocken auf dem Weg und erzählten von ein paar stürmischen Tagen. Nach 2.5 Monaten war das ein wunderbarer Ausbruch aus dem Schulalltag auch wenn mir der Unterricht fehlte. Jedoch war das Laufen, Klettern und freie Philosophieren und gemeinsam Mantras singen ebenso Unterricht. Nun bin ich wieder zurück und genieße noch die letzte Zeit in der Schule. Ich teile mir ja mit Violetta ein Zimmer und wir dürfen hier in der neuen Schule an allen Unterrichtseinheiten teilnehmen, hier essen und fühlen uns sehr wohl. Violetta wird jedoch diese Woche nach Europa fliegen und ihre Familie nach drei Jahren wieder sehen. Vor drei Jahren reiste sie von Kolumbien nach Australien um für 6 Monate englisch zu lernen. 3 Jahre und einige Länder später…. trifft sie ihre Familie dann in Europa. Nur als Anmerkung, wie es auch laufen kann 🙂

Sie wird im Oktober wieder kommen und dann sehen wir uns auch wieder, denn ich werde erstmal in Rishikesh bleiben. Zwar werde ich nun doch auch mal die Schule verlassen aber nicht diesen Ort. Ich möchte meine eigene Routine und Ideen vertiefen und praktizieren. Dafür braucht man einen Platz an dem man sich wohl fühlt und das tue ich hier sehr. Kleinere Erkundungsreisen von Rishikesh aus sind bestens möglich. Mitte Oktober muss ich Visabedingt auch das Land verlassen. Entweder ich mache mich auf den Weg nach Nepal oder reise schon etwas früher nach Thailand. Dort werde ich dann nämlich Ende November meine Freundin Ava treffen. So sieht erstmal meine kurzgefasste Langzeitplanung aus. Die Zeit verfliegt hier jedenfalls und ich lerne jeden Tag so viel und bin mehr und mehr von Dankbarkeit, Demut und Glück erfüllt.

 

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Neubeginn.

Wie vor drei Monaten sitze ich hier mit meinem immer noch viel zu großem Laptop und stehe wieder vor einem neuen Kapitel. Diesmal ist das neue Kapitel jedoch nur fünf Minuten entfernt und kein allzu großer Unterschied wie vor drei Monaten. Das bereits drei Monate vergangen sind ist mir eben bewusst geworden als ich nicht mehr telefonieren konnte, da meine Sim Karte neu aufgeladen werden muss. Es fühlt sich alles viel länger und doch so kurz an. Vor allem aber absolut chaotisch. Ich dachte ja nach zwei Monaten Yoga-schule, geregelten Tagesabläufen und einer intensiven Praxis bin ich absolut klar und leicht. Weit gefehlt. Die zwei Monate Ausbildung waren für mich ein persönliches Chaos, welches mich durch seine Struktur nicht den roten Faden hat verlieren lassen. Nun bin ich ja bereits von den Reiki-Seminaren gewohnt, dass man solch intensive Zeiten schlecht beschreiben kann und sich auch darin übt, Menschen intensiv kennen zu lernen. Jedoch war es hier dann doch wieder eine andere Hausnummer. Also warum war es ein Chaos?

Zum einen habe ich / haben wir unsere Ausbildung in den zwei heißesten Monaten des Jahres absolviert. In den Lehrbüchern steht sogar geschrieben, dass man eine intensive Praxis nicht zu den heißesten oder kältesten Jahreszeiten beginnen sollte. Es gab für mich kein durchgängig stetiges Level, was meine Kraft angeht. Jeder Tag war so anders und meistens eine echte Herausforderung. Der Körper hatte echt zu kämpfen mit den Temperaturen und der stetig ansteigenden Praxis. Die zweite Gruppe war komplett krank. Der Unterschied von europäischen Temperaturen und Begebenheiten zu Indien in diesen Monaten ist enorm. Die Personen aus der zweiten Gruppe kamen auch quasi alle nur für die Ausbildung, sodass sie keinerlei Eingewöhnungszeit vorab in Indien hatten. Es wurde sich also von Beginn an umeinander gekümmert und es herrschte eine sehr süße Stimmung miteinander. Parallel wusste ich manchmal nicht so recht, wo und wie ich stehe. Schließlich war ich jetzt mit Thuli und Ishan „ein alter Hase“ und von uns dreien auch die Präsenteste. Thuli wohnte weiterhin in der Schule aber nahm nur sporadisch am Unterricht teil, da sie sich anderen Dingen widmete. Und mein kleiner Ziehbruder ist ja sehr schüchtern und spricht weniger. Gleichzeitig wollte ich aber auch nicht den Besserwisser raushängen lassen. Also balancierte ich zwischen Tipps geben und mich in die neue Gruppe einfinden ohne sie mit der vorigen Gruppe zu vergleichen. All diese zwischenmenschlichen Prozesse, die geschehen, wenn man plötzlich zusammen wohnt und eigentlich alles miteinander teilt, können so intensiv belebend wie auch anstrengend sein. Über die Intensität ist man sich nicht so bewusst aber sie ist spürbar und ich habe einige spannende Dinge lernen und beobachten dürfen. Ich habe auch noch nie eine so offene Kommunikation über die Verdauung und alle damit verbundenen Funktionen erlebt, wie in den zwei Monaten. Das war wohl den Umständen bedingt, dass das gemeinsame Essen oder auch die Unterrichtsstunden oft durch ein plötzliches Aufspringen einer betroffenen Person unterbrochen wurde. Oft lag eine von uns am Rand und hat halb dem Unterricht folgen können, da der Körper einfach zu schwach war um teilzunehmen. Die Herausforderung für einige stellte genau das dar, Schwäche zulassen und auch dem Körper die entsprechende Ruhe zu gewähren. Natürlich ist das ärgerlich, wenn man nur einen Monat Zeit hat und an dem einzig freien Tag nicht alles mitnehmen kann, was man möchte. Aber genau das, die Lehren zwischen den Unterrichtsstunden, sind wohl die lehrreichsten.

Also meine Vorstellung von einem geregelten Tagesablauf hatte sich bestätigt aber wie sich alles anfühlt und in welcher Kondition man das erlebt stellte sich als Chaos heraus. Aber vielleicht ist es gar kein Chaos sondern einfach der natürliche Fluss. Denn keiner von uns ist ein Roboter, weder hier in einer Ausbildung noch im geregelten Alltag. Die Herausforderungen und Ansprüche sind für jedes einzelne Wesen in jeder Sekunde unterschiedlich und man darf und sollte sanft mit sich sein. Natürlich muss man abwägen, was Faulheit oder Verdrängen ist und den Fokus und Ansporn nicht verlieren. Kontinuität ist ein so wichtiger Schlüssel meines Erachtens nach. Das hab ich schon vor sechs Jahren von einer Schlüssel-Person in meinem Leben gesagt bekommen. „Sina ohne Kontinuität und Disziplin wird sich nichts verändern.“ Und das ist mir hier wieder so sehr begegnet. Wenn sich etwas grundlegend und ehrlich verändern oder erweitern möchte, dann geschieht das nicht über Nacht. Es gibt keine Wunderpille für Körper, Geist oder Seele. Bleibt man kontinuierlich bei einer Sache oder Praxis, dann kann sich ein Raum der Entwicklung ergeben. Und ich spreche hier nicht nur von der körperlichen Praxis im Yoga – diese Kontinuität kann alles umfassen. Eben diese Regelmäßigkeit ist eine der größten Herausforderungen denke ich. Ich persönlich habe viele Dinge mit sehr viel Begeisterung angefangen und eben so spontan wieder aufgehört. Eben immer dann, wenn der Prozess langsamer, anstrengender oder gar unmöglich schien. Das Gefühl eben diese Schwelle zu überschreiten ist dafür um so schöner. Für diese Motivation bedarf es einiges an Mut, innerem Zuspruch aber auch der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Oft fällt es einem doch leichter etwas für andere zu tun als für sich selber. So konnte ich hier meine Energie oft unbemerkt wieder aufleben lassen, in dem ich mich um etwas kümmern konnte oder einfach aufgeräumt oder sauber gemacht habe. Durch das Tun veränderte sich meine Energie und ich konnte wieder aus eigener Kraft heraus mein Sachen weiter voran treiben.

Wir wurden gefragt, warum wir hier sind. Einige antworteten, weil sie anderen Menschen helfen wollen. Was wir hier lernen und was ich auch bei Peter in der Ausbildung gelernt habe ist, dass du dich erst selber heilen darfst bevor du anderen hilfst. Jedoch heißt das nicht, dass man auf seinem Egotrip alleine von einer Selbstfindung zur nächsten stolpern muss. Ich glaube, dass jeder Mensch anderen Menschen helfen kann bei eben genau den Themen, die er oder sie durchlebt und gemeistert hat. Auf dem Weg der Selbstheilung darf man aber helfen und die Liebe verteilen. Im Sinne der Nächstenliebe. Jede Tat und Begegnung mit einer bewussten Wahrnehmung und Wertschätzung erleben. Hinschauen, wo man auch in einer noch so klein scheinenden Situation helfen kann. Ich für meinen Teil war in unserer Schule viel mit Käfern beschäftigt. Da wir überall offene Türen vom Balkon hatten kamen viele Insekten herein, manchmal auf eine Katze oder die Affen. Jedenfalls waren diese Käfer sehr ungeschickt im Treppe krabbeln oder purzeln, sodass auf jeder Stufe ein strampelnder Käfer lag. Kaum hatte ich den einen umgedreht lag der andere wieder auf dem Rücken. Ameisen, die im Honig oder Wasser ertranken… es gab viel zu tun. Einfach als ganz simples Beispiel: Nur weil ich auf meinem eigenen Heilungs-Weg bin, heißt es nicht, dass ich blind durch die Welt laufen muss und keine Zeit für andere Lebewesen habe. Zudem glaube ich, dass jeder Mensch bis zum ende der physischen Existenz auf einer Art Heilungs-Weg ist. Und hier sehe ich das Wort „Heilung“ als eine Reise und nicht als negativ behaftetes Wort. Vor der Geburt sind wir vollkommen, kommen als reines und so weises Wesen auf die Welt und dann verlieren wir nach und nach einiges unserer Fähigkeiten, erfahren Verletzungen und Traumata. Der Heilungsprozess stellt für mich den Weg der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten dar. Viele Fähigkeiten können wir erst durch Verletzungen entdecken. Kaum ein Lerneffekt konnte statt finden, weil alles wunderbar war. Und so durfte ich zwei Monate lang unterschiedliche Menschen kennen lernen, ihre Geschichten erfahren und sie umso besser verstehen. Das lernen an den Menschen selber war unglaublich. Manchmal hab ich mich wie in der Trueman-Show gefühlt. Als wäre jeder einzelne Charakter und die entsprechende Situation so konzipiert worden, damit Sina einen intensiven „AHA-Moment“ erleben darf.

Wie waren eigentlich unsere Lehrer?

Unsere Lehrer sind alle in Indien geboren und habe die unterschiedlichsten Wege beschritten.

Devendra Ji ist 28 Jahre alt und unterrichtet Hatha-Yoga und Ashtanga-Yoga.

Bhavesh Ji ist 30 Jahre alt und unterrichtet Pranayama.

Mandeep Ji ist 35 Jahre alt und unterrichtet Mantra. Er ist auch derjenige, der unsere Zeremonie zu Beginn und Ende der Ausbildung gestaltet und begleitet.

Vishnu Ji ist 22 Jahre alt und unterrichtet uns, wie man Korrigiert und ausrichtet in den Körperübungen.

Latta Ji ist 30 Jahre alt und sie unterrichtet uns in Anatomie.

Nitin Ji ist 31 Jahre alt und unterrichtet uns in Philosophy.

Ankit Ji ist 23 Jahre alt und unterrichtet Hatha-Yoga.

 

Wieso steht da ein „Ji“ hinter jedem Namen? Nitin hat uns zu Beginn beigebracht, dass das eine Ergänzung an den Namen ist um Respekt zu zeigen. Also wird hier jeder und jede mit einem Ji an den Namen angehangen angesprochen. So klingt eigentlich jeder ziemlich niedlich, wie ich finde. Also alle Menschen hier grüßen sich so. Das macht es ziemlich leicht, wenn man den Namen nicht weiß oder in ein Geschäft rein geht. „Namasté Ji“ und es ist gleich eine herzliche Begrüßung.

Man kann hier in Indien Yoga studieren. Vishnu zum Beispiel hat bereits mit 16 studiert. Seinen Bachelor hat er in „something with Computers“ gemacht. Nachdem er dann 6 Monate in Delhi gearbeitet hat, hat er gemerkt, dass das gar nichts für ihn ist und er Rishikesh und die Berge vermisst. Also ist er zurück und hat sich mit Yoga beschäftigt und dann seinen Master in Yoga gemacht. Die Studienkosten sind für uns wirklich mehr als erschwinglich und wir bekamen alle leuchtende Augen als er mehr von dem Studium erzählte. Der Stundenplan ist absolut nicht ohne und zusätzlich noch Zeit und Energie für die eigenen Praxis aufzubringen bedarf viel Disziplin. Aber alle unsere Lehrer, ob mit Studium oder nicht, sind mit dem Herzen dabei und das merkt man so sehr. Auf unterschiedlichsten Wegen zu diesem Lebensweg gekommen und alle gestalten es individuell und unterrichten eben auch genau so. Ankit zum Beispiel hat vor zwei Jahren begonnen zu praktizieren und hat nie eine Ausbildung oder ein Studium absolviert. Er praktiziert jedoch seither jeden Tag bei und mit seinem Guru / Lehrer und sein Unterricht ist wunderbar. Was ich sagen will: Solange man mit dem Herzen dabei ist und man sein Tun liebt, dann ist der Aufwand überwindbar und die Methode nicht von Bedeutung.

Gleichzeitig ist es spannend zu beobachten wie die „Lehrer“ ihr Leben hier in Rishikesh verbringen und wie getaktet ihr Leben durch die „Arbeit“ ist. Auch sie sind alle Menschen und haben ein normales Leben und erleben Gefühle. Das war mir zu Beginn irgendwie nicht so bewusst. Also zurück zum Chaos… zwischen Mitschülern, Lehrern, Gefühlen, Krankheiten, Gefühlen, Prozess und Lernen sind zwei Monate vergangen und am 02. Juli 2019 hatten wir unseren letzten gemeinsamen Tag in der Schule. Abgeschlossen mit einer wunderbaren Zeremonie mit Mandeep. Es war ein emotionaler Abschied für einige. Es sind mal wieder Thuli, Ishan und Sina, die nach wie vor in Rishikesh bleiben.

Zudem sind aber aus der ersten Gruppe auch Mariana und Violetta zurück gekommen. Die beiden waren über einen Monat in den Bergen und in Nepal unterwegs. Bevor es für sie weiter auf ihrer Reise geht kamen sie nochmal für einen Monat zurück nach Rishikesh.

„Wieso bleibst du eigentlich in Rishikesh“ fragte mich mein Papa. Tja wieso bleibe ich hier? Ich möchte nicht überstürzt losreisen und all das nicht richtig sacken lassen können. Ich möchte nicht nach all der geregelten Praxis zu einem ungeregelten Tagesablauf übergehen. Ich fühle mich sehr wohl hier und habe einen tollen Übergang gefunden. Gemeinsam mit Violetta teile ich mir nun ein Zimmer in einer anderen Yogaschule. Nur fünf Minuten von unserer alten Schule entfernt. Ich liebe die dörfliche Atmosphäre hier oben und die tolle Aussicht auf die nun grüner werdenden Berge. So langsam geht die Regenzeit los und heute ist der erste Tag an dem ich noch nicht geschwitzt habe 😀 Und das seit drei Monaten. In dieser Schule unterrichten einige unserer alten Lehrer und wir können dort wohnen und an allen Klassen teilnehmen. Jedoch haben wir keinen Druck teilnehmen zu müssen. Jeden Tag können wir also Stunden ausprobieren und den Tag eigens strukturieren. Der Stundenplan ist jedoch echt verlockend und ich bin noch dabei zu filtern, was ich täglich machen möchte ohne den ganzen Tag mit Unterricht zu verbringen. Natürlich kann man viel lernen aber es ist auch sehr bequem sich durch den Tag strukturieren zu lassen. Mein Fokus wird nach wie vor auf der täglichen praktischen Praxis liegen sowie Philosophy und Pranayama. Mal sehen was sich als eigen Studium und Praxis heraus kristallisieren wird. Der Unterricht hier ist jedoch deutlich intensiver und lehrreicher als in der Schule zuvor was den praktischen Anteil angeht. Ich bekomme hier mehr beigebracht, was ich als lehrende Person beachten kann und wie ich unterrichten kann. Es ist also eine perfekte Ergänzung zu meiner Ausbildung zuvor. Es gibt Momente in denen mich hier einiges an Informationen überflutet und ich gar nicht weiß wohin mit meiner Begeisterung und meinem Interesse. Wie bereits von zwei Monaten erwähnt fühle ich mich immer noch wie eine kleine Raupe, die an einem winzigen Blatt eines ganzen Baumes nagt. Und doch fühlt es sich so an als wäre dieses ganze Wissen bereits tief in mir und in allen Wesen verankert. Kaum verlässt man die Unterrichtsstunde ist es umso herausfordernder in eigener Regie dran zu bleiben und das gelernte für sich zu sortieren. Es ist ein langsamer Prozess, der sich in kleinen Situationen zeigt und festigt denke ich. Zu all diesen Erlebnissen kommt auch immer mehr ein realistischer Blick auf den Yoga-Tourismus und die Branche und eben auch die Schattenseiten, die dazu gehören. Eben solche Erfahrungen oder Vergleich kann ich jetzt nach zwei verschiedenen Schulen ziehen und wenn ich mich auf weitere Pfade begebe kann ich wieder neue Vergleich ziehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen wunderbaren Sonntag. Bis bald.

 

Ein paar Eindrücke der letzten Wochen:

 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort…

Diesen kleinen Freund konnte ich aus dem Wasserfall retten. Auf meinem Weg dorthin lachte mich ein Stock an. Ich hob ihn auf ohne den Zweck zu verstehen. Trug ihn mit mir bis ich an meinem kleinen Versteck am Wasserfall ankam. Dort saß ich und tankte Ruhe und Natur. Mir fiel ein kleines Fliegetier auf, welches wie wild um sein Leben kämpfte. Die Wassertropfen des Wasserfalls hatten es erwischt und außer Gefecht gesetzt. In diesem Moment machte der Stock Sinn und nach etwa 20 Minuten war sie getrocknet und konnte weiter fliegen.

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DK ist die liebevolle Seele des kleinen Cafés „Kings Cafe“. Beinahe jeden Tag kommt diese liebe Kuh und holt sich ihr Frühstück ab.

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Der tägliche Verkehr bleibt auch im ruhigeren Teil des Dorfes nicht aus…

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Ausflug zum Ganges am frühen Morgen…

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Rishikesh bei Nacht mit Blick auf die Brück „Laxman Juhla“

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Zwei Monate mit diesem Ausblick von diesem Balkon….

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Wie is(s)t man eigentlich in Indien?

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Essen ist Indien.

Ein nicht ganz unwichtiger Bestandteil, wenn man sich nach Indien begibt. Indisch essen geht auch in Deutschland und kann ebenso einen Einblick in diese vielfältige Küche bieten. Doch ist eine ganz neue Erfahrung, wenn man dann wirklich hier ist und die gesamte Kultur um das Essen herum mitbekommt. In Indien findet das Essen vor allem auf der Straße oder in geselliger Runde zu Hause statt. Das sogenannte „Streetfood“ ist ein riesiges Abenteuer. Unglaublich lecker und man weiß nie so ganz, wie es einem später geht. Allerdings muss ich sagen, dass ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe. Das das Essen ab und an nicht so ganz bekömmlich ist liegt mitunter an extremen Temperaturen. Diese können sich nämlich urplötzlich auf Obst und Gemüse auswirken und dann kann einem auch ein frisch gepresster Saft auf den Magen schlagen.

 

Ein Land durch Essen und Trinken kennen lernen ist wunderbar. Ebenso schnell wird man ja auch mit der eigenen Essens- und Trinkkultur in Verbindung gebracht. So habe ich in Deutschland bei meinen Freunden Mithun und Prema bereits einen kleinen Einblick in die indische Esskultur gewinnen dürfen. Denn eines abends war ich eingeladen zum gemeinsamen Essen. Nach drei Stunden kochen, erzählen und Zeit verbringen fand ich mich dann auf dem Boden sitzend und mit den Händen essend wieder. Zu diesem Zeitpunkt war das wirklich exotisch für mich aber ich habe auch gleichzeitig eine tiefe Verbundenheit und Zufriedenheit empfunden, konnte es jedoch noch nicht ganz einordnen.

Über ein Jahr später habe ich das dann täglich erfahren dürfen. Zwischen wilden Gewürzen, reichhaltig befüllten Tellern, bunten Farben und verschiedensten Gemüsesorten erfährt man die Qual der Wahl. Meine ersten zwei Wochen bestanden aus den Kochkünsten von Mithuns Eltern. Das war eine absolute Offenbarung. Zum einen lernte ich mit den Händen zu essen und habe mich sofort verliebt. Was wir als Kinder aberzogen bekommen ist hier normal und auch ein wichtiger Bestandteil der gesamten Verdauung. Es gibt ja verschiedene Mudras (bspw. Positionen wie man die Finger hält), die auch im Yoga in verschiedenen Situationen verwendet werden oder auch mit der Meditation verbunden werden können. Jedenfalls werden beim Essen mit der Hand (die Haltung, wenn alle Finger zusammen gehalten werden), bereits Signale an den Magen geschickt. Der Magen wird auf die anstehende Aufgabe vorbereitet, bevor wir überhaupt Essen im Mund haben. Durch das Essen mit der Hand spüren wir auch die Temperatur der Nahrung und unsere Finger sind sehr sensibel und helfen uns somit auch entsprechende Temperaturen zu meiden. Das essen auf dem Boden spielt auch eine wichtige Rolle. Die sitzende Position aktiviert ebenso alle Organe, die wichtig für unseren Verdauungs-Prozess sind. Auf dem Boden das Gemüse zu schneiden, die Teller anzurichten und zu essen… das alles fühlte sich sehr erdend an. Ich persönlich durfte eine neue Beziehung zum Thema Essen erleben. Es geschah in Ruhe und mit so viel mehr Aufmerksamkeit. Kein Besteck zwischen dem was mich nährt und was auch letzlich zu meinem Körper wird. Keine Eile, keine Ablenkung und auch keine Angst vor dem Essen. Zuerst hatte ich Angst. Denn der Berg Reis auf meinem Teller schrie förmlich „Hallo Kalorien und Kohlenhydrate“. Zwar war ich inzwischen nicht mehr ganz so in diese Essens-Thematik involviert aber trotzdem war diese Menge an Reis neu für mich. Daneben eine kleine Schüssel mit Dahl (Linsengericht) und dann meistens noch eingekochtes Gemüse. In den ersten zwei Wochen aß ich meistens zweimal manchmal auch nur einmal am Tag. Dies bedingte sich aber auch aus dem entspannten Tagesablauf, den Mithun und ich genossen. Ausschlafen und viel ausruhen bei der Hitze verlangten nicht so viel Energie von uns. Und ich fühlte mich selten zu voll gegessen und hörte auch deutlich auf meinen Körper, wenn er sagte: „Ich bin satt.“ Überraschenderweise nahm ich auch nicht zu, wie ich es anfangs befürchtete. Nein, ich gab mich so gut es ging dem hiesigen Leben hin und wollte auch erfahren, wie man sich hier ernährt und was dem Körper in entsprechenden Regionen gut tut.

Sobald ich nach Rishikesh kam endete meine so verbundene Erfahrung mit Essen erstmal. Zum einen krankheitsbedingt und zum anderen durch die touristisch geprägten Restaurants. Natürlich kann man trotzdem mit der Hand essen aber es ist irgendwie komisch, wenn alle um dich herum Besteck benutzen, inklusive der Person mit der du reist. Also veränderte sich hier meine Verhalten wieder. Auch wieder spannend zu beobachten, warum ich nicht dabei blieb, was mir eigentlich besser gefiel. Man möchte ja nicht komisch wirken, wenn man die Minderheit darstellt. Jedoch war bei dem ganzen Krank sein irgendwie auch die Hoffnung dabei, dass das Essen mit Besteck vor weiteren Erkrankungen schützt. In unserer Yoga-Schule erblickte ich dann auch einen normalen Esstisch mit Stühlen. Das bevorzuge ich tatsächlich gar nicht mehr. Im Schneidersitz auf dem Stuhl versuche ich es mir so gut es geht einen gemütlichen Sitz zu ermöglichen und hier esse ich auch wieder mit den Händen, wenn mir danach ist und es das Essen zulässt. Denn natürlich ist es nicht so leicht mit den Händen zu essen, wenn man nur Dahl isst ohne Reis oder Chapati (Weizenfladen). Hier gibt es eine ausgewogene, wenn auch manchmal sehr fettige Küche. Der Norden Indiens ist aber auch für seine deftige und eher fettige Küche bekannt. Der Süden wiederum kocht mehr mit Kokosnuss und etwas leichter. Ich mag das Essen sehr und muss aufpassen nicht über den Hunger hinaus zu essen. Der Hunger hat sich hier sehr verändert. Zum einen gibt es dreimal täglich Essen. Da fällt es schwer eine Mahlzeit auszulassen auch wenn man keinen Appetit hat. Irgendwie ist das Essen hier ja auch wie eine kleine Belohnung oder Auszeit nach den Unterrichtseinheiten. Ich kann nur für mich sprechen und meine Beziehung zu Essen ist sehr emotional und hat für mich schon immer als starke Belohnung oder Trost fungiert. Den anderen geht es jedoch auch so, dass es einfach eine starke Konditionierung ist, wenn das Essen bereit steht und man sich alternativ eben in sein Zimmer verkriecht anstatt mit den anderen gemeinsam zu essen. Die täglichen Anstrengungen für Körper, Geist und Seele ebenso wie die Hitze machen jedoch auch sehr hungrig. Mir ist vor allem aufgefallen, dass mein Körper sehr stark nach „süß“ verlangt. Dies hängt auch mit der Hitze zusammen. In Kalkutta habe ich gelernt, dass die Menschen täglich süß essen aufgrund der hohen und tropischen Temperatur. Ich weiß nicht wie viel man hier täglich an Wasser verliert aber das da einiges an Mineralien verloren geht macht Sinn. Deswegen sind die selbst herrgestellten oder gekauften Electrolyten-Mischungen auch sehr wichtig. Zur Not tut es aber auch mal Honig oder Kokosnuss-Zucker.

Honig? Ist der denn vegan? „Sina wie klappt das eigentlich mit dem vegan sein in Indien“?

Eine Frage, die ich nun schon öfter beantwortet habe und eine Thematik mit der ich mich schon vor der Reise auseinander gesetzt habe. Ja, ich bevorzuge eine vegane Ernährung, da ich gemerkt habe wie gut sie mir tut und vor allem, weil es für mich keine große Umstellung mehr war vor drei Jahren als ich beschloss diesen Weg zu gehen. Dieser Beschluss beinhaltete nicht nur Nahrung sondern auch alle Bereiche, die ich irgendwie beeinflussen konnte ( Getränke, Kosmetik, Hygiene, Materialien etc.).

Die indische und ayurvedische Küche benutzt Ghee (geklärte Butter) und auch Yoghurt, Käse und Milch. Mir war klar, dass ich die Zubereitung mit Ghee nicht umgehen konnte und vielleicht auch nicht wollte. Ayurveda interessierte mich bereits seit einiger Zeit und all die Gerichte machten Sinn in Abstimmung mit der jeweiligen Körper Konstitution und Verfassung. Wieso sollte also eine so alte „Wissenschaft“, die wunderbare Heilungsprozesse hervor bringt, daneben liegen oder eher gesagt, wieso sollte ich mich so sehr dagegen sträuben. Also stellte ich mich darauf ein, dass ich auf jeden Fall Ghee zu mir nehmen würde, da dies oft die Basis neben anderen Ölen darstellt. Dann das bekannte Getränk „Chai-Tee“. An jeder Straßenecke zu erhalten gehört er fast schon zum Alltag. Ersteinmal ankommen und Chai trinken. Auch darauf ließ ich mich ein und war kein großer Fan. Milch bekam mir quasi noch nie und gepaart mit viel Zucker war es einfach eine sehr süße Milch. Doch ich trank einige dieser kleinen Chais. Zum einen wollte ich meinen Körper von Anfang an daran gewöhnen. Man weiß schließlich nicht immer, wie das Essen zubereitet wird und ich hatte keine Lust auf unangenehme Situationen außerhalb einer mir bekannten Umgebung. Also kämpfte ich mich durch anfängliche Bauchschmerzen und sensibilisierte meinen Körper mit Milch und Zucker. Hier in Rishikesh bekomme ich den leckeren Chai mit ordentlich Masala und Pflanzenmilch, wenn mir danach ist. Anfangs wollte ich auch nicht unhöflich wirken, da man eigentlich immer einen Chai in die Hand gedrückt bekommt. Der gute Mithun orderte mir jedoch auch ganz oft einen schwarzen Tee ohne Zucker.

Also ist vegan möglich in Indien? Ich denke es ist möglich. Hier in Rishikesh stellt es kein Problem dar, da durch den Yoga-Touristen-Boom die vegane und auch roh-vegane Küche ihren Weg hier hin gefunden hat. Man bekommt Smoothies,Bowles,veganes Gebäck, Hummus…. alles was man sich vorstellen kann. Bei all der Auswahl hab ich mich meistens für ein klassisches indisches Gericht entschieden…schmeckt mir einfach zu gut hehe. Und bisher geht es mir auch sehr gut und ich denke ich habe meinen Körper gut auf alle Eventualitäten vorbereitet und kann aber auch meinen Vorlieben treu bleiben. Ich habe Flexibilität erleben dürfen und mir die Angst genommen „nicht perfekt in meiner Ethik beim Essen“ zu sein. Als ich ganz krank war habe ich einige Tage Yoghurt gegessen mit Reis. Der ayurvedische Doktor sagte mir, dass das meinem Magen sehr helfen würde, da er überhitzt ist.Tatsächlich hat es mir auch sehr schnell geholfen. Gepaart mit all den anderen Vorgaben für mein Essen konnte ich meine andauernden Beschwerden schnell begleichen.  Die indische Küche ist auf jeden Fall absolut abwechslungsreich und reichhaltig. Sie sollte mit ausreichend Bewegung verzehrt werden. Ansonsten kann man schnell einen kleinen Bauch ansetzen, wie ich hier beobachten konnte. Das ist an sich ja nicht so wild aber hier laufen schon stolze Bäuche umher und das sind eindeutig keine Muskel- oder Yogabäuche. Denn nach einer langen und intensiven Yoga-Praxis kann man auch einen ausgedehnten Bauch bekommen. Frauen habe ich noch nicht gesehen aber einige der männlichen Lehrer/Gurus haben einen ausgedehnten Bauch. Dieser ist aber tatsächlich fettfrei und entsteht durch die intensive Atempraxis wie auch die intensive Muskelnutzung.

Indiens Küche ist so bunt und unterschiedlich wie das Land selbst. Ich werde mir alle Mühe geben so viel zu probieren wie möglich. Fleisch ist hier wirklich super selten zu sehen oder zu bekommen. In Zeiten der CO2 Debatte also ein großes Dankeschön an Indien diesbezüglich. So ganz blicke ich noch nicht hinter die Milch-Politik in Indien aber ich weiß, dass Indien bisher keine Milch exportiert und nur sich selber als Land mit Milch versorgt.

Es bleibt spannend und ich freue mich weitere Einblicke geben zu können auf meiner (kulinarischen) Reise durch Indien. Ich freue mich auch über Fragen oder Anregungen. Ich sitze hier schließlich an der Quelle und kann einiges in Erfahrung bringen.

Alles Liebe.

 

You and me.

It´s gonna be me and you together on this journey. I know you never wanted to share time, love and compassion with me. I know you were scared and disgusted by me. I never understood your anger though. I have been the best version I could be. Tried to give you a home, a space and the option to explore this world. I am sorry for hurting you. I tried my best to make you not suffer. You have been so young and in pain so much. All of that was my way of protecting you. The world is rough and you were so sensitive. Using me as your speaker was smart but you didn´t know about this value. There were times when you did not care about me. It was quiet. But all of the sudden you tortured me. There has never been someone so rude, brutal and careless to me. I swallowed your hate. I thought it is a phase. But it was not. It was a whole chapter of our story. The longest in your life and also the longest in my life. I didn´t leave you. I had no choice. But we lost the connection to each other. No communication, no feelings – you didn´t care. There were times where you seemed to care but actually it was just about your ego, the opinion of others and judging. You spent a lot of energy to be in this weird contact with me. I tried to interact with you as much as I could. Sometimes I failed, you expected a lot…

As soon as I didn´t work as you wanted, it´s been such a hard time for me. But I also felt sorry for your. It´s not been just me who suffered… I felt your thoughts, anxieties, panics and hard feelings on yourself.

Actually I don´t know when exactly our relationship has changed. It´s been a slow process. Really slow. We are still struggeling every now and then but we became supportive. I try to understand you more and same for you. You improved a lot. I have never been angry with you- just exhausted or numb. But I appreciate the love you show. I feel so much more connected with you. Please don´t get irritated by the outside world. There are so many pictures, so much to compare to. But this is not what you need to do. Close your eyes and ease into me. I am here. I give you all the shelter you need. I always did and I always will – until your soul wants to move on. But please talk to me in love. Care for me as I do for you. Together we will be nourished and happy. I love you so much.

Your body

 

 

Reinigung.

Knapp 2,5 Liter lauwarmes Salzwasser habe ich in weniger als zwei Minuten hinunter gestürzt. Während ich laufe und wirr nach einer ruhigen Ecke suche fühle ich mich wie beim Staffellauf. Wo kommt dieser unbändige Ehrgeiz her? Es ist sechs Uhr morgens und ich gebe alles, ja wirklich alles um mich jetzt freiwillig zu übergeben beziehungsweise das Wasser, welches ich so eilig getrunken habe wieder los zu werden. Mein Einsatz hat sich von der ersten bis zur letzten Sekunde gelohnt – alles was ich getrunken habe konnte ich erfolgreich in den Vorgarten der Yogaschule zurück geben – Kreislauf des Lebens und so. Ja das war dann also eine der „Shatkarmas“. In unserer Pranayama Stunde lernen wir nämlich auch die verschiedenen Wege der Reinigung. Angefangen haben wir mit der klassischen Nasendusche „Jala Neti“. Das war relativ einfach und auch lustig. Endlich verstehe ich meinen Papa, der das glaube ich schon immer gemacht hat, wenn er erkältet war. Die Steigerung hierzu stellt dann die Variante „Gummischlauch durch die Nase“ dar. Daran bin ich bisher gescheitert. Im Folgenden werde ich die verschiedenen Shatkarmas kurz erläutern.

Der heutige Tag war dann eine Steigerung zu dem Montag. Wobei ich noch hinzufügen möchte, dass ich mich nach der Salzwasser Be- und Entladung wirklich gut gefühlt habe. Ich war anfangs sehr skeptisch und habe dann jedoch verstehen dürfen, welche positiven Effekte dieser Vorgang haben darf. Meine Mitstudentin Thuli hat berichtet, dass diese Reinigungsmethode auch bei ihr in Südafrika gängig ist.

Also heute habe ich auch wieder etwas in mir aufgenommen und zwar eine langes Stück Baumwolle. Quasi ein Stofftuch in der Länge und Breite eines Verbands. 4Cm breit und einige Meter lang. Dies galt es zu schlucken. Die ganze Woche hatte ich mich darauf gefreut und dieser seltsame Ehrgeiz war auch wieder da. Die Theorie las sich super und in meiner Vorstellung sollte es ein Klacks sein. Ist ja nicht so als würde ich ungerne essen, da kann man sich auch mal mit einem Stück Stoff anfreunden. Mund auf- Verband rein. Herrje war das ein Akt. Als hätte man eine Spaghetti im Hals hängen und bekommt sie nicht raus und nicht runter. Gegen das Würgen musste ich „ankämpfen“, da mir sonst meine hart „erschluckten“ Centimeter verloren gingen. Als unsere Zeit dann um war und ich aufgefordert wurde den Stoff langsam heraus zu ziehen war ich doch sehr erstaunt, wie viel Stoff da letztlich aus meinen Tiefen heraus kam. Ich freue mich tatsächlich auf nächste Woche, wenn ich diese Aufgabe wieder antreten darf.

 

Shatkarma

„Shat“ bedeutet sechs und „Karma“ bedeutet Aktion. Es geht also um sechs verschiedene Aktionen der Reinigung. Da es im Yoga darum geht sich von „Unreinheiten“ auf allen Ebenen zu befreien, zählen die körperlichen mit zu den ersten sowie auch kontinuierlichen Handlungen. Wobei ich hinzufügen möchte, dass es hier um keine dogmatischen Vorschriften geht. All das sind Angebote und Möglichkeiten des (Hatha-)Yoga jedoch keine Pflichten oder Vorschriften. Es geht primär darum die beiden Energie-Bahnen (Ida und Pinglar) in Balance zu bringen. Runtergebrochen sind das unsere Luftbahnen als Atemzugänge in Form unserer Nasenlöcher. Wenn man jeweils ein Nasenloch zuhält und atmet wird man feststellen, welche Seite derzeit aktiver ist. Ida und Pinglar stehen für Sonne und Mond und die damit verbundenen Charaktereigenschaften von Ruhe und Aktivität.

 

1. Neti für den Nasenbereich

Nasale Reinigung durch die Nasendusche oder die Reinigung durch einen feinen Gummischlauch. Dieser wird durch die Nase eingeführt und kommt dann im Rachen wieder heraus. Durch das Greifen beider Enden kann man mit vorsichtigen Bewegungen den Schlauch hin und her bewegen und somit den inneren Nasenkanal reinigen. Es geht bei diesen Praktiken darum den (giftigen) Schleim zu lösen.

2. Dhauti für den Magen

Bei Dhauti handelt es sich um drei verschiedene Möglichkeiten den inneren Trakt zu reinigen. Abführend, mit einem Stofftuch, erbrechend oder auch mit Luft. In meinem Fall mit dem Wasser geht es darum abgesetzte Gifte aus dem Magenbereich zu lösen. Deswegen wird auf nüchternen Magen Wasser getrunken, welches dann direkt im Anschluss wieder losgeworden wird. Hierbei wird jedoch nicht die ätzende Magenflüssigkeit provoziert, da sich nichts im Magen befindet, was zersetz werden muss. Darin bestanden zuerst meine Zweifel, da ich den Vorgang an sich nicht mit etwas Gesundem verbinde. Nach dem Vorgang jedoch hab ich mich super gefühlt und den Effekt verstanden. Die Stofftuch-Variante hatte ich ja bereits erläutert. Auch hier geht es um die Reinigung des Magens. Die erweiterte Variante ist, wenn das Tuch komplett im Magen angekommen ist, den Magen von Innen zu massieren. Das nennt sich dann Nauli. Es gibt noch weitere Dhauti-Reinigungen, die sich speziell auf die Kopf-Region beziehen ( Zähne, Zunge, Ohren, Stirnbereich).

3. Nauli für die Organe der Bauchhöhle

Nauli beschreibt die innere Massage der Bauchmuskulatur. Es sieht wirklich verrückt aus, wenn man sich anschaut. Man kann die inneren Organe richtig tanzen lassen. Allerdings bedarf es hierzu ein wenig Übung. Verbunden mit dem Stofftuch im Magen kann man so wohl eine ganzheitliche Reinigung erzielen. Das Stofftuch wird natürlich wieder heraus gezogen.

4. Basti für den Darm

Die Theorie für Basti ist Folgende: Es wird Wasser durch den Anus eingesaugt und für eine gewisse Zeit einbehalten bevor man sich wieder erleichtern darf. Also quasi ein Einlauf ohne Hilfsmittel.

5. Kapalbhati für den Kopf und die Lungen

Eine Atemtechnik, die der Reinigung dient. Es wird primär mit der Nabelregion gearbeitet und hat eine sehr kraftvolle Wirkung.

6. Tratka für die Augen

Hier wird bspw. Eine Kerze so lange „angestarrt“ bis die Tränen fließen. Es soll nicht geblinzelt werden. Die so erzeugten Tränen reinigen den Augenbereich.


Neben der körperlichen aktiven Reinigung finden auch passiv so viele Reinigungen statt. Es ist kein offensichtliches Mitbekommen. Es geschieht ein wenig versteckt und kommt doch plötzlich um die Ecke. Die letzten zwei Tage haben wir morgens und abends intensiv die Hüfte gedehnt, geöffnet und mit der umliegenden Muskulatur gearbeitet. Für mich ist der Hüftbereich eine echte Herausforderung. Durch meine Verletzung am Hüftbeuger vor über sieben Jahren komme ich schnell an meine (Schmerz-) Grenzen. Abgesehen davon merke ich, wie auch die anderen lieben Menschen mit mir, dass der Kraft- und Ausdauersport über die Jahre einiges verkürzt und verengt hat. Die Tänzer und Athleten unter uns haben weniger damit zu kämpfen. Eine sehr interessante Beobachtung zu sehen, wie man seinen Körper beeinflussen kann und man sich dann eines Tages auf der Matte befindet und durch all diese Jahre noch einmal hindurch geht. So fühlt es sich für mich an. Jahrelang in der Schule auf dem Stuhl hängen anstatt aufrecht sitzen, Joggen, Kraftsport, Kampfsport und nie richtig aufgewärmt oder gedehnt. All das wird mir immer mehr bewusst und mein Körper erzählt mir das in aller Deutlichkeit. Gleichzeitig bin ich beeindruckt, was die verschiedenen Haltungen bewirken können und was sich in den letzten sechs Wochen bereits verändert hat in meinem Gefühl und der Ausführung. Nun also zurück zu der Hüfte. Nach dem Nacken der zweitgrößte Bereich, in dem sich Emotionen absetzen. Mir sind die Auswirkungen von Hüf-öffnenden Übungen schon mehrmals begegnet. Ich erinnere mich an eine Yin-Yoga Stunde mit meiner Freundin Laura. Man verweilt beim Yin-Yoga für mehrere Minuten in einer Position und erreicht somit auch eine Dehnung der Faszien. Jedenfalls schauten wir uns irgendwann beide an und es kullerten die Tränen. Wir konnten keinen Auslöser festmachen, keine Erinnerung oder einen speziellen Gedanken aber es löste sich etwas in uns. Und dafür braucht man keinen ruhigen mit Kerzenschein- durchfluteten Raum. Das kann auch bei 35Grad Raumtemperatur, praller Sonne und einer zackigen Ashtanga-Stunde passieren. So erging es mir gestern und ich war überwältigt von dem was ich fühlte und doch nicht beschreiben konnte. Es kamen ein paar Bilder, welche ich dann auch Nachts in meinen Träumen aufgriff, aber an sich war es einfach ein inneres Auflockern. Unbeschreiblich dieses Gefühl. Schließlich kann man Emotionen in keinem medizinischen Scan sehen. Und doch sitzen sie überall. Jedes Gefühl in uns, jede Emotion kann sich festsetzen und uns auch blockieren. Sogar Herzmauern bilden, wie ich vor vier Jahren lernen dufte durch den „Emotions-Code“.

Mir kam dieses Erlebnis gestern vor wie eine stumme Dalmanuta-Meditation. Bilder und Gefühle kommen, sie werden gesehen und dann geht es weiter. Kein Verharren in einem Drama oder nostalgischen Erinnerungen. Es fließt und geht weiter. Ein schönes Erleben, da ich früher doch sehr an Erinnerungen festgehalten habe und mich der Nostalgie voll hingegeben habe. Auch wenn wir hier nicht so viel die inneren Prozesse besprechen, so merkt man doch, dass in allen Ähnliches vor sich geht. Es werden so viele Themen angestupst und in Gang gebracht. Vor allem sind eigentlich alle aus der neuen Gruppe richtig krank geworden. Es ist halt auch echt nicht so vorteilhaft im Mai/Juni hier zu sein und die Ausbildung zu machen. Auch unsere Lehrer sind teilweise krank geworden. Die Hitze ist enorm und der Monsun hat 20 Tage Verspätung. Keine Ahnung wieso der so trödelt 😀 Naja jedenfalls ist das dann eine besondere Herausforderung für den Körper so intensiv zu arbeiten, wenn innerlich ja auch der ein oder andere Prozess abläuft.

Ich wünsche euch allen eine tolle Vollmond-Nacht.

Gestern Abend lagen mein kleiner Bruder-Freund-Guru Ishan und ich auf dem Dach und haben bei 30 Grad mit Musik den beinahe vollständigen Mond betrachtet.

„Sina close your eyes. I will heal you“ bekam ich irgendwann als Ansage. Und dann lag ich da mit geschlossenen Augen und der 17-jährige Ishan hat dann in seiner wundervollen Stimme ganz laut immer weiter ein Mantra für mich gesungen. Ein Mantra speziell für Heilung. Sehr aufmerksam von ihm, denn zuvor ließ ich verlauten, dass mir alles weh tut 😀

Zwischen Anfang und Ende.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Da hat der liebe Hesse wohl Recht. Und jedem Ende auch. Die Sinne sind geschärft, die Wahrnehmung ist klar und es herrscht eine andere Wertschätzung. Manchmal wissen wir nur nicht, wann etwas endet, wie etwas endet oder ob etwas überhaupt endet. Manchmal ist es ein fließender Übergang , doch oft genug auch sehr plötzlich. Gibt es überhaupt Anfang und Ende oder ist letztlich alles rund? Ich bin für die runde Sache. Denn kein Abschied ist für immer und ebenso kein Anfang. So viel zu meinem Intro, welches durch den Titel entstand. Denn die letzte Zeit kann ich schwer in einen Titel packen. Shiva ist mir noch vertrauter geworden.

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Ich habe an der heiligen „Aarti-Zeremonie“ am Ganges teilgenommen und verlinke mal ein Youtube-Video bzw. einen Live-Mitschnitt.

Es wurde viel geturnt, ausprobiert, gelacht und gemeinsam gelernt. Die Dankbarkeit für meine Zeit hier ist unendlich und ich weiß, dass diese Erfahrung nicht selbstverständlich ist.

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Es klopft an der Tür. Aber ich möchte nicht aufstehen und auch nicht reden. Es klopft noch einmal. Ich stehe auf und strecke meinen Kopf aus der Türe. Mein Mitschüler steht vor mir und fragt mich, ob ich mit den anderen mitgehen möchte und was meine Pläne sind für den freien Sonntag. Nein- ich hab keine Lust mitzugehen. Ich möchte heute keine Menschen um mich haben und auch nicht weit durch die Gegend laufen. Vor allem möchte ich einfach mal für mich sein und nicht im Rudel. Der Tag heute hat um drei Uhr begonnen. Das frühe Aufstehen bereitet mir sehr viel Freude. Es ist vergleichsweise „frisch“, ruhig und dunkel draußen. Um vier Uhr haben wir uns auf den Weg gemacht und sind zu einem Berg-Tempel gefahren. Von hier aus konnten man den magischen Sonnenaufgang bestaunen.

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Das war wunderschön und natürlich prall gefüllt mit Touristen. Generell ist der Juni ein überfüllter Monat in Rishikesh. Ab Juli geht die Schule und die Regenzeit wieder los. Demnach wimmelt es hier derzeit vor lauter Familien und pilgernden Menschen. Yoga-Touris sind hier ja so oder so immer. Jetzt bin ich in meinem Zimmer und genieße einfach mal das Nichts. Ich fühle mich hier unfassbar wohl und liebe den täglichen Stundenplan, die gemeinsame Zeit mit Menschen und das aktiv sein. Aber einmal in der Woche tut es auch gut mal nichts geplant zu haben und nicht permanent in Gesellschaft zu sein. Ich hatte vor zwei Tagen schon mal so einen Tag und hab dann auch in meinem Zimmer gegessen. Vor einer Woche war hier Ausbildungs-Ende und dadurch auch ein Wechsel in der Besetzung. Natürlich war das auch emotional, denn nach einem Monat wächst man doch schon eng zusammen und irgendwie war die Truppe auch sehr besonders. Nachdem am Montag dann alle ausgeflogen waren in Richtung neuer Abenteuer, waren es nur noch der 17-jährige Ishan und ich, die hier blieben. Achso und Thuli aber sie nimmt nur sporadisch am Unterricht teil und wohnt einfach noch was in der Schule. Doch bereits am Montag trudelten schon die ersten neuen Mitbewohner ein. Nun sind hier England, Italien, Deutschland, Indien und die USA vertreten. Wobei ich gemerkt habe, dass ich die Frage „where are you from“ inzwischen nicht mehr so gerne stelle oder beantworte. Es ist doch auch wieder ein „in Schubladen“ stecken. Ich persönlich begegne Menschen aus Deutschland mit einer gewissen Distanz, wenn ich im Ausland bin. Deutsch reden möchte ich dann auch nicht. Würde ich nicht wissen, wo sie herkommen, wäre mein Umgang anders und definitiv offener. Wohingegen mich die Antwort „I´m from Australia“ schon mehrmals zu Tränen rührte. Hawaii und Südamerika weckten Neugierde und auch Freude in mir. Woher also diese unterschiedlichen Regungen, die dann im ersten Moment auf die Person projiziert werden? Und genauso regungslos antworte ich dann eben auch „I am from Germany.“ Natürlich ist es interessant zu erfahren, welche Kulturen aufeinander treffen aber letztlich ist es auch wieder ein Einordnen. So- ein kurzer Gedankenexkurs. Also die Truppe ist neu gemischt und seit Donnerstag dem 06. Juni hat der neue Ausbildungs-Monat begonnen. Für Ishan und mich ging es mit der 300 Stunden Ausbildung weiter, die dann in einem Monat die 500 Stunden -Ausbildung vervollständigt. Die Anderen machen die 200 Stunden-Ausbildung. Einige Unterrichts-Einheiten haben wir gemeinsam. Die Fächer Philosophie, Anatomie und die abendliche Yoga-Stunde unterscheiden sich für uns. Man verbringt also bis auf ein paar Pausen den Tag gemeinsam. Der Wechsel der Gruppe hat für mich auch eine Veränderung, der vorherrschenden Energie mit sich gebracht. Nun bin ich ein „alter Hase“ und mehr in der aktiven als passiven Rolle. Konnte ich vorher doch mehr observieren bin ich nun eher mal gefragt oder gebe Tipps. Ishan blüht immer mehr auf und weicht mir selten von der Seite. Er ist wie ein kleiner Bruder aber auch von kleinen Brüdern braucht man ab und an mal eine Pause.

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Eine Herausforderung für mich, denn ich brauche meinen Raum und er schafft es immer wieder die unsichtbare Linie zwischen Nähe und Distanz zu überschreiten. Er ist für mich mit einer meiner Lehrer hier, unbewusst. In den ersten Wochen wusste ich nicht mit ihm umzugehen und er hat mich wirklich schnell auf die Palme gebracht. Nach und nach habe ich jedoch verstanden, dass alles was mich an ihm aufgeregt hat, letztlich meine eigenen Anteile waren. Und so ging es mir hier mit jeder Person. Immer dann, wenn mich etwas genervt oder aufgeregt hat, hab ich kurz Inne gehalten und musste dann schmunzeln. Wie gut kann man durch noch unvertraute Menschen lernen. Nach dieser Erkenntnis stellte sich bei mir eine Ruhe ein und auch eine Neugier auf all das, was mich zukünftig noch aus der Fassung bringen wird in diesem Rahmen.

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Fokus und Konzentration. Zwei so mächtige und wichtige Dinge. Und wie schnell werden sie durch unsere Gedanken ins Wanken gebracht. Immer mehr kann ich meinen Verstand kontrollieren und erfahre dadurch sehr viel Frieden. Man muss nicht immer alles wissen, sehen oder erfahren. Immer mehr genieße ich die Zeit, in der meine Augen bewusst geschlossen sind. Mein Bedürfnis nach Schlaf hat sich verändert. Fiel es mir sonst sehr schwer morgens aufzustehen oder generell aus dem Zustand des Schlafes zu erwachen und voller Freude auf einen neuen Tag zu sein – kann ich es nun abends kaum erwarten wieder aufzuwachen. Nicht erschöpft und das bei teilweise nur 4-5 Stunden Schlaf. Hieß es doch immer ich benötige mindestens 8 Stunden. Dem war auch so. Wieso hat sich das also zum Beispiel verändert? Mein Tag ist nicht weniger anstrengend als zuvor. Er ist durchgetaktet und verlangt mir einiges an mentaler und körperlicher Anstrengung ab. Gewiss wird mir einiges an täglichen Aufgaben abgenommen und der Rahmen in dem ich mich befinde ist sehr wohltuend. Trotzdem frage ich mich, wieso ich erst jetzt lerne, wie man sich ohne Geld oder große Mühen, so bereichern kann. Klar kann man sich denken- Sina ist jetzt im Yoga-Film und alles ist furchtbar blumig, leicht und wunderbar. Aber ich lerne hier Dinge kennen oder entdecke sie wieder, die nicht neu erfunden wurden. Dinge, die es immer schon gab und für jeden zugänglich sind. Dinge die längst aufgeschrieben und vermittelt wurden und doch nicht für uns zugänglich sind in beispielsweise Deutschland. Also wovon spreche ich? Ich spreche von der Kraft des Atmen, Sauerstoff, der viel zu wenig in unserem Körper ankommt und uns so gesund halten und machen kann. Ich spreche von der Möglichkeit Inne zu halten, der Möglichkeit den Körper auf natürliche Weise zu reinigen, angemessen und im Einklang zu essen, ganzheitlich behandelt zu werden und im Falle einer Krankheit im Tempo des Körpers zu heilen. Ich spreche von der Kraft der Vibration, der Stimme, dem Gesang und bestimmten Lauten. Mantren. Eine so eindrucksvolle Kunst und für jeden Menschen zugänglich. Die Wirkung, Auswirkung und Heilung durch und mit Mantren ist überwältigend. Hier wird überall gesungen und getanzt. „Ich kann nicht singen oder tanzen“ hab ich noch keinmal gehört. Es gehört dazu und steckt an.

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Und während ich diese Dinge aufzähle möchte ich keinen Vergleich ziehen oder sagen „das ist gut und das ist schlecht“. Nein. Solche Konversationen habe ich selbst erlebt, in denen gegen Deutschland oder den Westen gewettert wurde und Indien oder die östliche Welt so viel besser ist. Besser oder schlechter gibt es nicht und durch Vergleiche erzielt man keinen Austausch sondern nur Konfrontation und Frustration. Mein Wunsch wäre es, so viel wie möglich von dieser Kultur und diesem Wissen in die westliche Welt zu integrieren. Ebenso wie die westliche Welt sich auch in Indien bemerkbar macht. Es gibt immer zwei Seiten und dazwischen viele viele Farben.

Ein Diktiergerät für Gedanken wäre wunderbar. Wie oft habe ich Texte bereits gedanklich fertig geschrieben in etlichen Situationen… und dann ist es schon wieder weg. Mein Eindrücke sind nicht einzufangen und das gilt auch für dieses Land. Es reizt mich mehr zu sehen und zu erleben in Indien. Trotzdem ist meine derzeitige Tendenz, noch ein wenig in Rishikesh zu bleiben nach dem zweiten Monat der Ausbildung. Wie das in einem Monat aussieht werde ich ja dann sehen aber ich möchte all die Zeit nicht so verpuffen lassen. Auf Reisen ist es schwierig Routinen einzuhalten oder eine tägliche Praxis aufrecht zu erhalten. Deswegen möchte ich gerne noch ein wenig verweilen, sacken lassen und intensivieren. Mal sehen was so geschieht.

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Ansonsten ist es hier stetig heiß. Angenehme 40 Grad aufwärts erfrischen uns täglich. Aber der Wind in Form von Föhn Luft erleichtert einem das Atmen in der staubtrockenen Luft. Haha. Man gewöhnt sich tatsächlich an alles. Es ist auf jeden Fall günstiger als Sauna und so lange man genug trinkt und sich nicht unmittelbar für längere Zeit in der Sonne aufhält ist es auch machbar. Vor einigen Tagen hat es dann mal ordentlich gewittert und geregnet. Da haben Ishan und ich doch glatt einen kleinen Regentanz auf dem Dach aufgeführt. Ein unfassbar befreiender Moment. Singen und tanzen unter freiem Himmel, ohne Scham und sogar nüchtern. Neben mir der 17 jährige Ishan, ebenso frei und laut singend. Anschließend schauen wir den Himmel an und er sagt einfach nur: „Now I am really happy Sina.“

Ja, genau diese kleinen Momente in unserem Leben. Ganz gleich wo, mit wem oder wann. Immer wieder haben wir dieses kleine Sekundenglück. Nicht zu beschreiben und unvergleichbar. Genau diese kleinen Momente, die für jede Person unterschiedlich sind, gilt es wahrnehmen zu können, denn das ist unsere innere Freiheit.